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Seit 14:05 Uhr Campus & Karriere
StartseiteCampus & Karriere Nichts geht mehr!30.10.2008

Nichts geht mehr!

Generalstreik an Italiens Hochschulen erinnert an 1968

Schüler und Studierende ziehen seit heute morgen protestierend durch Roms Innenstadt. Generalstreik in allen staatlichen Bildungseinrichtungen ist angesagt. Immer wieder ruft die Menge den Namen von Bildungsministerin Mariastella Gelmini zusammen mit bösen Schimpfwörtern.

Von Thomas Migge

Generalstreik in Rom  (AP)
Generalstreik in Rom (AP)

Hundertschaften schwerbewaffneter Polizisten bewachen das Bildungsministerium wie auch die Regierungspaläste, vor denen schon in der der Nacht zahlreiche Protestierende Stellung bezogen haben.

Roma Tre, Roms dritte staatliche Hochschule. Heute Vormittag: Sit-ins vor den einzelnen Fakultäten mit Studierenden und Professoren, mit Journalisten und Fernsehkameras.. Die Stimmung ist gespannt.

Auch in den Aulen und Seminarräumen. Die Fakultäten sind voller junger Leute, die Protestaktionen organisieren, die gegen die Bildungspolitik wettern und Interviews geben, wie zum Beispiel Marco Vinci, der an Roma Tre Physik studiert und zu den Besetzern seines Fakultätsgebäude gehört:

""Worum es mir vor allem geht? Dass die staatlichen Ausgaben für die Hochschulen nicht, wie geplant, um 1,5 Mrd. Euro in drei Jahren gekürzt werden. Seit Jahren leiden die Fakultäten an Geldmangel. Das neue Gesetz sieht ja auch vor, dass auf fünf freiwerdende Stellen im Wissenschaftsbereich nur eine einzige Neubesetzung kommt. So wird unsere Hochschulbildung und - forschung kaputtgemacht. Was hier an den Unis geschieht, ist enorm wichtig”."

So wichtig, dass sich jetzt auch Intellektuelle und Künstler einschalten und die Proteste der Studierenden unterstützen. Gestern besuchte Literaturnobelpreisträger Dario Fo eine Mailänder Hochschule, drückte den Protestierenden seine Solidarität aus und beschwor eine neue Studentenrevolte im Stil der 68er-Generation. Auch Umberto Eco begrüßt die neue Massenbewegung der Studierenden gegen die Bildungspolitik der Regierung Berlusconi. Der immense Protest gegen das neue Hochschulgesetz, dass nächste Woche offiziell verabschiedet werden soll, meint der Semiotiker und Schriftsteller, sei zum Auslöser einer landesweiten Anti-Berlusconi-Bewegung geworden, die sich, so Eco, nur schwer unter Kontrolle bringen lassen wird. Genauso denkt auch Franca Carandini. Sie studiert an Roma Tre Philosophie und schläft inzwischen auch in ihrer Fakultät, aus Angst vor nächtlichen Räumungsversuchen der Polizei:

""Das ist doch schnell gesagt: wir lassen uns das alles nicht mehr gefallen. Wir sind nicht nur gegen die sogenannte Bildungsreform, sondern gegen diese ganze Regierung. Die muss weg und deshalb protestiere ich hier gegen all das, was dieser Regierungschef uns antut”. "

Studierende und Professoren hoffen, dass ihre Proteste dafür sorgen werden, dass sich die Regierung die Hochschulreform noch einmal durch den Kopf gehen lässt. Eine vage Hoffnung, denn obwohl auch Schüler, Eltern und Lehrer wochenlang gegen die Reform der Schulen protestierten, wurde dieser Teil der Bildungsreform ohne Veränderungen vom Parlament verabschiedet. Es wird damit gerechnet, dass nächste Woche die Hochschulreform ohne Zugeständnisse ebenfalls Gesetz wird.

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