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StartseiteInformationen am MittagMorden für Gras und Wasser09.02.2018

NigeriaMorden für Gras und Wasser

Im fruchtbaren Landwirtschaftsgürtel von Nigeria konkurrieren nomadische Viehzüchter und sesshafte Bauern um Gras, Wasser und Land. Dieser Konflikt weitet sich aus, und die Regierung bekommt ihn nicht in den Griff. Allein im Januar sollen dabei mehr als 160 Menschen getötet worden sein.

Von Jens Borchers

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Ein Bauer treibt nahe der Stadt Katsina im Norden von Nigeria sein Rind über eine Straße. Im Hintergrund sind weitere Bauern mit einem Ochsenkarren. (picture-alliance/ dpa / Wolfgang Langenstrassen)
Kampf um die knappen Ressourcen Wasser und Land: Der Verteilungskampf zwischen Bauern und Viehzüchtern wird zunehmend mit Mord und Totschlag ausgetragen (picture-alliance/ dpa / Wolfgang Langenstrassen)
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Sie sind ein Teil des Problems: Die Kühe auf dem Viehmarkt der Stadt Makurdi gehören Züchtern, die jedes Jahr als Nomaden in diese Gegend kommen. Das Fleisch der Tiere ist hochwillkommen. Ihr Hunger und ihr Durst nicht. Nomadische Viehzüchter suchen Gras und Wasser für ihre Tiere. Die ansässigen Bauern bauen Getreide und Früchte auf ihren Feldern an. Dafür brauchen sie die knappen Ressourcen Wasser und Land. Die Folge: Mord und Totschlag, seit Jahren schon, und wütende Proteste:

"Es geht um die andauernden Morde durch die Viehzüchter", sagt ein Bauer im Bundesstaat Benue. Im Januar waren 80 Menschen in Benue ermordet worden. Von den Tätern fehlt jede Spur, es sollen Viehzüchter vom Stamm der Fulani gewesen sein.

Die Sicherheitskräfte sind offenbar völlig überfordert

Beide bewaffnen sich zunehmend, Milizen haben sich gebildet. Es ist schon längst kein lokal begrenzter Konflikt mehr. Siebzehn nigerianische Bundesstaaten sollen betroffen sein. Nigerias Präsident Buhari versichert, die Regierung arbeite Tag und Nacht, um wieder friedliche Verhältnisse herzustellen. Aber die Kette die Grausamkeiten reißt nicht ab.

Vor einigen Tagen zündeten Unbekannte in Gboko sieben Männer bei lebendigem Leib an. Die Opfer hatten helle Haut, wie die Viehzüchter des Fulani-Stammes. Das reichte offenbar aus, um sie zu ermorden. Auch nach diesem Verbrechen wurde niemand festgenommen. Die Sicherheitskräfte scheinen völlig überfordert. Osai Ojigho, Direktorin von Amnesty International in Nigeria, sagt:

"Wir erleben fast anarchische Zustände, die Leute begleichen untereinander Rechnungen."

Bevölkerungswachstum und Klimawandel als Konfliktursachen

Eine Spirale von Gewalt und Gegengewalt. Osai Ojigho meint, dieser Konflikt betrifft keineswegs nur Nigeria. Rasantes Bevölkerungswachstum und Klimaveränderungen führen zu immer mehr Druck auf die natürlichen Ressourcen.

"Mit der Zeit haben sich immer mehr Menschen in den Gebieten niedergelassen, in die nomadische Viehzüchter immer ihr Vieh getrieben haben. Das geht quer durch die Sahelregion, durch Westafrika."

Traditionell treiben Nigerias nomadische Viehzüchter ihre Herden während der Trockenperioden im Norden des Landes dorthin, wo Gras und Wasser zu finden sind - ins Zentrum des Landes. Beispielsweise in den Bundesstaat Benue. Aber der dortige Gouverneur hat das jetzt per Gesetz verboten. Das Argument: Wir brauchen das Land, das Wasser und das Gras selbst. Für unsere Bauern.

Der Gouverneur sagt: "Alles Land ist besetzt"

"Ich weiß doch, wie es in unserem Bundesstaat ist - da gibt es nicht einfach mal zwei Hektar Land für Viehherden. Sie können hier nicht hin, alles Land ist besetzt."

Nigerias Regierungen haben diesen lange schwelenden Konflikt zwischen Bauern und Viehzüchtern sträflich vernachlässigt. Der Landwirtschaftsminister gibt zu:

"Es ist traurig, das sagen zu müssen - aber in den zurückliegenden 50 Jahren haben wir viel für die Reis-, Cassava-, Kokosnuss- oder Mais-Bauern getan. Aber nicht viel für die Viehzüchter."

Der Verteilungskampf wird zunehmend mit Mord und Totschlag ausgetragen. Momentan ist nicht abzusehen, ob und wie Nigerias Regierung diesen Konflikt befrieden kann.

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