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StartseiteEine WeltZweifelhafte Erfolgsmeldungen im Kampf gegen Boko Haram07.01.2017

NigeriaZweifelhafte Erfolgsmeldungen im Kampf gegen Boko Haram

Seit 2009 haben die Terroristen von Boko Haram in Nigeria mehr als 20.000 Menschen getötet, mindestens 2,6 Millionen Menschen sind auf der Flucht vor den Islamisten. Nun meldet die Regierung - erneut - eine gelungene Militäroffensive gegen die Terrorgruppe. Doch geschlagen ist Boko Haram noch lange nicht, glauben Beobachter.

Von Dunja Sadaqi

Einsatz der nigerianischen Armee im Sambisa-Wald. (picture alliance / dpa / Nigerian Army / Handout)
Einsatz der nigerianischen Armee im Sambisa-Wald. (picture alliance / dpa / Nigerian Army / Handout)
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"Technically we have won the war." - Technisch haben wir den Krieg gegen Boko Haram gewonnen – das sagte Nigerias Präsident Muhammadu Buhari vor mehr als einem Jahr in einem Interview. Und jetzt hat er diese Aussage wiederholt.

Der Grund: der jüngste militärische Schlag, die Eroberung des über 1.300 Quadratkilometer großen Sambisa-Waldes, eines der wichtigsten Rückzuggebiete von Boko Haram. Die Terrorgruppe sei endgültig zerschlagen, so Präsident Buhari. Hunderte Kämpfer seien festgenommen worden, andere befänden sich auf der Flucht, ohne sich irgendwo verstecken zu können.  

"Als wir hier ankamen, berichtet dieser Soldat, hatten wir für 30 Minuten Widerstand. Durch das Durchhaltevermögen meiner Truppen konnten wir die Lage in den Griff kriegen und 23 Dörfer befreien."

Boko-Haram-Chef Shekau meldet sich immer wieder zu Wort

2.000 Zivilisten sollen die Soldaten so befreit haben. Auch die letzten (218) der 2014 entführten Schülerinnen (276) aus dem Ort Chibok sollen im Sambisa-Wald gefangen gehalten werden – von ihnen fehlt weiterhin jede Spur. Auch von Boko-Haram-Chef Abubakar Shekau, der schon mehrfach für tot erklärt wurde. Doch fast wie jedes Mal, wenn Nigerias Militär einen Erfolg gegen die Terrorgruppe vermeldet, meldete sich Shekau in einem Video zu Wort. Gesund sei er und Boko Haram nicht vertrieben worden, die Kämpfer seien immer noch gut verborgen.

"Nur so aber können sie wirklich sagen, sie haben die Rebellen besiegt. Wenn sie die Führung der Gruppe geschnappt haben. Solange die Führung von Boko Haram am Leben ist, ist Boko Haram nicht besiegt." 

Das sagt Sicherheitsexperte Kabiru Amadu aus der Hauptstadt Abuja. Immer wieder sagen Beobachter das Ende der Terrorgruppe voraus. Auch, wenn Boko Haram militärisch zurückdrängt werden konnte und keine Landstriche mehr kontrolliert.

Selbstmordattentate und Angriffe auf Dörfer bleiben

Eine der größten Schwierigkeiten Nigerias bleibt, die zurückeroberten Gebiete auch sicher zu halten. Denn: Die Selbstmordattentate und Angriffe auf Dörfer und Städte bleiben. Allein im Dezember (2016) sprengten sich mehrere Frauen auf Märkten im Nordosten des Landes in die Luft und rissen mehrere Menschen mit in den Tod. Zwar starben 2016 weniger Menschen durch Boko Haram als im Vorjahr, sagt Sicherheitsexperte Amadu, dennoch müsse die Regierung nicht nur militärisch gegen Boko Haram vorgehen. 

"Sie müssen anfangen, die Missstände unter der Bevölkerung auszumerzen, die auch eine Art Unterstützung für Boko Haram erzeugt haben. Und das heißt, die Überheblichkeit und auch den Missbrauch der Sicherheitskräfte zu bekämpfen. Aber auch Armut, schlechte Regierungsführung – das sind alles Probleme abseits der Militäroperation. Und erst wenn die Regierung das angeht, wird sie erfolgreich gegen den Terrorismus sein." 

Außerdem solle die Regierung islamische Gruppen im Land stärken, die sich gegen Boko Haram ausgesprochen haben, um der Ideologie der Terrorgruppe den Nährboden zu entziehen. Amadu rechnet weiterhin mit Terroranschlägen. Boko Haram gilt als zersplittert, eine zweite Gruppe, die sich dem sogenannten Islamischen Staat angeschlossen hat, wütet in der Nähe des Tschadsees - und dieses Gebiet sei wesentlich schwieriger zugänglich als der Sambisa-Wald. Und: Boko Haram ist keine nationale Bedrohung. Die Terrormiliz kämpft nicht nur in Nigeria, sondern auch im Norden Kameruns und in der Region Diffa im Niger.

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