Freitag, 15.12.2017
StartseiteVerbrauchertippPutzen für Meise & Co.18.09.2017

Nistkästen ausmisten und reinigenPutzen für Meise & Co.

Im September hat auch der letzte Vogelnachwuchs die Nistkästen verlassen. Zurückgeblieben sind in den Kästen lebende Parasiten, aber auch unausgebrütete Eier oder tote Jungvögel. Auch im Winter sind die Kästen bewohnt - der Spätsommer ist daher die richtige Zeit für die Nistkasten-Reinigung.

Von Anne Sailer

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Ein Sperlingsweibchen fliegt einen Nistkasten aus Holzbeton an, es hält Nistmaterial im Schnabel. (dpa / Wolfgang Kumm)
Weniger ist mehr beim Nistkastenputzen (dpa / Wolfgang Kumm)
Mehr zum Thema

Igelstation Berlin Abschied von geliebten Wintergästen

Winterschlaf Tiere im Energiesparmodus

Nistkasten-TV Blick in die Kinderstube von Vögeln

Nistkästen Sicherer Schutz für Jungvögel

Angelika Mühlhaus ist, seit sie sich erinnern kann, fasziniert von der heimischen Vogelwelt. Die Hobbyornithologin läuft über ihre Streuobstwiese und steuert direkt auf einen Nistkasten zu. Dieser hängt an einem Draht im Baum, damit größere Tiere wie Waschbären oder Katzen das Nest nicht plündern können, dafür ist er nämlich zu unstabil:

"Das hier ist ein Meisenkasten, man sieht das am Loch, das ist ein bisschen größer, da gucken wir mal rein, was drin ist. Ich nehme das Nest jetzt raus und dann gucken wir uns mal das Nest an. Das ist ein richtiges kleines Kunstwerk. Und diese Meise hatte Geschmack: Sie hat sogar rote Wollfäden eingewebt. Man kann sich auch vorstellen, dass das schön warm hält und kuschlig ist. Wir machen die immer ganz sauber."

Um den Nistkasten zu säubern, nimmt Angelika Mühlhaus das Holzhäuschen nicht einmal vom Baum: "Das ist ein Handfeger, hier ist ein Spachtel für den groben Dreck, brauchen wir sicher nicht und ein Spray, welches erst mal so ein bisschen das alte Schlechte abtötet. Wenn ich schon mal dabei bin, dann mache ich das auch so. Ich kehre das jetzt raus. So, nun kann es erst einmal ein bisschen auslüften."

Heißes Wasser statt Chemikalien

Für Lars Lachmann, den Vogelexperten vom NABU Deutschland, ist das Nistkastenputzen eine ganz einfache Sache. Oder anders gesagt: Weniger ist mehr. "Einfach entweder mit der Hand oder mit einem Besen das Nest herausnehmen und einfach einmal, am besten mit so einem Handfeger durchfegen. Wenn man es ganz ordentlich machen will, kann man noch mal mit heißem Wasser nachspülen. Was man auf jeden Fall vermeiden sollte, ist, dass man so putzt, wie man das bei sich selber im Haus machen würde, also mit Chemikalien und Reinigungsmitteln, das brauchen die Vögel alles nicht." 

Die Nistkästen von Parasiten und Insekten zu reinigen ist überflüssig oder sogar schädlich, meint er: "Die kommen sowieso sofort wieder, sobald die Vögel dort ein Nest bauen, denn die Vögel tragen die Parasiten selbst im Gefieder. Man sollte nur einfach dafür sorgen, dass die Parasiten nicht gleich mit einem Riesenbestand auf die neuen Jungvögel dann im nächsten Jahr loslegen können, sondern dass sich die Bestände erst langsam wieder aufbauen müssen."

Mäuse, Hummeln und einige Vögel ziehen im Winter ein

Auch im Winter sind viele Nistkästen übrigens bewohnt. Mäuse tummeln sich hier, Hummelköniginnen und Winterschläfer wie die Bilche - sie werden auch Schlafmäuse genannt - finden hier ihren Winterschlaf. Nicht zuletzt die heimischen Vögel kommen, um sich zu wärmen. Das ist nur ein Grund, warum Nistkästen so wichtig sind. Lars Lachmann vom NABU Deutschland meint: Vor allem in Städten sollte es immer mehr Nistkästen geben, da heimische Vögel auf dem Land immer seltener, weniger werden. Monokulturen und Pestizide vertreiben sie in die Städte.

"Wir haben also eine sehr große Verantwortung, mit unseren Gärten eine naturnahe Umgebung zu schaffen, in der viele Vogelarten und natürlich die ganzen anderen Tier- und Pflanzenarten, die mit zu diesem Ökosystem gehören, überleben können."

Übrigens: So ein Nistkasten hält lange. Ausgewechselt werden muss er nur, wenn Dach oder Wand fehlen oder zum Beispiel ein Specht das Einflugloch vergrößert hat. Schließlich sollen die jungen Vögel im Frühjahr keinen Räubern zum Opfer fallen.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk