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StartseiteUmwelt und VerbraucherBlick in die Kinderstube von Vögeln08.05.2017

Nistkasten-TVBlick in die Kinderstube von Vögeln

Was machen die Jungvögel im Nistkasten? Wann essen sie, wann schlafen sie? Kindergartenkinder in Leverkusen können das live über eine Webcam verfolgen. Der Bund für Umwelt und Naturschutz hat sie eingerichtet - zur Unterhaltung, aber auch um wissenschaftliche Daten zu sammeln.

Von Susanne Kuhlmann

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Junge Schwalben verlangen nach Futter – und werden von einem Elternteil versorgt.
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"Das waren sechs Eier, und jetzt sind die geschlüpft. Das weiß ich. Die hatten auch lange gebrütet."

Weit aufgesperrte Schnäbel sind zu sehen, die flauschigen Körper der Jungmeisen und alle paar Minuten ein Elterntier, das Futter verteilt. Der Monitor steht auf einem Stuhl zwischen Garderobe und Gartentür, und die Kinder kommen immer wieder daran vorbei und beobachten, was geschieht. Günter Olbert leitet die Tagesstätte.

"Wir sitzen hier morgens oft zusammen, gucken erst mal und erzählen dann einfach über das Geschehen, was da passiert. Es ist so, dass der den ganzen Tag über an ist, damit die Kinder den ganzen Prozess mitbekommen, zumindest die Zeit, die sie hier sind."

Olivia Müller vom Bund für Umwelt und Naturschutz in Leverkusen hat noch zwei weitere Kindergärten der Stadt mit Nistkastenkameras ausgestattet.

"Wir machen solche Aktionen zum einen, um Interesse an der Natur zu wecken. Man kann nur schützen, was man kennt. Nicht jedes Kind kommt heute noch in Kontakt mit der Natur. So ist es eine tolle Möglichkeit, dass sie das mal erleben, hautnah dran sind. Es ist einfach spannend zu sehen, die ganze Entwicklung, für Kinder. Man sieht, wie begeistert sie davorsitzen."

Die Webkamera im Nistkasten sendet in die Kita

Eine Webkamera im Nistkasten zeigt, wie die Vogeljungen schlüpfen und aufwachsen. Und zwar nicht nur in der Kindertagesstätte in Leverkusen-Opladen, sondern auch über Links auf den Internetseiten des Naturschutzbundes Nabu. Birgit Königs ist Pressesprecherin beim Nabu in Nordrhein-Westfalen. Webkameras, sagt sie, sollen zusätzlich wissenschaftliche Daten liefern.

"Um sehen zu können, wie läuft das Brutgeschäft, wie viele Eier legen die Vögel, wie erfolgreich ziehen die ihre Jungen groß, und welche Schwierigkeiten tauchen dabei auf. Von Jahr zu Jahr schwankt das. Und diese Daten sind wichtig, um das Verhalten und Populationsstärken von Tieren erfassen zu können und besser bewerten zu können."

Warum flogen im vergangenen Winter so wenige Vögel zu den Futterhäuschen? Lag es am schlechten Wetter während der Brutzeit? Oder spielen andere Faktoren eine Rolle?

"Das versucht man in diesem Jahr über die Nistkästen zu klären. Man erhofft sich erste Eindrücke. Wie ist die Raupenversorgung, wie ist die Nahrungsgrundlage für Singvögel. Können die Singvögel ihre Jungen großziehen? Gibt es noch genügend Nahrung?"

Wenn es weniger Mäuse gibt, fehlt den Raubvögeln Futter

Nicht nur Meisen wird in die Kinderstube geschaut, sondern auch Weißstörchen, Turmfalken und Schreiadlern. Zwei Kameras für Schreiadler hat die Staatliche Forstverwaltung in Lettland aufgehängt, wo die weltweit größte Population dieser seltenen Adlerart lebt. Die Forscher wollen vor allem herausfinden, was junge Schreiadler zu fressen bekommen. Die Deutsche Wildtier-Stiftung beteiligt sich an diesem Projekt. Verantwortlich ist dort Dr. Andreas Kinser, der hofft, durch die Beobachtungen in Lettland Erkenntnisse für den Schutz der rund 120 deutschen Schreiadlerpaare zu gewinnen. Sie leben in Mecklenburg-Vorpommern und in Brandenburg.

"Wir wissen aus diesen Untersuchungen in Lettland mittlerweile sehr genau, dass mit Abstand der größte Teil der Beute Mäuse sind, Feldmäuse oder auch Waldmäuse, die sich auch mal im Waldrandbereich aufhalten."

Aber die immer seltener zu finden sind. Mäuse stehen auch beim Waldkauz ganz oben auf dem Speiseplan, und deshalb wird dem Vogel des Jahres auch ins Nest geguckt. Birgit Königs vom Nabu:

"Mäuse sind besonders in der Landwirtschaft nicht sehr beliebt, werden mit Giften beseitigt. Das sind Dinge, da weiß man, das könnte auch dem Waldkauz schaden. Wenn der schwerpunktmäßig Mäuse frisst und es ist ein schlechtes Mausejahr, weil viel vergiftet wurde, dann kriegt der seine Jungen nicht groß."

Bis etwa Ende Mai, wenn die Jungvögel flügge geworden sind, bleiben die verschiedenen Nistkastenkameras noch online und über die Internetseite des Nabu erreichbar. Anschließend geht es mit den Siebenschläfern weiter. In deren Nisthöhle in Leverkusen wird es ab Juni spannend, und das zeigt der Nabu auch online.

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