• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Google+
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
 
Seit 03:30 Uhr Forschung aktuell
StartseiteForschung aktuellNoch viel zu tun20.11.2007

Noch viel zu tun

Aktuelle UN-Klimagaszahlen „besorgniserregend“

Klimaforschung. – Nach dem IPCC ist jetzt das UN-Klimasekretariat an der Reihe. Die in Bonn ansässige Organisation veröffentlichte jetzt die aktuellen Emissionswerte für die Unterzeichner der UN-Klimarahmenkonvention. Die sich auf das Jahr 2005 beziehenden Zahlen zeigen weiterhin einen Aufwärtstrend.

Von Volker Mrasek

Die Industrieländer haben 2005 ihren Kohlendioxidausstoß gegenüber 2004 weiter gesteigert. (AP)
Die Industrieländer haben 2005 ihren Kohlendioxidausstoß gegenüber 2004 weiter gesteigert. (AP)

Für einen Klima-Diplomaten äußerte sich Yvo de Boer heute in Bonn ziemlich unverblümt:

"Emission trends around the world and especially in industrialized countries are worrying."

Die Treibhausgas-Trends auf dem ganzen Erdball seien besorgniserregend, vor allem in den Industrieländern. Das sagte der Leiter des Klima-Sekretariates der Vereinten Nationen bei der Vorstellung der jüngsten Statistik aus seinem Haus. Die aktuellsten und geprüften Zahlen beziehen sich auf das Jahr 2005. De Boer:

"”Die Emissionen der Industrieländer sind im vorletzten Jahr beinahe auf ein Allzeit-Hoch geklettert. Von 2004 auf 2005 haben sie insgesamt um 2,6 Prozent zugenommen.""

41 entwickelte Länder haben die Klima-Rahmenkonvention von Rio 1992 unterzeichnet. Und 38 davon auch konkrete Reduktionsziele beschlossen, gemäß dem Kyoto-Protokoll. Dazu gehören im Wesentlichen westliche Industriestaaten. Aber auch die sogenannten Ökonomien im Umbruch. Damit gemeint sind die Länder des früheren Ostblocks. Über die geballten Emissionen der Vertragsstaaten weiß niemand im Bonner Klima-Sekretariat so gut Bescheid wie Sergej Kononov. Er ist der oberste Datenhüter der UN-Behörde und lieferte heute die Details:

"”Wenn man sich die letzten 15 Jahre anschaut, dann gab es unterschiedliche Trends. Zwischen 1990 und ’95 sind die Emissionen zunächst um sieben Prozent gesunken. Bis zum Jahr 2000 kam es dann aber zu einem Anstieg in Höhe von zwei Prozent. Und von 2000 bis 2005 haben die Emissionen sogar um drei Prozent zugenommen.""

Über die Gründe dafür müsse man nicht lange spekulieren, meinte der UN-Inspekteur. Kononov:

"”Die früheren Ostblockstaaten erleben zurzeit ein beschleunigtes wirtschaftliches Wachstum. Aber auch in den hochindustrialisierten Ländern steigt der Ausstoß von Treibhausgasen noch. Und man muss bedenken, dass ihre absoluten Emissionsmengen viele Millionen Tonnen höher liegen.""

Genau das ist so besorgniserregend an den Zahlen. Wäre die marode und veraltete Industrie im früheren Ostblock nicht zusammengebrochen, gäbe es so gut wie gar keine Fortschritte im Kampf gegen den Klimawandel. Nach der jüngsten Bonner Statistik haben viele westliche Industrieländer seit 1990 sogar zweistellige Zuwachsraten bei den Treibhausgas-Emissionen – selbst in der EU. Portugal zum Beispiel legte in dieser Zeit um 43 Prozent zu, Spanien sogar um 53. Auch Österreich und Luxemburg schneiden schlecht ab: Von ihren Kyoto-Zielen sind die beiden EU-Mitglieder runde 30 Prozent entfernt. Anders dagegen Schweden, Finnland, Frankreich und Großbritannien: Sie hatten ihr Soll schon 2005 erfüllt. Deutschland fehlten nur noch knapp drei Prozent von 21. So könnte am Ende sogar die Europäische Union an ihrer Kyoto-Hürde scheitern. Von minus acht Prozent, die sie erreichen will, waren 2005 erst 1,5 geschafft – nicht mal ein Fünftel. UN-Klimadiplomat Yvo de Boer gab sich heute dennoch optimistisch:

"”Nach den Plänen der Vertragsstaaten kann das Kyoto-Ziel ohne Zweifel noch immer erreicht werden. Es ist sogar möglich, dass die vorgesehene Emissionsminderung um insgesamt fünf Prozent übertroffen wird.""

Doch das könne nur dann gelingen, wenn - wie de Boer betonte – die Länder der Erde ab sofort einen strikten Klimaschutz-Kurs steuerten.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk