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Nollywood boomt

Das Filmfestival von Durban und der Aufstieg der afrikanischen Filmproduktion

Von Leonie March

"Nairobi Half Life" ist der Debütfilm des kenianischen Regisseurs Tosh Gitonga auf dem Filmfestival in Durban. Die Kraft der jungen afrikanischen Filme ist hier deutlich zu spüren. Und das, obwohl in den meisten Ländern des Kontinents die Strukturen für Filmförderung und Ausbildung fehlen.

Mwas möchte nur eines – Schauspieler werden. Hoffnungsvoll bricht er nach Nairobi auf. Doch dort angekommen wird er erst mal ausgeraubt. In seiner Not schließt er sich einer Gang an, verliert seinen Traum vom Theater nicht aus den Augen. Doch es wird immer schwieriger parallel in beiden Welten zu leben – im Slum und auf der Bühne. "Nairobi Half Life" ist der Debütfilm des kenianischen Regisseurs Tosh Gitonga. Entstanden aus einem Workshop von "One Fine Day Films", einer Initiative von Tom Tykwer, der den Film co-produziert hat.

"Die jungen Filmemacher hier sind natürlich auch geprägt vom westlichen Kino, aber eben auch vom indischen und vom afrikanischen Film und von Soaps. Das ist eine ganz eigentümliche, verrückte Melange, und ich glaube, "Nairobi Half Life" ist auch der erste Film, in dem sich das schon etwas deutlicher ausdrückt, weil er so eine gewisse Krassheit manchmal hat und dann auch wieder eine große Nachdenklichkeit, eine Melancholie, aber dass die Sprünge sozusagen zwischen emotionalen Zuständen sehr viel unmittelbarer sind, als wir das gewohnt sind. Lust an einer bestimmten Art der Aggressivität auch, die ich so nicht kenne, aus keinem anderen Kino. Mit gefällt das halt sehr gut. Aber auch gerade deshalb, weil es so ungewohnt ist und weil es so eine eigene Kraft hat."

Die Kraft der jungen afrikanischen Filme – beim Festival in Durban ist sie deutlich zu spüren. Vorbei die Zeit, als der Kontinent als Kulisse für Safari-Romanzen herhalten musste, als Afrikaner nichts weiter als exotische Statisten waren oder Objekte sozial-ethnologischer Forschung. Afrikaner erzählen ihre Geschichten nun selbst, schöpfen aus ihrem eigenen Erfahrungsschatz und nehmen ungewohnte Blickwinkel ein – erfrischend, manchmal verstörend und mit einem selbstkritischen Augenzwinkern.

Simbabwes Antwort auf "Sex and The City" haben Kritiker diesen Film genannt – doch "Playing Warriors" passt in keine Schublade. Die Geschichte von vier jungen Frauen im Land Mugabes geht viel tiefer als das amerikanische Geplänkel über Männer und Shopping. In ihrer Heimat hat der unterhaltsame Film eine ernsthafte Diskussion über die Rolle der Frau ausgelöst, erzählt Regisseurin Rumbi Katedza. Sie hat beim Festival in Durban auch ihr neues Projekt im Gepäck. Beim sogenannten "FilmMart", einem Co-Produktionsforum, wird sie es in dieser Woche potenziellen Geldgebern vorstellen.

"Es ist eine brillante Plattform. Sie ermöglicht uns, Leute zu treffen, die den Film mit finanzieren oder vertreiben könnten. Denn neben der Finanzierung stellt der Vertrieb in Afrika eine der größten Herausforderungen dar. Es werden zwar viele Filme gedreht, aber manchmal ist es einfacher einen Hollywoodstreifen zu sehen, als eine einheimische Produktion. Es gibt nur wenig Kinos und kaum Programmkinos. Festivals wie dieses helfen, alternative Vertriebswege zu finden und afrikanische Filme international auf den Markt zu bringen. Solche Gelegenheiten, ein großes Projekt zu realisieren, sind in Afrika noch immer rar."

In den meisten Ländern des Kontinents fehlen Strukturen für Filmförderung und Ausbildung. Dank der preiswerten digitalen Technik gibt es zwar viele lokale Low-Budget-Produktionen, der Zugang zum internationalen Markt aber bleibt vielen verschlossen. Das Filmfestival im südafrikanischen Durban hat deshalb, in Kooperation mit der Berlinale, einen Talent Campus ins Leben gerufen und mit dem "FilmMart" ein weiteres Sprungbrett für junge Filmemacher geschaffen. Daraus sind bereits eine ganze Reihe erfolgreicher Kooperationen entstanden, betont Toni Monty vom Durban Film Office.

"Mittlerweile entwickelt sich ein Netzwerk afrikanischer Filmemacher, das jedes Jahr weiter wächst. Wir haben Kontakte mit Europa und den USA geknüpft, die unseren Filmen ermöglichen auch international Beachtung zu finden. Das war vorher unter anderem aus logistischen und Kostengründen nicht möglich. Es ist auch eine große Chance, das Bild Afrikas in der Welt zu verändern und zu differenzieren. Die Filme bieten einen Einblick in den Alltag, die Kulturen und die vielen unterschiedlichen Facetten des Kontinents."

Afrika hat viel mehr zu bieten als Krisen, Korruption und Krankheit. Der Kontinent befindet sich im Aufbruch, Gesellschaften verändern sich. Entwicklungen, die die neue Generation Filmemacher in den Fokus nimmt.

Das Internationale Filmfestival in Durban dauert noch die gesamte nächste Woche, bis Sonntag 29.7. Weitere Informationen unter: www.durbanfilmfest.co.za (englisch)

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