Samstag, 16.12.2017
StartseiteForschung aktuellZauberwatte gegen Ölverschmutzung13.06.2017

Nominiert für den Europäischen ErfinderpreisZauberwatte gegen Ölverschmutzung

Ein neu entwickelter Stoff kann Öle und Chemikalien im Wasser binden und saugt Schadstoffe wie ein Schwamm auf. Entdeckt hat diese Zauberwatte eine Firma aus Sachsen-Anhalt. Sogar das Europäische Patentamt ist beeindruckt. Das Adsorptionsmitte "Pure" ist für den Europäischen Erfinderpreis nominiert.

Von Christoph Richter

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Die öl-adsorbierende Watte von Deurex auf einem grünen Blatt (Deurex AG)
Die öl-adsorbierende Watte von Deurex ist für den Europäischen Erfinderpreise nominiert (Deurex AG)
Mehr zum Thema

Transporterkühlkette Sensorobst soll Müll vermeiden

Sounds of New York Lärmforscher kartieren Geräuschquellen

Tolle Idee! Kraftwerk in der Sohle

"Wir haben hier ein Glas mit Wasser", auf dem ein Ölfilm schwimmt. Produktmanager Steffen Remdt führt vor, wie ein watteartiges weißes Knäuel das Öl aufsaugt. Im Nu ist das Öl gebunden. Und man kann das Wachs zusammenhängend rausnehmen.

Das Besondere daran: Es nimmt kein Tröpfchen Wasser auf, sondern nur hydrophobe – also wasserabweisende - Flüssigkeiten, wie Öle, Chemikalien, aber auch Alkohol und Tenside. Weshalb auch schon mal von Zauberwatte die Rede ist, weil das Wachs wie ein Schwamm die Schadstoffe binnen Minuten rückstandslos aufnimmt, verschmutztes Wasser wieder sauber werden lässt.

Die Idee entstand durch ein Missgeschick

Der Stoff nennt sich "Pure" und wurde von der Firma Deurex erfunden. Im normalen Leben stellt man Wachse für Farben und Lacke her, die in der Automobil oder Druckindustrie zum Einsatz kommen. Entstanden ist die Idee durch ein Missgeschick, als ein Mitarbeiter des Unternehmens Deurex in Elsteraue bei Zeitz im Süden Sachsen-Anhalts bei einem Versuch Druck und Temperatur verwechselt hat.

"Für einige Anwendungen ist es erforderlich, dass die Wachse sehr, sehr fein sind. Dazu wird das Wachs aufgeschmolzen und durch eine Düse mit sehr hohem Druck gesprüht. Direkt an der Düse entstehen feinste Tropfen, das Mikronisat. Und bei einem Produktionsversuch, ist es eben passiert, das nicht das feine Pulver entstanden ist, sondern feine Fasern. Und damit hat man dann auf einmal so ein Produkt gehabt."

Nach Angaben des Unternehmens Deurex kann die Erfindung das gut sechseinhalb-fache seines Eigengewichts aufnehmen. Also ein Kilo dieser Watte kann mehr als sechs Liter Öl aufsaugen, ein Drittel mehr als die üblichen Ölbindemittel. Entscheidend für die Wasser-abweisende und Schadstoff-aufnehmende Wirkung ist die Faser-Struktur der Watte, erklärt der gebürtige Münchner Günther Hufschmidt, der Erfinder des Superstoffs und einer der Geschäftsführer des Unternehmens.

"Das heißt, das ist unglaublich verzweigt. Das sind lauter Fäden im Nano-Bereich und durch diese Fäden entsteht eine Kapillarwirkung…" Das hochviskose Öl wird aufgesaugt, während das Wasser abperlt. Produktmanager Steffen Remdt ergänzt: "Letztlich wird durch diesen Effekt eine sehr große Oberfläche erzeugt. Ein Gramm von dem Produkt hat eine Oberfläche von drei Quadratmetern. Das ist das, wo das Öl dann anhaftet."

Effizientes Mittel im Kampf gegen Ölkatastrophen

Ideal für den Einsatz bei globalen Ölkatastrophen, havarierten Tankern, aber auch praktisch für den Hausgebrauch, die eigene Garage, wenn das Auto leckt.

Die wasserabweisende Watte bindet aber nicht nur die genannten Schadstoffe, sondern löst sich im Wasser auch nicht auf, anders als die gängigen Ölbinde-Mittel, die meist aus Pulver bestehen. Die vollgesaugte Watte kann nach der Nutzung wie ein Schwamm - weil sie nicht untergeht, sich nicht zersetzt und weiter auf der Wasseroberfläche schwimmt – als dreckige Klumpen problemlos aus dem Wasser gefischt werden.

"In Unternehmen, wo es Prozesse gibt, wo Öl Wasser verunreinigt, ist es extrem wichtig, dass das Wasser wieder behandelt wird. Und da gibt es einen Grenzwert für die industrielle Wiedereinleitung, der liegt bei 10 bis 20 Milligramm Kohlenwasserstoffe pro Liter. Wir erreichen mit Pure einen Grenzwert von 0,3 Milligramm, der liegt also deutlich darunter."

Anfragen aus aller Welt

Die Zusammensetzung des Grundstoffs der Watte möchte man allerdings – trotz mehrfacher Nachfragen - nicht so recht verraten. Es heißt nur: "Bitte sprechen Sie von synthetischen und natürlichen Wachsen, die für die Herstellung des Produktes verwendet werden können".

Beim Elbe-Jahrhundert-Hochwasser 2013 kam der Stoff erstmals zum Einsatz. Hierzulande hat man aber auch großen Erfolg bei der Anwendung an Windrädern. Denn die Turbinen verlieren ständig Öl, damit das aber nicht ins Grundwasser sickert, fängt man es mit der Watte auf. Die Anfragen kommen aber auch aus der ganzen Welt, wie Israel, Indonesien, China, Nigeria und Mexiko.

Branchenkenner sagen den Erfindern heute schon für die Zukunft hohe Wachstumsraten voraus. Aber das steht jetzt erst einmal im Hintergrund, denn am Donnerstag wartet in Venedig der Rote Teppich. Wenn es heißt: "Der Europäische Erfinderpreis 2017 geht an ..."

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk