Donnerstag, 14.12.2017
StartseiteKommentare und Themen der WocheTrump setzt auf gesprächslose Macht und Stärke30.11.2017

Nordkorea-KriseTrump setzt auf gesprächslose Macht und Stärke

Der Abbruch aller diplomatischen Beziehungen zu Nordkorea sei ebenso wirkungslos wie töricht, kommentiert Georg Schwarte. Kim Jong Un wäre durch das Schließen der Deutschen Botschaft nur mäßig zu beeindrucken. Kommunikationskanäle zu verschütten sei der falsche Weg, um einen Atomkrieg zu verhindern.

Von Georg Schwarte

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Die Deutsche Botschaft in Pjöngjang (Nordkorea, undatiertes Handout). (Auswärtiges Amt)
Als Reaktion auf den jüngsten nordkoreanischen Raketentest will Außenminister Sigmar Gabriel das Botschaftspersonal in Pjöngjang reduzieren (Auswärtiges Amt)
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Die Pflicht des Diplomaten besteht in wechselseitigen, unaufhörlichen Konzessionen. Klingt nicht wirklich nach Donald Trump. Ist es auch nicht. Bismarck sagte das einst, über die Rolle der Botschafter. Augen und Ohren der Staaten sollen sie sein. Gerade dann, wenn es kriselt und kracht.

Gesprächslose Stärke?

Die USA aber, zumal die Vereinigten Staaten unter Donald Trump, sehen auch das - wie so vieles - anders. Es besitzt schon eine tragische Komik, wenn ausgerechnet die höchste Diplomatin der USA am Weltsitz der Vereinten Nationen, dem Zentrum der globalen Diplomatie, alle Nationen dazu aufruft, im Fall Nordkorea auf eben jene Diplomatie zu verzichten. Das Selbstverständnis, das daraus spricht, ist das Selbstverständnis einer Nation unter Donald Trump, die auf gesprächslose Macht und Stärke setzt. Im Fall Nordkorea mag es klug sein, dem Machthaber Kim Jong Un machtvoll gegenüber zu treten. Gelassen souverän zu sein auch im Angesicht von roher Brutalität einer Diktatur, die das Volk hungern lässt, um die eine, mächtige Waffe zu haben. Eine nuklearwaffenfähige Interkontinentalrakete.

Diplomatie im Zeichen von Trump

Zwischen der gelassenen Souveränität einer mächtigen Demokratie und den verrohten Drohgebärden eines Diktators aber sollten noch Unterschiede erkennbar sein. Donald Trump arbeitet derzeit daran, zumindest die rhetorisch-symbolischen Unterschiede zu verwischen. Neulich erst hat Nikki Haley der Welt bei der Vereinten Nationen erklärt, es gebe keinen Mittelweg in Sachen Nordkorea: Entweder ihr unterstützt Nordkorea oder ihr unterstützt uns. Diplomatie in Zeiten von Trump. Schwarz oder weiß. Und jetzt also die Forderung, alle Verbindungen zu Nordkorea zu kappen. Isoliert das Land. Lasst die Lichter ausgehen. Schlagt die Türen zu. Schneidet buchstäblich den letzten Gesprächsfaden ab.

Was im Umgang mit normalen Staaten möglicherweise ein mächtiges symbolisches Zeichen wäre, der Abbruch aller diplomatischen Beziehungen oder nur die Drohung damit, wäre im Fall Nordkoreas ebenso wirkungslos wie töricht. Ein Diktator eines Landes, dem der US-Präsident ausgerechnet im Weltsaal der Vereinten Nationen die totale Zerstörung androhte, ein solcher Diktator wäre vermutlich durch das Schließen der Deutschen Botschaft nur noch mäßig zu beeindrucken.

Kommunikationskanäle werden gebraucht

Gerade aber in diesen Zeiten, in denen Worte wie Atomkrieg, Erstschlag, totale Zerstörung wieder aus dem verschüttet geglaubten Keller der Kalten Krieger geholt werden, gerade in solchen Zeiten, braucht es die Möglichkeit, vor Ort Einfluss zu nehmen. Dialog zumindest anzubieten. Augen und Ohren eines Staates zu sein. Die Amerikaner nutzten bisher die schwedische Vertretung als Kommunikationskanal nach Pjöngjang. 23 andere Botschaften gibt es dort noch. Sie alle zu schließen, es würde die totale Zerstörung, den Atomkrieg vermutlich nicht verhindern. Im Gegenteil.

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