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StartseiteKommentare und Themen der WocheGefährlicher Sandkastenkrieg09.08.2017

Nordkorea-USA-KriseGefährlicher Sandkastenkrieg

Feuer und Rauch: US-Präsident Donald Trump begegnet Kim Jong-un auf dem Niveau eines Westernhelden, meint Jürgen Hanefeld. Dabei gibt es durchaus einen Weg aus der Krise. Die USA müssen verhandeln, zusammen mit Russland, China, Japan und Südkorea am Tisch. Denn es stehe mehr auf dem Spiel als ein Sandkastenkrieg.

Von Jürgen Hanefeld

US-Präsident Donald Trump und der nordkoreanische Machthaber Kim Jong-un (ED JONES / BRENDAN SMIALOWSKI/ AFP)
Streiten wie Kinder, obwohl die Situation brenzlig ist: US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un. (ED JONES / BRENDAN SMIALOWSKI/ AFP)
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"Die Karikatur, die heute in vielen asiatischen Blättern zu sehen ist, trifft den Punkt: Da sitzen plärrende Babies - das eine Trump, das andere Kim - in der Sandkiste und bewerfen sich gegenseitig mit Dreck. Weggelassen sind allerdings die Mütter, die den Streit schlichten könnten. Bei Nordkorea könnte man noch an China denken, eine Stiefmutter allenfalls, der Kim auf der Nase herum tanzt. Aber wer würde den wutschnaubenden Trump zügeln können?

Kim Jong-un: alles andere als ein Wirrkopf

Zugegeben, es ist eine brenzlige Situation entstanden, aber in Wahrheit keine neue. Schon seit mindestens zwei Jahren erklärt der nordkoreanische Diktator, was er will. Er will Atommacht sein. Darin sieht er seine einzige Überlebenschance. Mit Blick auf andere Despoten, die keine Atomwaffe hatten, ist sein Standpunkt zumindest nachzuvollziehen. Nur mit der Bombe fühlt er sich sicher vor dem, was die Amerikaner so schön "Regimewechsel" nennen. Ein klares Kalkül, das zeigt, dass Kim alles andere als ein Wirrkopf ist. Er ist der jüngste Diktator der Welt, bekommt nirgendwo Asyl und will sein Land noch ein paar Jahrzehnte regieren.

Viel wirrer erscheint die Position der USA. Ganz abgesehen von der Frage, ob es nicht drängendere Probleme auf der Welt gibt - zum Beispiel Syrien - fragt man sich, warum er Kim auf dem Niveau eines Westernhelden begegnet. Feuer und Zorn, Wow! Und wenn sich der Rauch verzogen hat, was bleibt dann übrig? Ein total zerstörtes Nordkorea, dessen Kriegsopfer nach China und Südkorea fliehen? Das würde sich China nie gefallen lassen.

Niemand kann einen Weltkrieg wollen

Man muss sich immer wieder vor Augen halten, worum es in Wahrheit geht. Nordkorea will Atommacht werden, nicht um die USA anzugreifen, sondern um eine glaubwürdige Abschreckung zu haben.

Es gibt nur zwei Wege aus dieser Krise: Entweder erkämpft Nordkorea den Status einer Atommacht mit Gewalt. Das birgt die Gefahr eines Weltkrieges, den niemand wollen kann. Oder Trump wird vernünftig. Hört auf zu drohen und beginnt zu verhandeln. Mit Russland, China, Japan und Südkorea am Tisch. Der erste Schritt wäre es, dass die jährlichen Manöver der Amerikaner ausgesetzt würden und Nordkorea seinem Raketenprogramm ein Moratorium gönnt. Kein neuer Vorschlag, gewiss, aber besser als der sinnlose und gefährliche Sandkastenkrieg. Denn wie gesagt: Es fehlen die Mütter, die die Streithähne auf den Schoß nehmen."

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