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StartseiteHintergrundFeinde oder Brüder?07.01.2016

Nordkoreanische Flüchtlinge in SüdkoreaFeinde oder Brüder?

In der Hoffnung auf ein Leben ohne Hunger und Gewalt wagen viele Nordkoreaner die gefährliche Flucht in das Nachbarland Südkorea. Dort haben sie mit kulturellen Unterschieden und Vorurteilen zu kämpfen - ein Leben zwischen Integration und Isolation.

Von Johannes Nichelmann

Nordkoreanische Flüchtlinge bei ihrer Ankunft am südkoreanischen Flughafen Inchon. (dpa/picture alliance/Kim Jae-Hwan)
Vorurteile und Geringschätzung: Flüchtlinge aus Nordkorea haben es schwer. (dpa/picture alliance/Kim Jae-Hwan)
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Stolz verkündet die Nachrichtensprecherin im Nordkoreanischen Staatsfernsehen was die Weltgemeinschaft in Aufruhr versetzt. Der sogenannte "Oberste Führer" der "Demokratischen Volksrepublik Korea" Kim Jong-un habe den Test einer Wasserstoffbombe veranlasst. Die Reaktionen weltweit sind einhellig. Sogar die letzten Partner Nordkoreas, China und Russland, verurteilen den Kernwaffentest. Ob es sich tatsächlich um eine Wasserstoffbombe handelte, zweifeln Experten weltweit an. Dennoch: vor allem die USA und Südkorea drohen mit ernsthaften Konsequenzen. Seit 1953 gilt zwischen Nord- und Südkorea nur ein Waffenstillstand.

Noch in der letzten Woche hielt Kim Jong-un seine Neujahrsansprache: Er betonte die Kriegsbereitschaft seines Landes. Gleichzeitig wolle er aggressive Anstrengungen unternehmen "Gespräche zu führen und die Beziehungen zu Südkorea zu verbessern". Außerdem habe er vor, den Lebensstandard seines Volkes anzuheben. Kim Jong-un wörtlich: "Alle Anstrengungen sollten auf den Aufbau einer Wirtschaftsmacht gerichtet werden." Wenig ist über ihn persönlich bekannt. Es heißt, er sei am 08. Januar 1983 in Pjöngjang zur Welt gekommen. 2011 stirbt sein Vater Kim Jong Il. Seitdem ist er der sogenannte "Oberste Führer" der Volksrepublik. Einem Land, aus dem seit den 1990'er Jahren zehntausende Menschen haben fliehen können.

Im Feindesland Südkorea leben ungefähr 30.000 Nordkoreaner. Die meisten in der 20 Millionen Metropole Seoul. Koreanischer Pop, bunte Geschäfte und blinkende Lichter überall. Diese Stadt ist immer laut und grell.

Cho Donghyeon ist 32 Jahre alt. Seit acht Jahren lebt der Nordkoreaner in Seoul. Wenn er heute im Internet Berichte über die Kim-Familie liest, macht ihn das wütend:

"Ich bin belogen worden. Ich empfand gegenüber der Kim-Familie Respekt und Ehrfurcht. Jetzt hat sich das in Wut und Hass verwandelt."

Er trägt eine große Brille mit schwarzem Rahmen, blickt seinen Gesprächspartnern tief in die Augen. Er ist momentan dabei sein Studium der Politikwissenschaft und internationalen Beziehungen zu beenden. Während einer großen Hungersnot floh er im Jahr 2000 gemeinsam mit seinen Geschwistern nach China.

Mühsame Flucht nach Südkorea

"Ich hatte gehört, dass man in China nicht hungern muss und dass die Menschen etwas reicher sind als in Nordkorea. In der Nacht sind wir dann heimlich, ohne von den Soldaten entdeckt zu werden über die Grenze rübergegangen. Es war schon fast Frühling, aber der Tumenfluss war noch zugefroren – so konnten wir ihn überqueren."

Diesen Weg nehmen die meisten Flüchtlinge. Werden sie entdeckt, drohen harte Strafen. Gefängnisaufenthalte und Folter. Doch die Gefahr ist in China nicht vorüber. Pjöngjang und Peking haben ein Abkommen, wonach Nordkoreaner zurückgeschickt werden können. Einige der Nordkoreaner benötigen mehrere Anläufe, bis sie in China untertauchen oder in andere Länder weiterreisen können. Direkt nach Südkorea zu fliehen ist unmöglich.
Die Grenze zwischen den verfeindeten Staaten gehört zu den bestbewachten der Welt. Zunächst wollte Cho Donghyeon, wie viele Flüchtlinge, auch gar nicht dorthin.

Südkoreanischen Soldaten riegeln bei Kaesong nahe der Grenze zu Nordkorea eine Straße ab (AFP / JUNG YEON-JE)Die Grenze zu Nordkorea wird streng bewacht. (AFP / JUNG YEON-JE)

"Ich hatte durch die Propaganda in Nordkorea ein ziemlich festes Bild von Südkorea. Es dauerte zwei Jahre, bis sich das verändert hat. Durch die südkoreanischen Medien hab ich erfahren, dass es doch besser ist, dort zu leben.

Ich mochte die Kultur, die Musik, die Filme. Das alle wollte ich genießen, deswegen habe ich mich dazu entschlossen, nach Südkorea zu kommen."

Viele wollen in die USA oder nach Kanada, einige in die Europäische Union. Ein südkoreanisches Gesetz besagt: Jeder nordkoreanischer Bürger ist automatisch auch Bürger der Republik Korea. Doch die Wirklichkeit ist viel komplizierter. Das Leben für den Großteil der Nordkoreaner in Südkorea ist mitnichten so bunt und schillernd, wie es die Filme und Musikvideos versprechen.

Desinteresse beim Thema Nordkorea

"Wir Flüchtlinge aus Nordkorea erfahren eine gewisse Geringschätzung. Dieser Gedanke, dass wir ein gemeinsames Volk sind, scheint es hier nicht zu geben. Die Leute denken, wir Nordkoreaner sind dumm und unfähig. Das macht es uns hier sehr schwer."

Nord- und Südkoreaner unterscheiden sich in der Sprache. Die Sprache im Süden hat sich stark verändert - es werden viele Anglizismen verwendet. Die Ausdrucksweise aus dem Norden empfinden viele Südkoreaner als äußerst altertümlich. Laut einer Umfrage des Wiedervereinigungsministeriums sagen nur knapp 19 Prozent der Nordkoreaner in Südkorea offen, wo sie eigentlich herkommen.

Die Ethnologin Lee Soojung lehrt an der Duksung Frauen Universität in Seoul. Sie hat sich lange damit beschäftigt, wie Menschen aus Nordkorea in Südkorea leben. Für sie steht fest: bei der Integration gibt es große Probleme. Dies läge nicht zuletzt an der Politik unter der konservativen Präsidentin Park Geun-hye.

"Die junge Generation ist mit der Trennung aufgewachsen. Für sie ist seit ihrer Geburt die Republik Korea, Südkorea, ihr Vaterland. Das ist Teil ihrer Identität. Die Bildungspolitik zu diesem Thema war bislang sehr inkonsistent. Immer dann, wenn eine bestimmte Regierung an der Macht ist, reden sie zwar oberflächlich über die Wiedervereinigung, aber in Wahrheit wird die Bildungspolitik antikommunistisch und gegen Nordkorea ausgerichtet. Beim Blick auf die Lehrpläne in den Schulen wird deutlich, dass Nordkorea thematisch ganz hinten in den Büchern steht. Also kurz vor den Prüfungen dran kommen soll. Wenn Sie dann Schüler fragen, kommt heraus, dass sie selten etwas dazu gelernt haben. Wegen der eben genannten Probleme wissen nun die Lehrer nicht, wie sie den Schülern das Thema beibringen sollen. Ist Nordkorea jetzt Feind oder Brudervolk? Sie können ihren eigenen Standpunkt nicht finden und sind vorsichtig."

Beim Thema "Nordkorea" herrscht gerade bei jungen Südkoreanern vor allem Desinteresse. Anders bei den älteren Menschen. Sie haben eine emotionale Verbindung zum Norden – manche wurden von ihren Verwandten getrennt. Familienzusammenführungen gibt es selten. Die Schere zwischen arm und reich klafft in Südkorea besonders weit auseinander. Die Hälfte der über 65-jährigen lebt in relativer Armut. Erfahren Südkoreaner aber, was die geflüchteten von der Regierung an Unterstützungsleistungen erhalten, werden viele wütend – sagt Lee Soojung. Nordkoreaner bekommen 20.000 US-Dollar Starthilfe, dazu eine kostengünstige Wohnung. Die Studiengebühren an den Universitäten von Südkorea sind sehr hoch. Sie liegen bei bis zu 5.000 Euro pro Semester. Für viele südkoreanische Familien ist das eine so große Belastung, dass sie schon weit vor Studienbeginn ihrer Kinder mit dem Sparen anfangen. Für Nordkoreaner in Südkorea hingegen ist das Studium kostenfrei.

Lee Soojung: "Ein Grund, warum sie Gegenstand von Unterstützungsprogrammen sind, rührt aus der feindlichen Beziehung zwischen Süd- und Nordkorea. Und aus der daraus folgenden Systemkonkurrenz. "Sie sind geflohen und nach Südkorea gekommen. Deshalb müssen wir sie in der südkoreanischen Gesellschaft besonders gut behandeln und sie gut ansiedeln." Diese Logik ist in vielen Programmen mit inbegriffen. Noch ist es uns möglich, diese hohen finanziellen Investitionen zu leisten, weil es nur knapp dreißigtausend Menschen sind. Aber wenn die Zahl steigen würde, könnte diese besondere Unterstützung höchstwahrscheinlich nicht fortgesetzt werden."

Eine junge Frau aus Nordkorea telefoniert in einem Flüchtlingslager in Südkorea (AFP / Kim Jae-Hwan)Eine junge Frau aus Nordkorea in einem Flüchtlingslager in Südkorea (AFP / Kim Jae-Hwan)

Bevor die Nordkoreaner Geld oder andere Leistungen erhalten, werden sie nach ihrer Ankunft am Flughafen von Seoul vom Nationalen Geheimdienst "NiS" befragt. Woher stammen sie genau? Wie sind sie geflohen? Es soll ausgeschlossen werden, dass Nordkorea Spione einschleust. Außerdem will die Regierung verhindern, dass sich Chinesen als Nordkoreaner ausgeben, um die südkoreanische Staatsbürgerschaft zu erlangen. Nach den Befragungen werden die Nordkoreaner in das 100 Kilometer von Seoul entfernte Einheitscenter "Hanawon" gebracht. Innerhalb von drei Monaten sollen sie hier lernen, wie ein Geldautomat funktioniert, wie man eine U-Bahn benutzt und was es mit den westlichen Werten auf sich hat.

Drei Jahre lang hat Youn Miryang diese Einrichtung geleitet. Zuvor hat sie 28 Jahre lang im Wiedervereinigungsministerium gearbeitet, war tätig als Vorsitzende des Süd- Nordkoreanischen Dialogs.

Leben wie im "freundlichen Gefängnis"

Wenn wir Freiheit lehren, sagen wir: Freiheit ist das Recht, selbstständig und aktiv Entscheidungen zu treffen. Wir teilen ihnen mit, dass die südkoreanische Gesellschaft keine Gesellschaft ist, in der man nichts zu tun braucht. Es ist eine Gesellschaft in der man – auch wenn man an einer Universität studiert hat – arbeitslos werden kann. Das ist Realität, und genauso machen wir das auch bekannt.
Wenn sie denken, ohne Mühe Geld verdienen zu können, betrügen sie sich selbst. Deshalb laden wir Flüchtlinge ein, die von ihren Erfahrungen berichten. Damit versuchen wir, die Menschen auf die strenge Konkurrenzgesellschaft vorzubereiten.

Viele Nordkoreaner begreifen Hanawon als eine Art "freundliches Gefängnis". Sie dürfen zu keinem Zeitpunkt ohne Begleitung das Gelände verlassen. Youn Miryangs Begründung: sie besäßen noch keinen Personalausweis und hätten damit keine Möglichkeit ihre Identität zu beweisen. Erst am Ende der Schulungen werden sie dann offiziell zu vollwertigen Mitgliedern der Gesellschaft.

Youn Miryang: "Es sieht zwar so aus, als würden sie es leicht annehmen. Aber sie haben einen sehr schwachen Begriff davon, dass aus mehr Rechten auch mehr Verantwortung folgt. Wie soll ich sagen? Getreu dem Motto: 'Ich kann nach Belieben tun und lassen, was ich will.' Sie verlangen fast eine Art Zügellosigkeit. Was ich jetzt sage, könnte vielleicht zu Missverständnissen führen. Nordkoreaner haben eine hohe Toleranz für Gewalt. Sie denken, dass es in der Welt Taten gibt, die mit Gewalt bestraft werden müssen. Wenn sich nun Programmteilnehmer gegenseitig schlagen, wird das äußerst streng geahndet. Sie werden für einige Wochen voneinander isoliert oder von den Ausflügen suspendiert. Sie werden hart bestraft."

2014 hat das Wiedervereinigungsministerium knapp 1.800 Nordkoreanerinnen und Nordkoreaner über die Qualität ihres Lebens in Südkorea befragt. 32 Prozent von ihnen haben einen Universitätsabschluss, 4,4 Prozent haben diesen in Südkorea abgelegt. Auf die Frage, ob der Arbeitsplatz etwas mit der Studienausrichtung zu tun hat, sagen 18 Prozent "Ja". Bei den Südkoreanern sind es mehr als doppelt so viele.

Kirchliche Organisationen helfen bei Arbeitssuche

Die "Merry Year Foundation" ist eine kirchliche Organisation, die sich unter anderem für nordkoreanische Flüchtlinge einsetzt. Mitarbeiterin Seo Na-Rae hat in den letzten Jahren viele Arbeitssuchende aus dem Norden betreut. Darunter auch Professoren, Ärzte und Ingenieure.

"In Wirklichkeit arbeiten sie, wenn sie hier ankommen, im Produktionsbereich oder im Service. Es sind Berufe, die Akademiker aus Südkorea eigentlich nicht annehmen würden. Die Nordkoreaner wünschen sich Berufe von hohem Niveau aber das klappt selten. Um Jobs zu schaffen, haben wir ein Sozialunternehmen, eine Fabrik, gegründet."

Ein paar Kilometer außerhalb von Seoul werden Pappkartons gefertigt. Projektleiter Kim Seong-geun ergänzt die Aussage seiner Kollegin: Es sei aus Mentalitätsgründen schwierig, Nordkoreaner auf dem Arbeitsmarkt zu integrieren.

"Ich gebe Ihnen ein Beispiel: wenn sie in einem Café arbeiten, dann kennen sie unsere Kaffee-Kultur nicht und fragen: "Warum trinkt man diesen geschmacklosen Kaffee für so viel Geld?" Sie können das nicht nachvollziehen und daher ist guter Service nicht möglich. Es herrschen Kulturunterschiede über den Wert von Arbeit, darüber, was Dienstleistungen sind. Sie sind weder fleißig, noch sehr aktiv. Das ist ein Problem."

Besuch in der Fabrik für Pappkartons. Arbeiterinnen schneiden mit schweren, öligen Maschinen Pappen zurecht, andere schnüren mit einem Gerät kleine Kisten zusammen. Eine Arbeiterin, um die vierzig Jahre alt, erzählt:

"Also diese Firma hier wurde ja für Flüchtlinge aus Nordkorea gebaut. Da für uns alles neu ist. Wir haben ja keine speziellen Fertigkeiten. Ich war Kranführerin. Auf Baustellen. Das hab ich gemacht."

Nordkoreanische Arbeiter in einer südkoreanischen Textilfabrik (dpa/picture alliance/Adrian Bradshaw)Viele Nordkoreaner arbeiten im Produktionsbereich oder Service. (dpa/picture alliance/Adrian Bradshaw)

Seit sieben Jahren lebt sie in Südkorea. Die ersten zwei waren besonders schwierig. Vor allem die Sprachunterschiede haben ihr zu schaffen gemacht. Oft habe sie sich für Aushilfsjobs beispielsweise in Supermärkten beworben. Doch wegen ihrer Herkunft wollte man die Probezeit von zwei auf zwölf Monate verlängern und das ohne die Versicherungskosten zu tragen. Die Arbeiterin sagt, inzwischen sei sie glücklich. In Nordkorea habe sie zuletzt keine Lebensmittel mehr erhalten. Hier käme das Gehalt regelmäßig. Acht Stunden Arbeit täglich, dann Feierabend. Alle hier haben Teile ihrer Familien zurück gelassen. Sprechen sie untereinander noch oft über die alte Heimat?

"Ja, das machen wir sehr oft. Es gibt einige, die dort noch Familie haben. Denen wird oft Geld geschickt, damit sie überleben können. Wenn andere darüber sprechen, höre ich genau zu. Ich habe auch noch Geschwister dort. Wir schreiben Briefe. Diese Briefe werden nach China zu Verwandten gesendet. Dort tauschen sie dann die südkoreanischen Briefumschläge mit chinesischen. In Nordkorea denken sie dann, dass die Briefe von chinesischen Verwandten kommen. Das machen wir regelmäßig. Wenigstens einmal im Jahr."

Südkoreanische Medien klären auf

Nordkoreaner in Südkorea spielen auch in den Medien eine Rolle. Selten nur tritt ein Mensch aus Nordkorea hier ohne die Begleitung von trauriger Klaviermusik auf. Der Kabelsender "Channel A" hat vor Jahren schon das erfolgreiche Format "Now On My Way To Meet You" ins Programm genommen. Flüchtlinge sitzen in einer bunten Kulisse. Sie erzählen, was ihnen im Norden widerfahren ist. Eine Szene, in der ehemalige Wachleute aus einem Gefängnis in Nordkorea berichten, in dem Tote oft tagelang in ihren Zellen liegen gelassen worden sein sollen.

Der Moderator fragt ungläubig: Niemand hat den Toten gemeldet? Ja, sagt der befragte. Der Moderator hakt nach: Das soll eine wahre Geschichte sein? Eine andere ehemalige Aufseherin ergreift das Wort:

"In meiner Zeit war das auch so. Wenn es Tote gab, haben wir sie nicht nach draußen gebracht, da diesen Patienten trotzdem noch Essen zugeteilt worden ist. Das haben wir Aufseher uns dann geteilt. Die Leiche wird einfach dort gelassen."

Laut Eigenbeschreibung des Senders soll die Show den Südkoreanern helfen zu verstehen, warum die Überläuferinnen und Überläufer Leid auf sich genommen haben, um sich in der Republik Korea anzusiedeln.

TV-Moderator: "Obwohl ich nicht erst seit heute moderiere, muss ich mich immer noch oft fragen: Ist so etwas überhaupt möglich? Es ist bemerkenswert, dass es immer noch Geschichten gibt, die einen erschrecken."

Diese Sendungen sind in Südkorea nicht unumstritten. Gerade Nichtregierungs-Organisationen, die sich für die Menschenrechte von Nordkoreanern einsetzen kritisieren, dass Nordkoreaner hier immer in eine Opferrolle gedrängt werden. Außerdem würden die Flüchtlinge lernen, dass besonders dramatische Geschichten besonders gut beim Publikum ankämen. Einige Erlebnisse würden vielleicht zu überspitzt dargestellt.

Die Menschen aus Nordkorea sind geflohen, um Hunger und Gewalt zu entgehen. Inzwischen kommen aber auch Mütter und Väter, die sich für ihre Kinder ein Leben mit Perspektiven und in Freiheit erhoffen. Eines haben fast alle gemeinsam: sie lieben ihre Heimat. Keiner hat leichtfertig Nordkorea den Rücken gekehrt. Sie träumen von der Wiedervereinigung. So wie auch Cho Donhyeon, der 32-jährige Politikstudent.

"Mein Traum ist es Politiker zu werden und im Parlament zu sitzen. Um Gesetze erlassen zu können. Ich denke, dass wir hier Lehrer, Politiker, Ärzte mit nordkoreanischen Wurzeln brauchen. Ich befürchte, dass die Südkoreaner bei einer Wiedervereinigung sonst nur an sich denken. Ich interessiere mich sehr für die deutsche Wiedervereinigung. Ich habe gehört, dass es da solche Probleme gegeben hat. Deswegen bin ich überzeugt, dass es viele aus Nordkorea stammende Politiker geben muss."

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