Dienstag, 23.01.2018
StartseiteKommentare und Themen der WocheWillkommenes Symbol für das IOC13.01.2018

Nordkoreas EiskunstläuferWillkommenes Symbol für das IOC

Aus der Politik hält sich der Sport in der Regel raus, doch mit IOC-Präsident Thomas Bach könnte ein Sport-Funktionär zum Friedensstifter werden: Mit der Top-Marke "Olympische Spiele" könnte das IOC die Eiszeit zwischen Nord- und Südkorea beenden, meint Andrea Schültke - sollte es zu einer gemeinsamen koreanischen Mannschaft kommen.

Von Andrea Schültke

Die offiziellen Maskottchen der Olympischen Winterspiele 2018 (Soohorang, links) und der Winter-Paralympics 2018 (Bandabi, rechts) vor dem südkoreanischen Parlament in Seoul. Foto  (picture alliance/dpa/Daniel Kalker)
Die offiziellen Maskottchen der Olympischen Winterspiele 2018 (Soohorang, links) und der Winter-Paralympics 2018 (Bandabi, rechts) vor dem südkoreanischen Parlament in Seoul (picture alliance/dpa/Daniel Kalker)
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"Es gibt keinen Plan B". Das erklärte Thomas Bach in den Monaten vor den Winterspielen immer wieder. Der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees drückte seine Hoffnung aus, "dass Diplomatie und Frieden die Oberhand" hätten. Das war im Herbst vergangenen Jahres. Kurz vorher hatte Nordkorea eine Rakete Richtung Japan geschossen und eine Wasserstoffbombe gezündet. 

Während Bach für einen "olympischen Waffenstillstand" plädierte, dachten Wintersportler laut nach über ihre Sicherheit bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang – 80 Kilometer entfernt von der Grenze zum verfeindeten Norden. Das Unterfangen des IOC, ohne "Plan B" zurechtzukommen, schien bis vor wenigen Tagen waghalsig bis fahrlässig. Doch dann die Wende – eingeleitet von genau dem Mann, der bis dahin die größte Bedrohung des olympischen Friedens zu sein schien: Koreas Machthaber Kim Jong Un. In seiner Neujahrsansprache deutete er Dialogbereitschaft mit dem Süden an – auch im Hinblick auf die Olympischen Winterspiele in knapp vier Wochen.

Delegationen beider koreanischer Staaten

Plötzlich ging alles sehr schnell: Zum ersten Mal seit mehr als zwei Jahren trafen sich Delegationen beider koreanischer Staaten und der Präsident des nordkoreanischen Olympischen Komitees war zu Gast in Lausanne beim IOC. Jetzt steht ein weiterer wichtiger Termin fest: In einer Woche treffen sich hochrangig besetzte Abordnungen aus Nord- und Südkorea in Lausanne. Ihr Thema: die Teilnahme nordkoreanischer  Athleten bei den Spielen im südkoreanischen Pyeongchang. Leiter der Gespräche: IOC-Präsident Thomas Bach. Ein Sport-Funktionär als Friedensstifter?

Denn bei diesem Treffen geht es um viel mehr als nur um die Frage, ob außer dem einzigen sportlich qualifizierten Eiskunstlauf-Paar auch noch vielleicht Skilang- oder Eisschnellläuferinnen eine Startmöglichkeit bekommen. Wenn über ein gemeinsames koreanisches Frauen-Eishockeyteam nachgedacht wird und den gemeinsamen Einmarsch der Mannschaften, dann hat der Sport verfeindete Länder zueinander gebracht und etwas erreicht, woran die Weltpolitik in Korea gescheitert ist.

Der Sport, der sich aus der Politik doch am liebsten immer heraushalten möchte. Dieser Sport ist hier das Mittel der Diplomatie. Mit seiner Top-Marke "Olympische Spiele" beendet er sogar eine Eiszeit zwischen zwei Ländern. Der Sport hat Macht und einen Präsidenten, der weiß, wie er sie einsetzt.

Fehler in den Hintergrund treten lassen

Nordkorea als Teilnehmer bei Winterspielen im Süden wäre ein Sieg für Thomas Bach, der passender nicht kommen könnte.

Er würde ablenken von dem Vorwurf im Staatsdoping-Skandal zu russlandfreundliche Politik gemacht zu haben. Er würde ablenken von der nur vordergründig harten Russland-Entscheidung im Dezember. Das russische Nationale Olympische Komitee ist zwar gesperrt, aber dennoch wird eine große Mannschaft in Pyeongchang am Start sein. Sie sollen neutrale Sportler sein, dürfen aber "Olympische Athleten aus Russland" heißen und bei der Schlussfeier wohl wieder die eigene Fahne schwenken. Das zeugt nicht gerade von überbordendem Willen, die Werte des Sports umzusetzen. 

Ein Erfolg auf der politischen Bühne könnte die großen Fehler in der Anti-Doping-Politik ein wenig in den Hintergrund treten lassen. Auf einmal reden alle wieder vom olympischen Frieden, der Kraft des Sports und von seinen Werten. Wenn also bei der Eröffnungsfeier am 9. Februar in Pyeongchang eine koreanische Mannschaft gemeinsam einmarschiert, kann der Sport sich als Friedensstifter feiern lassen. Die IOC Fernseh-Regie kann nachhelfen indem sie die Kameras mehr auf die koreanische Mannschaft und dafür weniger auf die "Olympischen Athleten aus Russland" richtet.

Das positive Bild einer gemeinsamen koreanischen Mannschaft bei den Winterspielen in Südkorea wird eine große Wirkung haben – und das IOC vielleicht sogar auf die Vorschlagsliste für den Friedensnobelpreis bringen. Aber nur, wenn dem Nobelpreiskomitee der Kampf und die klare Haltung gegen Doping nicht so wichtig ist.

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