Dienstag, 23.01.2018
StartseiteVerbrauchertippRichtiges Verhalten im Ernstfall20.11.2017

Notrufe absetzenRichtiges Verhalten im Ernstfall

Bei Unfall, Überfall oder Brand sind Feuerwehr und Polizei rund um die Uhr zu erreichen. Jeder, der einen Menschen in einer Notlage trifft, ist verpflichtet, Hilfe zu rufen. Manchmal helfen Rettungsdienste sogar im Ausland.

Von Karin Lamsfuß

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Eine Mitarbeiterin der Polizei sitzt in der Einsatzzentrale in Berlin.  (dpa-Bildfunk / Britta Pedersen)
Eine Mitarbeiterin der Polizei sitzt in der Einsatzzentrale in Berlin. (dpa-Bildfunk / Britta Pedersen)
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"Notruf Feuerwehr, Rettungsdienst. Wo ist der Notfallort? Venloer / Ecke Klara?" 

Wo ist der Notfall? Was ist passiert? Wie viele Verletzte gibt es?

"Aber der ist ansprechbar und atmet auch, ja?"

Wer meldet den Notfall? Das sind die Fragen, die jeder Anrufer bei der Leitstelle der Kölner Feuerwehr beantworten muss. Noch während der Mitarbeiter diese Daten eingibt, fährt das Rettungsfahrzeug los. Der Anrufer wird dann weiterhin am Telefon betreut.

"Bleiben Sie einen Moment da, wir sind gleich da, dauert nicht so lange." 

Handy-Ortung bei unklarem Standort

Nicht in jedem Fall kann der Anrufer seinen Standort so präzise benennen, erklärt Christian Heinisch von der Kölner Feuerwehr. Was ist zum Beispiel, wenn jemand in einem unübersichtlichen Waldgebiet einen Herzinfarkt erleidet?

"Dann haben  wir die Möglichkeit, über Handy-Ortung den Standort festzustellen."

Voraussetzung: Das Handy muss angeschaltet bleiben und sich in einem Funknetz befinden. 

Doch welche Rufnummer ist die richtige? 110 oder 112? Ganz grob gesagt: Die Polizei hilft bei Straftaten wie Überfällen oder Einbrüchen. Die Feuerwehr hingegen bei Brand oder Unfällen. Letztlich aber, so Frank Scheulen vom Landeskriminalamt, sind beide eng vernetzt. "Die Notrufe werden weitergeleitet, und von daher ist es völlig egal, welche man wählt, man muss sie nur wählen."

Außer Handy und Festnetz gibt es weitere Möglichkeiten, einen Notruf abzusetzen. Die klassischen Notrufsäulen an der Straßenecke wurden abgeschafft. Was es aber noch gibt, sind Notrufknöpfe in Straßenbahnen, erklärt Frank Scheulen. Dort meldet sich der Fahrer, der dann per Knopfdruck die Polizei alarmiert. "Die kann man betätigen, damit dann die Polizei so schnell wie möglich herbeikommen kann und dann sich um die Dinge kümmern kann." 

Ähnlich funktionieren Notrufsäulen an der Autobahn, so Christian Heinisch von der Kölner Feuerwehr:

"Dann landet man bei dem zuständigen Straßenbaubetrieb, die Person, die diesen Notruf entgegennimmt, wird diesen entsprechend an die nächste Feuerwehr, Rettungsdienst oder an die Polizeileitstelle weiterleiten." 

Notrufe ohne SIM-Karte funktionieren nicht mehr!

Fazit: Das Handy ist immer die beste und schnellste Lösung. Ohne SIM-Karte funktionieren Handy-Notrufe jedoch nicht mehr. Der Grund: häufiger Missbrauch. Eltern rät Christian Heinisch, ihre Kinder wenigstens mit einem Prepaid-Handy auszustatten. Gehörlose oder Schwerhörige können ein Notruf-Fax an die 110 oder 112 absetzen. Das vorgefertigte Formular wird ausgefüllt und an Polizei oder Feuerwehr gefaxt. 

Sogar wer im Ausland in Not gerät, bekommt Hilfe von der heimischen Polizei oder Feuerwehr:

"Das ist ein Fall aus der Vergangenheit: dass ein LKW-Fahrer auf einem Rastplatz in Frankreich einen Herzinfarkt erlitten hat, hat daraufhin seine Tochter in Köln angerufen, diese hat wiederum den Notruf gewählt, ist in der Leitstelle Köln gelandet und von Köln aus wurde dann der zuständige Rettungsdienst darüber informiert. Es wurde eine Handy-Ortung durchgeführt, und so konnte dem Mann schnell, fachgerecht von französischen Kollegen Hilfe geleistet werden." 

Schnell und effektiv Hilfe anzufordern ist also fast immer möglich. Man muss nur zum Hörer greifen. Für unterlassene Hilfeleistung - übrigens eine Straftat – gibt  es wirklich gar keine Ausrede mehr!

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