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StartseiteHintergrundDas Erbe der Nazis 08.06.2014

NS-ZeitDas Erbe der Nazis

Auch heutige Generationen spüren die Folgen der Nazi-Zeit in ihren Familien nach. Da sind zum einen Kinder von Kriegsverbrechern, wie auch Kinder von Opfern des Nationalsozialismus. 1992 gründete ein israelischer Psychologe und Holocaust-Forscher einen Gesprächskreis für Kinder von Opfern und Tätern. Erstaunlicherweise entdecken sie dort auch Gemeinsamkeiten.

Von Michael Hollenbach

Blick auf die Anklagebank beim Kriegsverbrecherprozess in Nürnberg, 1946.  ( picture alliance / dpa)
Kriegsverbrecherprozess in Nürnberg 1946 ( picture alliance / dpa)
Weiterführende Information

Nachdenken und Nachforschen (Deutschlandradio Kultur, Kritik, 27.05.2014)

"Rechtsprechung der 80er-Jahre nicht mehr aktuell" (Deutschlandradio Kultur, Tacheles, 03.05.2014)

Hans Frank war einer der ersten Gefolgsleute Hitlers. Im Nationalsozialismus war er der oberste Jurist in Deutschland; während des Krieges Generalgouverneur im besetzten Polen. Wegen seiner Grausamkeit wurde er als "Schlächter von Polen" und "Judenschlächter von Krakau" bezeichnet. Er gehörte 1946 im Nürnberger Prozess zu den Hauptkriegsverbrechern, wurde zum Tode verurteilt und im Oktober 1946 hingerichtet. Sein Sohn Niklas Frank hat ein Buch geschrieben über seinen Vater. Der Titel: Eine Abrechnung.

"Heute blutige Fußnote der Zeitgeschichte, gehängt Gott sei Dank, verbrannt und verschüttet im Konwentzbach zu Solln bei München, deine Asche verpappt mit der von Göring, Streicher und Ribbentrop, von Jodl und Kaltenbrunner, wie eklig dieses Gebräu, du wasserlöslicher Nazi-Nes."

Niklas Frank hat recherchiert, ist jedem Detail über seinen Vater und dessen Tod nachgegangen. Hat sich beschreiben lassen, wie das Knacken seines Genicks geklungen hat, als er gehängt wurde.

"Du hast es nicht mehr gespürt. Das Ende eines Verbrechers, ein Bonze war gehängt, ein hoch und zutiefst gebildeter Deutscher, der die Wahrheit in der Dichtung und Musik kannte, und sie für einen Horch, einen Mercedes, einen Salonwagen verkaufte."

Viele Nachkommen der Täter verharmlosen die Geschichte

Kein anderer Angehöriger eines führenden Nationalsozialisten hat so radikal mit einem Verwandten abgerechnet wie der heute 75-jährige Niklas Frank mit seinem Vater.

"Ich breche natürlich sehr hart Tabus. Das erste ist natürlich: Man soll sich nicht unbedingt derart über die Hinrichtung seines Vaters freuen, dass man masturbiert. Das zweite ist, dass man grundsätzlich die Eltern ehren soll und vielleicht sogar lieben. Und wenn das schon alles daneben gegangen ist mit den Eltern, dann soll man zumindest seine Schnauze halten und schweigen. Und die drei Sachen habe ich durchbrochen, und das war ein gewisser Eklat."

Schon Mitte der 80er Jahre veröffentlichte der damalige "Stern"-Journalist das Buch über seinen Vater; es folgten Bücher über seine Mutter und im vergangenen Jahr über seinen Bruder Norman, der nicht mit dem Vater gebrochen hat. Niklas Frank kennt die Verharmlosungen vieler Täterkinder und Enkelkinder nur zu gut:

"Ich habe es auch richtig satt. (...) Man hat immer die Tendenz zu relativieren. Dass wir endlich mal rangehen und die Verbrechen unserer Vorväter anerkennen wie ein Fußballergebnis, und wer das nicht macht, kommt immer in so ganz abseitige, teilweise abstruse Philosophien, das führt nicht weiter. Und wenn Sie den Text genauer lesen, dann ist dahinter nur eines: Ich gebe keinen Zentimeter nach. Dieser Mann hat wirklich den Tod verdient. Die haben keine Gnade walten lassen gegen niemanden."

Und was Niklas Frank bis heute fassungslos macht: Viele der führenden Nazis seien hochgebildet gewesen.

"Mein Vater hätte mich bildungsmäßig fünfmal in die Tasche gesteckt, aber seine Moral war einfach zum Kotzen."

"Ich habe als Historikerin über 15 Jahre in der NS-Forschung gearbeitet, und zusammen mit meiner Therapieausbildung habe ich das mehr und mehr in den Fokus genommen, wie die Menschen ihre eigene persönliche Familiengeschichte mit dem Kollektiv, mit der historischen Geschichte, in Zusammenhang bringen können."

Die Konfrontation ist ein Kraftakt

Tanja Hetzer bietet seit Jahren Seminare an, in denen Menschen den psychischen Folgen der Nazi-Zeit in ihren Familien nachspüren.

"Wenn die Menschen zu mir kommen, ist eine typische Aussage, dass sie die einzigen sind, (...) die sich drum kümmern. (...) Und so zieht sich das durch, dass in den Familien der Wunsch, etwas aufzuarbeiten, sich auf einzelne fokussiert, die dann von der Familie nicht immer geliebt werden."

Denn die eigene Familie damit zu konfrontieren, dass die Väter bzw. Großväter nicht nur weggeschaut haben, sondern selbst an dem Morden beteiligt waren, das ist ein Kraftakt.

"Die Ambivalenz anzunehmen, dass es der Vater oder die Mutter ist, (...) durch den ich geboren bin, durch den ich meine Lebensexistenz habe. Und andererseits zu sagen, die Taten meines Vaters, meiner Mutter, die kann ich heute mit einem eigenen moralischen Empfinden verurteilen."

Über Leben und Tod von Günther Kuhl wurde ebenfalls Schweigen ausgebreitet. Sein Sohn, Dirk Kuhl, glaubte lange, sein Vater sei in britischer Gefangenschaft an einer Krankheit gestorben – bis er erfuhr, dass sein Vater SS-Obersturmbannführer war und während des Krieges als Gestapo-Chef in Braunschweig verantwortlich war für zahlreiche Todesurteile gegen Zwangsarbeiter. Erst als 18-Jähriger erfuhr er, dass sein Vater 1948 als Kriegsverbrecher gehängt worden war:

"Der Tod des Vaters hat es mir ermöglicht nach dem Kriege, in einer liberalen offenen Atmosphäre aufzuwachsen. Ich habe ganz viele dieser 50er-Jahre-Väter erlebt, und die Erfahrungen sind bis auf wenige Ausnahmen äußerst negativ. Ich bin froh, dass ich zu Hause das nicht hatte. Und meine Mutter hat mich liberal aufgezogen und mich ermuntert, selbstständig zu denken."

Ende der 50er Jahre traf Dirk Kuhl die Erkenntnis, Sohn eines Kriegsverbrechers zu sein, wie ein Schock. Er war ein Täterkind und fühlte sich zugleich wie ein Opfer:

"Als Täterkind, wenn man die Wahrheit erfährt, ist man psychisch angeschlagen. Psychologischerseits bekam man keine Hilfe, (...) dass wir Opfer eines verbrecherischen Systems waren und deshalb Aufmerksamkeit verdienten, das gab es nicht."

"To reflect and trust"-Gruppen

In den 80er Jahren lernte Dirk Kuhl den israelischen Psychologen und Holocaust-Forscher Dan Bar-On kennen. Dieser interviewte Kinder von Nazi-Tätern für sein Buch "Die Last des Schweigens". Als Dan Bar-On 1992 den Gesprächskreis "To reflect and trust" ins Leben rief, eine Gruppe von Kindern sowohl von Tätern wie auch von Opfern, da gehörte Dirk Kuhl zu den ersten Teilnehmern dieses Kreises.

"Es entstand eine Atmosphäre gegenseitigen Vertrauens, wobei man nicht verschweigen darf, dass besonders die amerikanischen Juden mit äußersten Vorbehalten sehr skeptisch gekommen waren, und auf der anderen Seite hatten auch viele den Wunsch, ich möchte nicht mit diesem unreflektierten Hass weiterleben, und wollten den Feind kennenlernen."

Einer dieser amerikanischen Juden war Samson Munn. Seine Großeltern wurden ermordet, seine Eltern überlebten die Konzentrationslager in Deutschland und Polen. Dass die Nachkommen von Tätern und Opfern in einer Gruppe zusammenkommen, hält der Bostoner Radiologe durchaus für sinnvoll:

"Meine eigene Erfahrung ist: Ja, es gibt Parallelen. Und nach der Dan Bar-On-Gruppe habe ich in Österreich meine eigene Gruppe gegründet. Ich kann Ihnen ein Beispiel nennen: Die Wurzeln. Bei den Kindern von Überlebenden gibt es oft keine Wurzeln mehr. Ich hatte nie Großeltern. Alle vier wurden ermordet, bevor ich geboren wurde. Ich vermisse diese Wurzeln. Und bei den Kindern der Täter, da gibt es eine Tendenz, dass man trauert, dass die eigenen Wurzeln vergiftet sind. Und sie haben sich gefragt, ob sie überhaupt eigene Kinder haben dürften. Sie sehen: Das Thema Wurzeln ist bei beiden präsent, aber in unterschiedlicher Weise."

Alexandra Senfft ist die Enkeltochter von Hanns Ludin. Der SA-Mann war in der Slowakei verantwortlich für den Tod von 60.000 deportierten Juden. Erika Ludin, das älteste Kind von Hanns Ludin und Mutter von Alexandra Senfft, wurde nie mit den Verbrechen und der Todesstrafe für ihren Vater fertig. Sie wurde zur Alkoholikerin und starb mit 64 Jahren. Alexandra Senfft, die für die UNO im Gazastreifen arbeitete, hatte bereits seit den 80er Jahren Kontakt zu Dan Bar-On. Sie hat seine "to reflect and trust"-Gruppen betreut:

"Strukturell gibt es oft Gemeinsamkeiten – vor allem, dass auf der Täter- wie auf der Opferseite sehr oft geschwiegen wurde, natürlich aus unterschiedlichen Motiven, auf Täterseite aus Scham- und Schuldgefühlen heraus und bei den Opfern, weil man mit seiner schmerzvollen Geschichte vielleicht gar nicht fertig wird und nicht sprechen kann, weil das re-traumatisiert."

Es geht nicht um eine Art Therapie

Alexandra Senfft hat auch mit Martin Miller zusammengearbeitet. Er ist der Sohn von Alice Miller, die mit ihren Büchern "Das Drama des begabten Kindes" und "Am Anfang war Erziehung" die Pädagogik Ende des 20. Jahrhunderts maßgeblich beeinflusste. Alice Miller war eine jüdische Polin, der es gelang, in Warschau zu überleben, indem sie ihr Judentum verleugnete. In ihren Büchern präsentierte sich Alice Miller offen und kritisch, doch in ihrer Familie lief vieles schief. Er habe sehr unter seiner Mutter gelitten, sagt Martin Miller.

"Für die zweite und dritte Generation ist das Erleben oft ähnlich. Das heißt, da hat man Parallelen, (...) dass die Eltern ihre Traumata nicht verarbeitet haben und das in dem Sinn transgenerational weiter vererben. In dem Sinn vererben, dass sie den Kindern ein Klima der Angst, ein Klima der Kriegserfahrung unbewusst, emotional vermitteln, und nie darüber sprechen."

Mangelndes Vertrauen, die Frage von Zugehörigkeit und Identität sei in beiden Gruppen – bei Täter- wie Opferkindern – ein großes Problem, sagt Samson Munn. Und eben auch das Schweigen:

"In einigen Familien trifft man auf großes Schweigen über den Holocaust, in anderen Familien ist es das Gegenteil: Da wird nur über den Holocaust gesprochen, bei jedem Essen, und du kannst es nicht aushalten. Bei uns war es anders: Wenn wir – mein Bruder und ich – gefragt haben, dann haben meine Eltern unsere Fragen beantwortet."

Nach dem Tod von Dan Bar-On, der 2008 an Krebs starb, betreut Samson Munn bis heute eine "to reflect and trust"-Gruppe in Österreich. Für ihn geht es bei diesen gemischten Gruppen aus Nachkommen von Tätern und von NS-Verfolgten nicht um eine Art Therapie.

"Ich glaube nicht, dass die Söhne und Töchter von beiden Seiten noch offene Wunden haben, die geheilt werden müssen. (...) Ich glaube, in dieser Gruppe werden wir zu besseren Menschen. Wir lernen etwas über uns, und wir lernen etwas über die anderen, was wir sonst nicht lernen könnten."

Auch Martin Miller musste sich zunächst einmal mit seiner eigenen Geschichte beschäftigen – mit seiner schwierigen Beziehung zu seiner Mutter. Als junger Frau gelang es Alice Miller unter einem polnischen Decknamen, ihre Mutter und ihre Schwester aus dem Getto von Piotrkow zu befreien und mit ihnen in Warschau unterzutauchen. Vier Jahre lebte sie in der ständigen Angst, entdeckt und ermordet zu werden. Nach dem Krieg ging Alice Miller in die Schweiz, um dort zu studieren. 1950 wurde Martin Miller geboren:

Die Auswirkungen sind bis heute zu spüren

"Meine Mutter hat natürlich (...) durch ihre Überlebensmechanismen – das passiert ja sehr oft, dass wenn ein Kind kommt, werden auch gewisse Erfahrungen, die man gemacht hat früher, und das ist bei meiner Mutter eine traumatische Erfahrung, vor allem auch diese Kriegserfahrung, die ist sehr prägend gewesen, diese Erfahrung wurde wieder angetriggert, das heißt, es sind wieder Bilder und Erinnerungen hochgekommen, wieder Ängste hochgekommen, die meine Mutter in ihrem Verhalten mir gegenüber zu einem nicht-mütterlichen Verhalten motiviert haben. Da ist vor allem der Zwang, über alles Kontrolle zu haben. Meine Mutter ist immer sehr aggressiv geworden oder abweisend, wenn die Gefahr bestand, dass sie die Kontrolle verlieren könnte."

Die Familie Miller ist für Tanja Hetzer, die Historikerin und Therapeutin, ein typischer Fall. Sowohl in Opfer- wie in Täterfamilien seien die Auswirkungen bis heute zu spüren:

"Von der psychologischen Forschung her ist es interessant, dass inzwischen Forschungen existieren, wie transgenerativ die Dinge über die zweite und dritte Generation weitergegeben werden. (...) Wenn es darum geht, dass eine Täterfigur, (...) das sind Hunderttausende in der Gestapo, in der SS, in den Einsatzgruppen, usw., wenn da eine Person so eine große Schuld (...) hat, da ist die ganze Schuldproblematik da, die sich bis in die Enkelgeneration meist mit Schuldabwehr äußerst, also: 'Ist da nicht schon genug getan worden'. Zweitens müssen wir uns im Klaren sein, dass Überzeugungstäter aus der damaligen Zeit, die haben ja nicht 1945 ihre ganze mentale Prägung abgegeben, und für die Kinder dieser Täter kann das bedeuten, dass sie genau in diesem Klima aufgewachsen sind, (...) und wenn wir dann mit der dritten Generation zu tun haben, die sind bei Eltern aufgewachsen, die genau unter diesen mentalen Prägungen gelitten haben."

Hetzers These: Die Täter haben die Ideologie der Nazis verinnerlicht und nach 1945 mehr oder weniger bewusst in ihren Familien weitergelebt:

"Es sind Leute (...) mit diesen Gefühlsabspaltungen: also körperliche und psychische Bedürfnisse des Individuums spielen keine Rolle, es geht um das Kollektiv, all das – darunter haben die Kinder gelitten."

Viele Täter der Kinder haben als Jugendliche die Haltung ihrer Eltern während der Nazizeit beklagt, haben ihnen Vorwürfe gemacht. Doch meist reagierten die Eltern mit Schweigen oder dem Verweis, die Kinder sollten den Mund halten, sie hätten ja keine Ahnung. Bei vielen Kindern und Enkelkindern endete an diesem Punkt die Auseinandersetzung, das Nachfragen, das Bohren. Nicht so bei Alexandra Senfft, der Enkelin von Hanns Ludin. Doch auch sie kostete es Überwindung, weiter zu fragen:

"Die Vorstellung, mein Großvater sei sich der Konsequenzen seines Handelns nicht bewusst gewesen, hält sich in meiner Familie hartnäckig. Schließlich gibt es auch keine eindeutige Aussage von ihm, dass er die Vernichtung der Juden bewusst in Kauf genommen hat, und er gehörte auch nicht zu denen, die an der Grube standen und schossen und das Gas aufdrehten. Wie kann man ihn für schuldig erklären?"

Das dunkle Monster ist das Schweigen

Bei der Auseinandersetzung mit den Taten ihres Opas wurde für Alexandra Senfft der Begriff von Hannah Arendt von der Banalität des Bösen immer wichtiger:

"Mein Großvater Hans war ein sehr gewöhnlicher Mensch. Das zu begreifen, ist für mich als seine Enkelin sehr schwierig. Wie kommt es, dass ein Mensch so weit gehen kann? Wie weit würde ich unter ähnlichen Umständen gehen?"

Ein Buch über ihren Großvater und ihre Mutter zu schreiben, bedeutete für sie keine Absolution von ihren Wurzeln:

"Man kann sich von seiner Vergangenheit eindeutig nicht befreien, aber die Vergangenheit zu begreifen und nicht mehr gegen irgendwelche dunklen Monster ankämpft, von denen man gar nicht weiß, was ist das Dunkle eigentlich."

Dieses dunkle Monster ist das Schweigen der ersten Generation: Die Unfähigkeit, Schuld zu akzeptieren, Verantwortung zu übernehmen und darüber zu reden. Tanja Hetzer:

"Ich glaube, die Empathiefähigkeit ist ein Schlüssel, dass so etwas wie das, was geschehen ist, dass so etwas wie Auschwitz, dass es nie wieder passiert. Und im Nationalsozialismus wurde systematisch und mit Absicht die Empathiefähigkeit ausgetrieben und abgewehrt."

Niklas Frank: "Wir Deutsche sind in der Zwischenzeit auf eine ganz furchtbare Weise ein auserwähltes Volk. Wir wissen, nach den Massenmorden, die wir veranstaltet haben, genau, wo mangelnde Zivilcourage hinführt, wo mangelnde Demokratie hinführen kann, nämlich bis in die Gasöfen von Auschwitz. Wir müssten eigentlich die Ersten sein, die, wenn man wieder in diese Richtung geht, dann müssten wir schon ganz stark dagegen sein. Aber das ist nicht der Fall, weil uns etwas ganz Entscheidendes fehlt, wir können uns nicht in die Opfer hineinversetzen. Ich meine das ganz konkret, sich vorstellen: wie ist das, wenn ich in einem Viehwagen, zusammengepfercht mit Hundert anderen Menschen bin, mit Kindern, wir kriegen nichts zu essen, zu trinken, und dann wird das Liebste, was ich habe, mir auf der Rampe entrissen. Wenn man für das Liebste jetzt bei mir meine Tochter oder meine Enkelkinder nimmt, und einfach mal versucht, sich hineinzudenken, dann kriegt man vielleicht eine Ahnung von dem, was die vielen Millionen unschuldigen Menschen durch uns mitgemacht haben."

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