• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Google+
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
Seit 11:05 Uhr Gesichter Europas
StartseiteCorsoNur ohne "Gangstertexte"24.09.2012

Nur ohne "Gangstertexte"

Die Band Deine Freunde macht Popmusik für Kinder

Benjamin Blümchen und Bibi Blocksberg können Eltern das Leben zur Hölle machen. Genauso ist es auch mit lustigen Liedern mit Klatscheinlage und Kinderchor. Für Abhilfe sorgt nun die Band Deine Freunde. Ihre Popmusik ist anders, als das, was bisher die kleinen Hörer begeistert hat.

Von Johannes Nichelmann

Deine Freunde machen Musik für Kinder. (Universal Music)
Deine Freunde machen Musik für Kinder. (Universal Music)

Ein wackeliges Internetvideo, aufgenommen auf einem Konzert. Zwölfjährige stehen eng aneinander - tanzen, hüpfen und schwenken am Ende sogar Wunderkerzen. Die Stimmung könnte besser nicht sein. Deine Freunde heißt die Band auf der Bühne. Und die steht für eine neue Art von Kindermusik. Der Ex-Schlagzeuger von Echt Florian Sump rappt, der DJ von Fettes Brot Markus Pauli kümmert sich um die Beats und Lukas Nimscheck um den Gesang.

"Ich erinnere mich noch an meine Kinderlieder und ich weiß, dass die Lieder, die ich gehört habe - ich habe Reinhard Lakomy und den 'Traumzauberbaum' früher gehört - und das hören die Kinder heute noch. Und hoffentlich ist das mit unserer Musik auch so."

Mit ihrem ersten Album Ausm Häusschen wagen sie ein Experiment. Hip-Hop und Pop, wie für die Großen, nur mit anderen Texten.

"Wir wollen hiermit keine andern Kindermusiker in irgendeiner Weise in Frage stellen, aber uns ist aufgefallen, dass es bestimmte Arten von Kindermusik noch nicht gibt. Nämlich Kindermusik, die eigentlich klingt, wie Erwachsenenmusik. Nur ohne 'Gangstertexte'."


"Ich könnte mir gut vorstellen, dass das daher kommt, das es nicht unbedingt mit 'Street Credibility' zu vereinen und den ganzen andern Sachen, die da immer so wichtig sind. Und da uns das egal ist und wir einfach nur unsere Mucke machen wollen, sind wir halt die Ersten. Das ist auch gut so."

Florian Sump schreibt die Texte. Nach seiner Karriere als Megastar mit der Gruppe Echt, arbeitet er jetzt als Kindergärtner in Hamburg. Er hat also jeden Tag Kontakt zur Zielgruppe.

"Ja, ich geh da tagsüber arbeiten. Hol mir meine Inspiration. Treff mich danach mit den Jungs und verarbeite das Erlebte. Das funktioniert ganz gut. Das geht Hand in Hand."

Die Texte, die daraus entstehen, beschreiben die Gedankenwelt der Kinder. Für Erwachsene aber sind sie wie eine Zeitreise. Denn die Songs von Deine Freunde haben so viele Facetten, dass sie quasi mitwachsen. Die transportierten Gefühle und Geschichten kennt fast jeder.

In der Kindermusikwelt ist die Reaktion auf Deine Freunde gemischt. Ein Kinderradiosender zum Beispiel findet die Songs zu aggressiv. Bei einem anderen stiegen sie auf einen der ersten Plätze in den Hörercharts.


"Es gibt durchaus Kollegen, denen wir zu progressiv sind."

"Was'n das für'n Wort 'progressiv'?"

"Progressiv bedeutet, wenn man in einem bestimmten Rahmen zu laut, zu neu und zu wild ist."

"Achso! Na, dann bin ich gerne progressiv."

"Aber Kinder sind doch wild!"

"Wir wollen da jetzt niemandem unrecht tun, aber wir haben das Gefühl, wie in der Schlagerbranche, ist das in der Kindermusikbranche auch so. Die sind da sehr eigen und die wollen da irgendwie nicht so gerne, dass da neue Sachen dazu kommen."

Deine Freunde sind beim Majorlabel Universal unter Vertrag. Entdeckt hat sie ein Mann, der wie kein anderer mit deutscher Kindermusik in Verbindung gebracht wird: Rolf Zuckowski.

"Sie führen im Grunde Dinge zusammen, die schon da sind. Nena hat ja zum Beispiel auch sehr gute Popmusik für Kinder gemacht, mit ihrem Album Rabatz. Aber bei den Dreien ist das Herzblut da, der Kopf ist da und eine unglaublich professionelle Musikalität."

Irgendwie hat man das Gefühl Deine Freunde hätte es schon geben müssen, als wir noch Kinder waren. So lassen die Beats lange Autofahrten besser ertragen. Ein erheblicher Vorteil - die Eltern schließlich sind es, die die Platte kaufen müssen. Für die Kinder geht es ohnehin nur um eine Sache: den Spaß. So haben alle was davon.

"Wir gehen ja mit dem Anspruch auf unsere Konzerte, Kinder wirklich feiern zu lassen und Kinder, wie Flo immer so schön sagt, zu zerrocken."

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk