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StartseiteEuropa heuteHoffnung auf amerikanische Unterstützung14.11.2016

Obama besucht GriechenlandHoffnung auf amerikanische Unterstützung

Barack Obama wird bei seinem letzten Europa-Besuch eine Grundsatzrede halten. In Athen will der scheidende US-Präsident für den Erhalt der demokratischen Werte werben. Die Griechen wiederum hoffen, dass sich Obama für Schuldenerleichterungen Griechenlands durch Deutschland und andere Kreditgeber ausspricht.

Von Jerry Sommer

epa05631968 US President Barack Obama (2-R) walks with Greek Minister of Defence Panos Kammenos (R) as he arrives at the Athens International Airport in Athens, Greece, 15 November 2016. The US President is on a two-day visit to Athens. EPA/PANTELIS SAITAS | (picture alliance / dpa / Pantelis Saitas)
US-Präsident besucht Griechenland: Barack Obama wird bei einer Ankunft am Athener Flughafen am 15. November 2016 von Verteidigungsminister Panos Kammenos empfangen. (picture alliance / dpa / Pantelis Saitas)
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In einer kleinen Schmuckwerkstatt in Heraklion hämmert Janni ein dünnes Goldplättchen zurecht. Der 46-jährige weiß vom Hörensagen von den großen Demonstrationen gegen die USA 1974. Damals war gerade die Militärjunta in Athen gefallen - und für deren siebenjährige Herrschaft haben viele Griechen Washington verantwortlich gemacht:  

"Wegen der Junta war die Stimmung damals ganz anders. Diesen antiamerikanischen Hass gibt es heute nicht mehr."

Trotzdem hält sich seine Begeisterung für den bevorstehenden Obama-Besuch in Grenzen:

"Jeder Regierungschef ist willkommen, der Griechenland besucht. Aber wenn Obama kommt, müssten auch Probleme gelöst werden, es darf nicht nur ein PR-Ereignis sein."

Vom Feind zum Freund?

Um die Ecke, im Restaurant "Grünes Pferd", sieht es der Wirt Jangos ähnlich: "Wir haben Probleme hier, vor allem mit der Wirtschaft. Deshalb ist es gut, dass Obama kommt. Die Schulden oder auch die Beziehungen zur Türkei sind Themen, bei denen seine Meinung ins Gewicht fällt."

Hoffnungen macht sich auch die von der linken Syriza-Partei geführte Regierung. Obama hatte immer wieder kritische Äußerungen über den harten Sparkurs fallen lassen, den die EU-Kreditgeber von Griechenland fordern. Zwar unterstützt er die verlangten Privatisierungen und andere wirtschaftliche Liberalisierungsmaßnahmen. Doch gleichzeitig plädiere er für Schuldenerleichterungen, sagt der Syriza-Politiker Jannis Pablidakis.

"Wir glauben, dass Obama kommt, um uns bei der Schuldenfrage zu unterstützen. Auch der US-Wirtschaftsminister sagt, dass die Schulden reduziert werden müssen, damit Griechenland wirtschaftlich wieder auf die Beine kommen kann."

Allerdings ist auch der linken griechischen Regierung klar, dass der Einfluss Obamas  auf den Kurs Deutschlands und anderer Kreditgeber begrenzt ist. Die Bundesregierung wird sich durch den Noch-US-Präsidenten wohl kaum davon abbringen lassen, mögliche Schuldenerleichterungen erst nach den Bundestagswahlen im kommenden Herbst zu diskutieren. Von einem "Marshall-Plan", um die hohe Arbeitslosigkeit in Griechenland zu reduzieren, ist ohnehin nicht mehr die Rede. Und mit dem Wahlsieg Trumps haben sich die Aussichten auf amerikanische Unterstützung eher verschlechtert.

Letzter Besuch eines US-Präsidenten liegt 17 Jahre zurück

Rundfunk und Medien berichten immer wieder davon, dass es völlig unklar sei, wie Donald Trump sich zu der Schuldenfrage verhalten wird. Bei seinen spärlichen Äußerungen zu Griechenland habe er sich dafür ausgesprochen, dass die EU das Problem alleine lösen müsse. Auch eine Rückkehr zur Drachme sei eine Lösung.

Wie die meisten Griechen ist Syriza-Politiker Pablidakis Trump gegenüber deshalb äußerst skeptisch:

"Trump hat auch rechtsextreme und rassistische Seiten. Weder für Amerika noch für die Welt und die Weltwirtschaft ist das gut."

Vor siebzehn Jahren kam zuletzt ein US-Präsident nach Athen: Bill Clinton. Damals gab es große Kundgebungen gegen ihn - vor allem wegen des NATO-Kampfeinsatzes gegen Jugoslawien. Den lehnte die Mehrheit der Griechen ab. Bei den Demonstrationen 1999 an vorderster Front: Alexis Tsipras, der heutige Ministerpräsident.

Diesmal wird es bestenfalls von ein paar kleinen linksradikalen Gruppen Proteste geben. Tsipras wird sich als guter Gastgeber von Obama präsentieren. Aus Sorge, die USA nicht zu verprellen und ihre verbale Unterstützung in der Schuldenfrage nicht zu verlieren, hat der Regierungschef erst im vergangenen Monat bei den Vereinten Nationen gegen ein Verbot von Atomwaffen gestimmt - eigentlich ein Grundanliegen der linken Partei Syriza. Jangos, den Wirt des Restaurants "Grünes Pferd", wundert das nicht: 

"Der sagt das eine und macht das Gegenteil. Solche Purzelbäume sind wir inzwischen von ihm gewohnt". 

Nach dem Wahlsieg von Trump sei Obamas Besuch in Griechenland aber politisch ohnehin nicht mehr wichtig: Für Obama sei das doch nur ein kleiner Urlaub, sagt Jangos lachend.

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