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StartseiteComputer und KommunikationOffenes WLAN und trotzdem sicher30.06.2012

Offenes WLAN und trotzdem sicher

Freifunker entwickeln technischen Schutz vor Datenspionen und Abmahnern

Netzpolitik.- Der Förderverein "Freie Netze" programmiert zurzeit 100 offen zugängliche Internet-Accesspoints in Berlin um. Das Ziel: Betreiber offener WLAN-Netze sollen keine Gefahr mehr laufen, als sogenannte "Störer" für Inhalte haftbar gemacht zu werden, die fremde User über das Netzwerk austauschen.

Von Wolfgang Noelke

Wenn ein Café-Gast im Internet kriminelle Handlungen begeht, sollte dann der WLAN-Betreiber dafür haftbar gemacht werden?  (picture alliance / dpa/Oliver Berg)
Wenn ein Café-Gast im Internet kriminelle Handlungen begeht, sollte dann der WLAN-Betreiber dafür haftbar gemacht werden? (picture alliance / dpa/Oliver Berg)
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Funknetz knacken in wenigen Sekunden

In einem Kreuzberger Café treffe ich Mirko Vogt. In der Hand hält er eine jener 100 Boxen, die Cafés und Kneipen freies WLAN gewähren sollen, ohne dass die Gaststätte den Abmahnanwalt befürchten muss:

"Man muss nur ein WLAN-fähiges Endgerät besitzen und das WLAN, das diese Boxen jetzt ausstrahlen, endet mit AnOn, für Anonymus und Freifunk.net. Wenn man sich in dieses einbucht, wird man automatisch über DHCP mit allen möglichen Daten versorgt. Das funktioniert beim Mac, das funktioniert bei Linux, bei Windows und man kann das Internet dann benutzen und über Schweden halt seinen Internetverkehr verschlüsseln, beziehungsweise anonymisieren."

Die Freifunker haben nämlich von einem schwedischen Provider 100 sogenannte VPN-Tunnel gespendet bekommen, mit deren Zugangsdaten Freifunk jede der 100 Boxen konfiguriert hat:

"Das heißt, jedes Paket, das von meinem Computer über diese Box ins Internet geht, geht erst über Schweden und wird dort, bei dem VPN Anbieter so modifiziert, dass die Absenderadresse nicht mehr zurückverfolgbar ist."

Eine ähnliche Sicherheit böte aber auch das Anonymisierungsprogramm Tor, räumt Mirko Vogt ein, doch das würde aus Sicherheitsgründen die Daten zunächst auf drei Tor-Server verteilen und ist deswegen sehr langsam:

"Tor ist auf jeden Fall auch eine Alternative, nur desto relativ langsam, da es spezielle Methoden benutzt, um die Routen immer wieder zu ändern, ins Internet. Ja, für Anonymität ist es auf jeden Fall ein sehr gutes Netzwerk, leider halt sehr langsam."

Der Accesspoints, die einen direkten Zugang über VPN nach Schweden bieten, hätten diese Probleme nicht. Auch würde das Betriebssystem Open WRT den Betreibern der Accesspoints den eigenen Internetzugang nicht verstopfen, falls sich doch mal mehr Gäste als erwartet in das Netzwerk einloggen:

"Der Betreiber dieser Box hat volle Kontrolle darüber. Er kann alle Einstellungen modifizieren. Es ist auch von vornherein eingestellt, dass nur 80 Prozent des Internetzugangs nach außen hin sichtbar gemacht werden, das heißt, von außen benutzt werden können, so dass der Betreiber dieses Netzes keine Einschränkungen bei seinem Netzzugang hinnehmen muss."

Ganz wichtig sei, so Mirko Vogt, das mit Open WRT ausgerüstete Accesspoints das der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellte WLAN trennen würden vom eigenen, privaten Netzwerk des Anbieters:

"Die Netzwerke sind komplett getrennt. Leute, die das Freifunk-WLAN benutzen, werden direkt von der Box über das VPN nach Schweden geroutet. Man kommt nicht in das interne Netzwerk. Diese 100 Boxen, die wir im Moment verteilen, in Berlin Friedrichshain, Kreuzberg, an Cafés, Bars, Vereine sind keine Lösung des Problems. Das eigentliche Problem ist die Rechtsprechung der Störerhaftung, welche es nicht verbietet, aber welche das halt unmöglich macht, ein offenes WLAN zur Verfügung zu stellen, weil man für alles haftet, was darüber passiert."

Gesetzt den Fall, Ermittler würden sich für Besucher irgendeiner Website interessieren, blieben die Nutzer der sogenannten Free Fighter Box davon unbehelligt?

"Nein, denn letztendlich würden die ja auch beim schwedischen VPN-Provider auflaufen, weil sämtlicher Internetverkehr ja diesen Provider als Absenderadresse hat. Trotzdem ist diese ganze Aktion auch legal, was wiederum diese Gesetzgebung der Störerhaftung als sehr schwachsinnig dastehen lässt."

Bislang beschränkt sich diese technische Protestaktion noch auf Berlin. Die verteilten Accesspoints und die 100 VPN-Tunnel sollen sogar auf unbegrenzte Zeit erhalten bleiben, sagt Mirko Vogt, der momentan noch alle Hände voll damit zu tun hat, die Router zu konfigurieren. Für die bereits existierenden Freifunk-Netze ist das Programm ungeeignet, denn um es dort zu nutzen, müsste jeder DSL-Zugang getunnelt werden, was innerhalb der in vielen Städten weit vermaschten Freifunk-Netze niemand garantieren kann.

Zum Themenportal "Risiko Internet"

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