Freitag, 15.12.2017
StartseiteVerbrauchertippAuf Zyklus-Apps sollte man sich besser nicht verlassen04.12.2017

Oft sehr ungenauAuf Zyklus-Apps sollte man sich besser nicht verlassen

Zyklus-Apps sollen die fruchtbaren Tage einer Frau besser bestimmen helfen. Verlass ist darauf laut Stiftung Warentest in den wenigsten Fällen. Wenige nutzen die sympto-thermale Methode, manche ergänzen fehlende Daten gar mit Durchschnittswerten. 18 von 23 fielen als mangelhaft durch.

Von Dieter Nürnberger

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Ein Vater trägt ein Baby an der Brust und schaut dabei auf sein Smartphone (imago stock&people)
Sich für die Verhütung auf eine der vielen Zyklus-Apps zu verlassen, die es fürs Handy gibt, könnte schiefgehen. Nur wenige schätzt die Stiftung Warentest als gut ein. (imago stock&people)

Im Grunde sind Zyklus-Apps nichts anderes als digitale Menstruations-Kalender. Während die Frauen früher mit Kreuzen im Papier-Kalender die Tage ihrer Regelblutung markierten, greifen sie heute zum Smartphone. Die Auswahl in den App-Stores ist groß. Und so hat die Stiftung Warentest gleich 23 solcher Zyklus-Apps getestet. Vor allem jene, die in Deutschland am häufigsten heruntergeladen werden. Es gibt hierbei einfache und komplexere Systeme, sagt Warensterin Lea Lukas:

"Bei den einen Apps ist es so, dass man einträgt, wann man seine Regelblutung hat - und dann verwenden die Apps diese Daten und rechnen damit. Bei den anderen muss die Frau sehr viel konkreter ihren Körper beobachten, bestimmte Symptome beobachten und diese eintragen."

Berechnungen basieren zum Teil auf Durchschnittsdaten

Um es gleich vorweg zu sagen: Die große Masse der untersuchten Zyklus-Apps wurde mit "mangelhaft" bewertet. Wo lediglich wenige Kalender-Daten eingegeben werden müssen, steigt die Fehlerquote stark an. Die Berechnungen der Apps basieren hier nicht selten auf statistischen Durchschnittsdaten.

"Zum Teil, wenn die Frauen noch nicht viele Zyklen eingegeben haben, die App also erst kurz verwenden, dann werden auch Daten von anderen Anwenderinnen hinzugezogen. Da werden dann statistische Durchschnittswerte errechnet. Es ist aber auch so, dass selbst auch bei gesunden Frauen der Zyklus durchaus auch ins Schwanken geraten kann. Beispielsweise, wenn eine strengere Diät gehalten wird, oder man extrem viel Sport macht. Auch Prüfungsstress kann den Zyklus beeinflussen. Und darauf reagieren diese Apps dann nicht und berechnen dadurch einen falschen Wert."

18 von 23 Apps fielen als mangelhaft durch

18 von 23 Apps fielen aufgrund dieser ungenauen Berechnungsmethoden mit "mangelhaft" durch. Planungssicherheit für Frauen oder Paare können sie nicht gewährleisten. Die wenigen guten Apps funktionieren anders, sie nutzen die so genannte "sympto-thermale Methode" als Grundlage, so Lea Lukas. Basierend auf wissenschaftlichen Empfehlungen der Arbeitsgruppe für natürliche Familienplanung.

"Die Frau muss ihren Körper beobachten. Sie muss zuverlässig morgens ihre Temperatur noch vor dem Aufstehen im Bett messen. Das ist die sogenannte Basal-Temperatur. Sie muss ihren Zervix-Schleim beobachten, der im Gebärmutterhals gebildet wird. Damit arbeiten die Apps dann. Sie interpretieren diese, sie bieten einen guten Überblick - aber sie sind eben keine Selbstläufer. Es ist Aufgabe der Frauen, die Daten zu erheben und zuverlässig in die Apps zu übertragen."

Lediglich zwei Apps als gut bewertet

Nur wenige Zyklus-Apps in dieser Untersuchung arbeiten aber standardmäßig mit der sympto-thermalen Methode. Einige Apps bieten sie immerhin zur Auswahl an. Mit "gut" wurden letztlich nur zwei Zyklus-Apps bewertet:

"Das ist die App "MyNFP", die sowohl für Android und auch für iOS zur Verfügung steht. Und dann gibt es noch eine Android-App: Das ist "Lady Cycle"."

Das Produkt von "Lady Cycle" ist kostenlos. "MyNFP" kostet 29,99 Euro im Jahr.

Fazit: Nur Apps auf der Grundlage der sympto-thermalen Methode können wirklich helfen, die fruchtbaren Tage recht zuverlässig zu bestimmen.

Viele Apps fragen unnötige Informationen ab

Und noch etwas fiel auf: Viele Zyklus-Apps fragen unnötige private Informationen ab. Etwa Namen, Geburtsdatum oder auch überflüssige Angaben zur Gesundheit. Zudem wird oft die Geräteidentifikationsnummer des Smartphones übertragen. Das kann zur gezielten Schaltung von Werbung genutzt werden.

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