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StartseiteHintergrundOhne Hoffnung14.10.2013

Ohne Hoffnung

Jugendarbeitslosigkeit in Spanien

Bei einer Jugendarbeitslosigkeitsrate von 56 Prozent ist es in Spanien selbst für Akademiker schwierig, eine Stelle zu finden. Viele kommen nach Deutschland, um hier eine Ausbildung zu machen. Andere wandern nach Lateinamerika aus. Die Abwanderung der klugen Köpfe sorgt für Kritik.

Von Reinhard Spiegelhauer

Junge spanische Demonstranten, die zur Protestbewegung "15-M" gehören, sitzen auf einem Platz in Madrid.  (picture alliance / dpa / Javier Lizon)
Junge spanische Demonstranten, die zur Protestbewegung "15-M" gehören, sitzen auf einem Platz in Madrid. (picture alliance / dpa / Javier Lizon)

Almenara ist eines der gepflegteren Stadtviertel Madrids: Als die großzügige Asturien-Avenida gebaut worden ist, sind hier im Nordwesten der Stadt viele moderne Wohnblocks entstanden. Hier lebt auch Oscar Rodriguez. In der schmalen Küche mit weißen Fronten bereitet er gerade Kaffee zu:

"Ich bin 26, lebe in Madrid und habe Tiermedizin studiert. 2010 bin ich fertig geworden, seitdem habe ich keine richtige Arbeit gefunden."

Bei einer Jugendarbeitslosigkeitsrate von 56 Prozent ist es auch mit Uni-Abschluss schwierig, einen Job zu finden. Ohne Arbeit und ohne Geld bleibt vielen jungen Spaniern - genauso wie Oscar - nichts anderes übrig, als bei den Eltern wohnen zu bleiben:

"Bei meinen Eltern wohnen zu können, ist gut. Ich habe ein Dach über dem Kopf. Aer in meinem Alter willst du dich doch gerne langsam selbstständig machen und dein eigenes Leben leben. Meine Eltern verstehen das, auch wenn sie mich gerne hier haben – aber sie können mir ein eigenes Leben auch nicht finanzieren."

Dabei geht es der Familie im Vergleich noch recht gut: Beide Eltern haben Arbeit. Sie führen kein Leben in Saus und Braus, aber es reicht zumindest, um Oscar weiter mit durchzufüttern.

Auf Bewerbungstour durch die Stadt

Der Kaffee ist durchgelaufen – Oscar hat eine ganze Kanne aufgesetzt, denn er wartet auf seine Freundin Zoe. Jetzt ist sie da. Auch sie sucht seit Jahren erfolglos einen Job. Zoe und Oscar setzen sich zusammen, um ihre jeweiligen Bewerbungsunterlagen auf den letzten Stand zu bringen – dann geht es los auf eine Tour durch die Stadt, um Bewerbungen abzugeben. In kleineren und größeren Tierarztpraxen und Kliniken wie dieser:

"Hallo, ich würde gerne eine Bewerbung einreichen."
"Okay, lasst sie hier, ich reiche sie an den Personalchef weiter, gut?"
"Vielen Dank!"

Und dann kommt sogar ein kurzes Gespräch mit dem Geschäftsführer und einem der Tierärzte zustande. Eine freie Stelle gibt es nicht, aber immerhin kann Oscar seine Karte und eine Preisliste da lassen: Zu Hause kann er einfache Blut- und Gewebeuntersuchungen machen – wenn ihm die Klinik hie und da Proben zur Analyse schicken würde, wäre das immerhin etwas.

Die Preise sind gut, sagt der Tierarzt, aber die Klinik macht die meisten Analysen im eigenen Labor im Haus. Und auf absehbare Zeit gibt es sicher auch keinen Bedarf, das Personal aufzustocken, sagt der Geschäftsführer:

"Es gibt viel mehr Bewerber als offene Stellen. Wir zum Beispiel haben seit fünf, sechs Jahren kein Fachpersonal eingestellt. Wir kriegen pro Tag drei, vier Bewerbungen."

Das Wartezimmer ist zwar nicht leer, aber die Klinik spürt die schwere Krise, in der Spanien steckt, sehr deutlich. Die Regierung spart, und das merken die Menschen in der Geldbörse: Die Mehrwertsteuer ist von 18 auf 21 Prozent gestiegen, in vielen Bereichen ist der reduzierte Steuersatz von sieben Prozent weggefallen. Löhne sind gekürzt worden, viele haben ihren Job verloren oder, wie Oscar, nach der Ausbildung nie einen Arbeitsplatz gefunden.

Aus all diesen Gründen ist die Binnennachfrage in Spanien stark eingebrochen. Und natürlich geben die Menschen da auch weniger Geld für ihre Haustiere aus:

"Klar gibt es noch Patienten, aber wir bekommen vor allem Notfälle. Termin für normale, harmlosere Sachen werden fast nicht mehr verlangt. Nur wenn es um chirurgische Eingriffe geht oder besonders seltsame Symptome. Wir würden wirklich gerne einstellen, denn das würde bedeuten, dass es der Klinik gut geht und die Krise vorbei ist. Aber im Moment gibt es einfach nicht genügend Klienten, um jemanden einzustellen."

Bauboom und Korruption

"España va bien" – Spanien geht's gut: Die Band Ska-P hat diesen viel zitierten Ausspruch des ehemaligen Ministerpräsidenten José María Aznar zu einem Song verarbeitet. In der achtjährigen Regierungszeit des Konservativen, von 1996 bis 2004, wuchs die spanische Wirtschaft geradezu atemberaubend. Die Wachstumsrate lag mit gut vier Prozent etwa doppelt so hoch wie im EU-Durchschnitt. Die Arbeitslosigkeit sank von gut 20 auf etwas mehr als zehn Prozent, die Quote der jugendlichen Arbeitslosen von 40 auf etwas mehr als 20 Prozent.

Die Aznar-Regierung baute das System der Zeitverträge aus, privatisierte Staatsbetriebe wie Telefónica und den Mineralölkonzern Repsol. Vor allem aber förderte sie den Bauboom – unter anderem, indem sie die Ausweisung von Bauland erleichterte. Schon damals waren die spanischen Ska-Punker skeptisch – es profitieren nur wenige, behaupteten sie bissig in ihrem Song von 1998.

In Spanien läuft's gut - zumindest für die, für die es immer gut läuft, so heißt es im Text: für Banker, Bürgermeister und für den Ministerpräsidenten. Tatsächlich sind über die Jahre massenhaft Korruptionsfälle rund um die Ausweisung von Bauland und die Vergabe öffentlicher Aufträge bekannt geworden – auch im aktuellen Parteienfinanzierungsskandal rund um die regierende Volkspartei werden Verflechtungen hinein in Korruptionsnetzwerke vermutet.

Doch zunächst schien alles traumhaft: Jahre, beinahe jahrzehntelang, warfen Immobilien in Spanien traumhafte Renditen ab. Warnungen, dass komplett am Bedarf vorbei gebaut würde, überhörten alle Beteiligten geflissentlich. Banken vergaben großzügig Kredite zu Niedrigstzinsen an Häuslebauer ohne Sicherheiten und an Bauträger mit zweifelhaften Großprojekten.

Doch am Ende kam es, wie es kommen musste: Die Blase platzte. Im Zuge der Zinskrise konnten plötzlich viele ihre Kredite nicht mehr bedienen – nach der Lehman-Pleite verschärfte sich die Entwicklung noch. Die Bau- und Immobilienwirtschaft brach komplett zusammen.

Krise erreicht Akademiker und Fachkräfte

Praktisch mit einem Schlag wurden rund eine Million Menschen arbeitslos. Darunter auch massenhaft junge Leute: Viele hatten während des Booms die Schule abgebrochen, weil sie auf dem Bau sofort gut Geld verdienen konnten. Als Oscar 2010 seinen Universitätsabschluss machte, lag die Jugendarbeitslosigkeit schon bei rund 40 Prozent - und die Krise war auch bei Fachkräften und Akademikern angekommen. Seit drei Jahren geht Oscar nun schon Klinkenputzen, bisher ohne Erfolg:

"Ich weiß nicht mehr, wie viele Lebensläufe ich in all der Zeit verschickt oder persönlich abgegeben habe. Manchmal ist es schon ein gutes Gefühl, überhaupt zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen zu werden, auch wenn sie dich am Ende nicht nehmen. Aber immerhin geben sie dir das Gefühl, es könnte einmal klappen. Aber es gibt auch Tage, da fühlst du dich mies, weil du so viele verschickst und sich wochenlang überhaupt niemand meldet. Das frustriert schon ein bisschen."

Ein paar Kilometer weiter südlich, im Stadtzentrum, sitzt derweil Javier Pueyo in seinem Büro in der Zentrale des Gewerkschaftsbundes Comisiones Obreras. Die Geschichte von Oscar wiederholt sich täglich tausendfach, sagt der Gewerkschafter, der kaum älter ist als der arbeitslose Tiermediziner. Bei immer mehr Jugendlichen mache sich Hoffnungslosigkeit breit:

"Tatsächlich sieht es so aus, dass es seit Beginn der Krise ohne Ausnahme von Quartal zu Quartal weniger Jugendliche sind, die Arbeit haben oder sie aktiv suchen. Sie sind entmutigt. Manche versuchen, sich weiterzubilden, um doch einen Job zu finden. Aber viele andere glauben ganz einfach nicht mehr daran, dass sie unter den augenblicklichen Bedingungen Arbeit finden können. Und wir beobachten auch das Phänomen, dass inzwischen Zehntausende ins Ausland gehen."

Hoffnung auf Arbeit in Deutschland

Der junge Spanier Jon Serrano macht ein Praktikum in einem Sanitätsbetrieb in Bad Homburg. (picture alliance / dpa)Der junge Spanier Jon Serrano macht ein Praktikum in einem Sanitätsbetrieb in Bad Homburg. (picture alliance / dpa)Deutschland bietet jungen Spaniern, die zu Hause keine Arbeit finden, sogar Unterstützung an. Im Mai haben die deutsche Arbeitsministerin Ursula von der Leyen und ihre spanische Amtskollegin Fatima Bañez eine entsprechende Absichtserklärung unterschrieben:

Bañez:
"Ich glaube, das Memorandum, das wir heute unterzeichnet haben, eröffnet vielen jungen Spaniern Möglichkeiten, die sie im Moment wegen der Krise in ihrer Heimat nicht haben."

von der Leyen:
"Wenn innerhalb Europas Wissen angeboten wird, zum Beispiel durch Ausbildungsplätze, ist das eine Chance für junge Menschen, die innerhalb Europas sich frei bewegen können und dort Ausbildung und Wissen auch erlangen. Diese jungen Menschen werden eines Tages weiter ziehen in Europa und dieses Wissen weiter tragen – das sind die Fachkräfte der Zukunft, die durchaus in ihre Heimatländer zurückkehren werden und dort auch ihre eigenen Unternehmen aufbauen oder in Unternehmen mitarbeiten."

Angesichts von rund einer Million arbeitsloser Spanier unter 25 Jahren sind 20.000 Lehrstellen beziehungsweise Jobs im Verlauf von vier Jahren allerdings höchstens ein Tropfen auf den heißen Stein. Viele junge Leute, die sich für einen Job in Deutschland interessieren, unterschätzen die Probleme. Sprachbarriere, kulturelle Unterschiede, selbst das kühle Klima können so hohen Leidensdruck erzeugen, dass die hoffnungsvoll nach Deutschland Gegangenen nach wenigen Wochen oder Monaten die Flucht ergreifen.

Nicht umsonst suchen weitaus mehr junge Spanier ihre Chance in Lateinamerika als etwa in Deutschland. Mehr als 300.000 junge Spanier zwischen 15 und 29 hätten sich alleine im vergangenen Jahr bei spanischen Botschaften im Ausland angemeldet, warnen Gewerkschafter besorgt – und Arbeitsministerin Bañez muss sich im Parlament schon mal gegen den Vorwurf verteidigen, die Regierung fördere einen fatalen "brain drain" – die Abwanderung besonders kluger Köpfe, die dringend gebraucht würden, wenn die akute Krise überwunden sei.

"Es stimmt, dass viele Junge und nicht mehr ganz so Junge das Land wegen der Krise verlassen haben, um neue Möglichkeiten zu suchen. Das nennt sich Mobilität. Wofür wir uns einsetzen ist, dass gehen kann, wer es möchte, dass solch abgewandertes Talent so bald wie möglich zurückkehrt. Das ist unsere Verpflichtung - und dafür arbeiten wir."

Kritik an der Regierungspolitik

Die Realität sehe aber ganz anders aus, sagt Gewerkschafter Javier Pueyo. Er fasst sich an den kurz gestutzten Kinnbart und schaut mit ernstem Blick durch die schmale Metallbrille. In Wirklichkeit verschlimmere die Regierungspolitik die Jugendarbeitslosigkeit immer weiter.

"Sie betreibt weiter eine radikale Kürzungs- und Sparpolitik. Öffentliche Dienstleistungen und Sozialleistungen werden weiter gekürzt, der Arbeitsmarkt dereguliert – das ist es, was die Regierung macht. Sie kann natürlich behaupten, was ihr nützlich scheint, bewerten muss man aber, was sie tut. Sie betreibt eine Spar- und Kürzungspolitik, die dem Land die Luft abdrückt."

Tatsächlich betont die spanische Regierung bei jeder Gelegenheit, weitere Sparmaßnahmen und Reformen seien unvermeidlich. Zugleich hat sie sich in Brüssel aber sehr wohl dafür stark gemacht, im Kampf gegen Krise und Arbeitslosigkeit auch Wirtschaftsimpulse zu geben. Gebetsmühlenartig hat Mariano Rajoy diese Forderung wiederholt, Regierungen anderer krisengebeutelter Länder der Eurozone schlossen sich an, und auch Schwergewicht Frankreich ist seit der Wahl Francois Hollandes von der reinen Sparlehre abgerückt.

Angela Merkel ist zwar im Kern standhaft geblieben – aber spätestens in Sachen Jugendarbeitslosigkeit musste sie etwas gegen ihren Ruf als ewige Bremserin tun. Die EU hat also unter anderem die sogenannte Jugendgarantie beschlossen. Mit insgesamt rund sechs Milliarden Euro will sie helfen, arbeitslosen Jugendlichen eine Perspektive zu geben – fast zwei Milliarden könnte Spanien bekommen. Spätestens nach vier Monaten soll jeder Jugendliche ohne Arbeit einen Job, eine Fortbildung oder zumindest ein Praktikum angeboten bekommen. Endlich mal ein richtiger Ansatz, freut sich Gewerkschafter Pueyo – im Prinzip jedenfalls:

"Das große Problem dabei ist, dass die spanische Regierung zwar grundsätzlich erklärt hat, dass sie die Jugendgarantie umsetzen will – dass sie den Kurs geändert hat, nachdem sie wusste, dass es um 1,9 Milliarden Euro geht. Jetzt ist nicht mehr die Rede davon, dass das Geld komplett in die Jugendgarantie gehen soll – es ist unklar, wohin die Mittel gehen werden, die Spanien erhält."

Dass ihm die Jugendgarantie zu einem richtigen Job verhelfen kann, glaubt der arbeitslose Tiermediziner Oscar nicht. Neben seinem Jugendzimmer hat Oscar eine kleine Kammer, in der er sein improvisiertes Labor eingerichtet hat. Ein schmaler Schlauch mit einem Tisch, einem knarzenden Stuhl, Laptop und Drucker – und seinem wichtigsten Arbeitsgerät, einem russischen – und damit halbwegs erschwinglichen – Labormikroskop.

"Gelegentlich untersuche ich hier Gewebeproben, die mir Tierkliniken schicken. So verdiene ich mir eine Art Taschengeld – aber es ist nichts Sicheres, sondern passiert nur sehr sporadisch."

"Sozialausgaben streichen, Renten kürzen, Immigranten abschieben – das ist Politik für Reiche, für Unternehmer, für Banker." 15 Jahre nach seinem Erscheinen finden viele junge Spanier wie Oscar den zynischen Ska-Punk-Titel "España va bien" aktueller denn je. Und auch die Thesen des 71-jährigen Wirtschaftswissenschaftlers José Manuel Naredo:

"Die Politiker reden immer davon, der Arbeitsmarkt müsse reformiert werden, das Rentensystem angepasst – aber die Sprache kommt nie darauf, was uns eigentlich in diese dramatische Krise gestürzt hat: die gigantischen Spekulationen auf dem Finanz- und Immobilienmarkt. Zusammen mit den Politikern, die sie gefördert haben. Diese Koexistenz ist es, was die Protestbewegung des 15. Mai meint mit: 'Sie nennen es Demokratie, aber es ist keine.' Ich sage dazu Neo-Klientelismus."

Bewegung der "Empörten" hat nachgelassen

Naredo war längere Zeit für die Konjunkturanalysen des nationalen Amts für Statistik zuständig. Später machte er sich einen Ruf, indem er den ökologisch orientierten Umbau der Wirtschaft forderte. Schon Mitte der 90er-Jahre hat der Wirtschaftswissenschaftler vor einer drohenden tief greifenden sozioökonomisch-ökologischen Krise gewarnt – und damals sogar ein Libretto für eine komische Oper darüber geschrieben. Jetzt hat es die Protestbewegung der "Empörten" aufgegriffen.

Als die Bewegung vor gut zwei Jahren aus spontanen Protesten junger Leute gegen Sparpolitik und Jugendarbeitslosigkeit entstand, Hunderttausende auf die Straße brachte und in Madrid den Platz an der Puerta del Sol besetzte, da taten sich dort die "Sol-foniker" zusammen: junge Amateur- und Profimusiker, die entsetzt waren über die Folgen von exzessiver Spekulation an den Finanzmärkten und empört über die Reaktion der Politik.

Wirtschaftswissenschaftler Naredo hat für sie sein Libretto aktualisiert, es handelt von Klientelpolitik, Spekulation, der Immobilienblase und den Folgen – und die Solfoniker haben das "Ziegelsteindämmerung" genannte Opus in einem großen Kulturzentrum Madrids auf die Bühne gebracht. Oscar ist angetan:

"Mir hat sie gefallen, weil sie den Prozess gut wiedergibt, wie es zu dieser ganzen Krise gekommen ist und wie die von oben sich weigern, die Dinge richtig zu regeln. Und es hat mir auch gefallen, dass es eine Komische Oper ist, dass sie etwas Witz in die dramatische Lage bringt, in der so viele Leute sind."

Doch auf der Straße sind die Proteste der "Empörten" weniger geworden - obwohl sich die Situation in den vergangenen zwei Jahren nicht zuletzt für die Jugend weiter dramatisch verschlechtert hat. Die Quote der Jugendarbeitslosigkeit hat in diesem Jahr den Rekordstand von 57 Prozent erreicht. Dass im zweiten Vierteljahr 25.000 Jugendliche weniger registriert wurden, liegt allein an saisonalen Effekten – wie inzwischen auch die Regierung zugibt. Dass die Jugendproteste nachgelassen haben, liege wahrscheinlich an einer Mischung aus Resignation und dem Zwang, vor allem irgendwie ein Auskommen zu finden, meint Oscar:

"Ich war damals dabei, mehrere Tage. Ich habe nicht auf dem Platz übernachtet, aber es war toll dieses Momentum mitzuerleben. Es müsste natürlich weitergehen, und im Moment verläuft es sich etwas. Aber wenn Vorstellungen wie diese bekannter gemacht würden, mehr gezeigt würden, würde die Bewegung wieder stärker werden."

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