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StartseiteSport am WochenendeOhne Kurven und Kanten14.04.2012

Ohne Kurven und Kanten

Die Stadt Rotterdam baut ihren Marathon-Kurs rekordgerecht um

Der Marathon von Rotterdam ist traditionell der erste Frühjahrs-Klassiker über die 42,195 Kilometer. Damit ist die Jagd nach dem Weltredkord eröffnet. Damit der auch gelaufen werden kann, helfen die Organisatoren beim Streckenbau nach.

Von Klaus Blume

Stadtteil Delfshaven in Rotterdam (Deutschlandradio - Cornelia Sachse)
Stadtteil Delfshaven in Rotterdam (Deutschlandradio - Cornelia Sachse)

Wie lange brauchen Sie für einen Kilometer? Per pedes. Schaffen Sie ihn in 3:50 Minuten und sind noch keine Dreißig, winkt Ihnen sogar das Sportabzeichen. Der 26-jährige Moses Mosop aus dem kenianischen Kamasia will in Rotterdam eine ganze Minute schneller laufen. Mindestens. Und gleich 42mal hintereinander. Ohne Pause.

Denn Mosop will den Marathon-Weltrekord seines Landsmanns Patrick Makau brechen. Er hatte die Marke für 42,195 Kilometer im letzten Herbst in Berlin auf 2:03:38 Stunden gesteigert. Doch Mosop ist - vor Jahresfrist in Boston - mit 2:03:06 Stunden schneller gewesen. Das war jedoch regelwidrig, weil der dortige Kurs - insgesamt - ein Gefälle von 136,29 Meter aufweist.

Also sah sich Mosop im März den Stadt-Parcours in Rotterdam an, wo seit 1985 Rekordjagden das Programm bestimmen. Nicht nur, weil der Rundkurs topfeben ist. In Rotterdam wurden sogar spitzwinklige Kurven in sanfte Bögen umgebaut und Straßenbahn-Brücken über den Kurs gelegt. Anfangs war es umgekehrt, was den Laufrhythmus gestört hat. Jetzt ist der Kurs in der Tat eben und obendrein von jenen Kleinpflastersteinen befreit worden, an deren Kanten sich die Läufer früher gestossen haben. Jos Hermens, in den 1970-er Jahren selbst zweimal Stundenweltrekordler, hatte die Stadtväter zu alledem überredet. Sie sträubten sich kaum, denn sie sahen und sehen im Rotterdam-Mararthon einen echten Image-Magneten für ihre Stadt. Das hat sich in den letzten zehn Jahren – im Wettbwerb mit Aamsterdam und Den Haag – angeblich auch bewiesen.

Der Niederländer Jos Hermens, der in Ostafrika Trainingscamps unterhält, den chinesischen Verband berät und mit dem deutschen Doping-Coach Thomas Springstein zusammen gearbeitet hat, bereitete damit Marathon-Rekordjagden eine beispielhafte Bühne:

Auch mit Läufern der Weltspitze, die als Tempomacher für den eigentlichen Star vorweglaufen. Was Hermens per Velo penibel überwacht. Seine Tempomacher sollen dem Rekordjäger 25 Kilometer lang helfen, möglichst sogar fünf Kilometer länger . . .

In Rotterdam ist vielleicht der 24-jährige Kenianer Peter Kirui einer dieser Vorläufer zusammen mit zwei superschnellen jungen Äthiopiern. Denn vor allem seit 2011 - als in Frankfurt und Paris, in Wien und Eindhoven, auch in vielen nordamerikanischen Stadtläufen die Streckenrekorde geradezu pulverisiert wurden - kommt‘s nicht mehr auf das SCHNELLE Durchhalten an, sondern auf die PURE Schnelligkeit – von Beginn an.

Das gilt vor allem für die Afrikaner. Allein 278 Kenianer haben für London die Olympia-Qualifikationszeit von 2:15 Stunden erreicht, doch nur drei dürfen in London starten. Schon deshalb liegt Mosops Kurs auf einer Zeit unter zwei Stunden.

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