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StartseiteKommentare und Themen der Woche"Goldene Gelegenheit"13.09.2017

Olympia-Doppelvergabe"Goldene Gelegenheit"

Der 131. Vollversammlung des IOC fehlt die Spannung. Die Olympia-Doppelvergabe an Paris für 2024 und Los Angeles für 2028 ist seit Juli klar. Heute sind nur noch die Ja-Sager gefragt, die den Handel absegnen, kommentiert Andrea Schültke.

Von Andrea Schültke

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Illuminierter Eifelturm: Paris präsentiert seine Kampagne zur Olympiabewerbung 2024. (imago - PanoramiC)
Illuminierter Eifelturm: Paris präsentiert seine Kampagne zur Olympiabewerbung 2024. (imago - PanoramiC)

"Wir haben Weltruhm zu bieten - greifen Sie zu. Und das Beste - wenn Sie unser Angebot annehmen - gibt’s noch bis zu zwei Milliarden Dollar geschenkt! Eine einmalige Chance. Lassen Sie Ihre Stadt Geschichte schreiben!"

So verlockend klingt die Aussicht, Olympische Sommerspiele auszurichten. Dennoch machten Boston, Rom, Budapest und auch Hamburg einen Rückzieher. Zuviel sprach dagegen: Explodierende, unüberschaubare Kosten und nach dem Spektakel nicht mehr genutzte, verrottende Stadien.

Am Ende ließen sich nur noch zwei Freiwillige ein auf das Wagnis Olympia. Wohl wissend, dass sich bei den bisherigen Bewerberstädten das ursprünglich geplante Budget am Ende mindestens verdoppelt hat. Wohl wissend auch, dass die Ausrichterstadt per Vertrag für alle Kosten geradesteht - seien sie auch noch so unkalkulierbar. Vor diesem Hintergrund klingen die anderthalb bis zwei Milliarden US-Dollar, die das IOC zu dieser Party beisteuert, nicht mehr ganz so verlockend.

Paris und Los Angeles haben sich ködern lassen

"Greifen Sie zu, machen Sie mit, lassen Sie ihre Stadt Sportgeschichte schreiben" - Paris und Los Angeles haben sich ködern lassen. Die Gefahr, in Schulden zu ersticken, wie zuletzt Rio de Janeiro, können sie nur ignoriert haben. Immerhin: Zwei Weltstädte aus westlichen Demokratien gehen das Wagnis ein. Zwei Sieger. Wunderbar, dachte sich das IOC und schlug ebenfalls zu. Mit der ungewöhnlichen Doppelvergabe hält die mächtigste Sportorganisation der Welt beide bei der Stange.

Ergebnis: die vielzitierte Win-win-win-Situation. Eine Wortschöpfung des deutschen IOC-Präsidenten Thomas Bach, der den Deal Doppelvergabe eingefädelt hat. Damit ist für den Wirtschaftsanwalt aus Tauberbischofsheim das leidige Thema bis kurz vor dem Ende seiner Amtszeit vom Tisch. Diese "Goldene Gelegenheit" konnte er sich wahrlich nicht entgehen lassen. Kein Zweifel, dass die 85 Ja-Sager bei der Vollversammlung heute Abend die Win-win-win-Situation abnicken werden.

Prominente Ja-Sager nicht dabei

Einige Abnicker werden dabei allerdings fehlen. Der Grund: Korruptionsvorwürfe.

Dennoch sieht der IOC-Präsident dadurch keinen Imageschaden beim Ringekonzern. Heikle Themen äääht er lieber weg, gibt vor, handeln zu wollen, sobald Beweise vorliegen. Das hat zuletzt nicht funktioniert im Fall des russischen Dopingskandals. Obwohl es Belege für den Betrug gibt, waren russische Athleten bei den Olympischen Spielen in Rio am Start. Wie das im Februar in Südkorea sein wird?

Die Winterspiele in fünf Monaten finden im Dorf Pyeongchang statt – knapp 100 Kilometer entfernt von Nordkorea und seinem unberechenbaren, mit Massenvernichtungswaffen experimentierenden Machthaber. Dennoch hält das IOC an dem Austragungsort fest. Der Sport solle die Menschen zusammenbringen, lautet die Absage an einen Plan B.

"Olympia als Friedensstifter – greifen Sie zu, schreiben Sie Sportgeschichte und sagen Sie ‚Ja‘ ".

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