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StartseiteSport am WochenendeLobbyisten statt Journalisten31.01.2015

OlympiaLobbyisten statt Journalisten

Olympische Spiele in Hamburg oder Berlin, das wäre für die lokalen Medien wie ein Sechser im Lotto. Was macht das mit dem Journalismus vor Ort?

Von Daniel Bouhs

Zeitungen werden in Deutschland in einer Druckerei gedruckt und damit wird Eigentum veröffentlicht. (imago/Westend61)
Zeitungen in einer Druckerei (imago/Westend61)

Dirk Seifert ist bekannt dafür, dass er nicht einfach "Hurra!" schreit, wenn sich Neues anbahnt, sondern die Dinge kritisch sieht. Er ist Aktivist – für die Umwelt, gegen Atomkraft, zum Beispiel. Auch die Idee "Olympische Spiele in der Hansestadt" hinterfragt er. Seifert ist Teil der Bewegung "(N)Olympia" und sieht deshalb vieles durch eine stark gefärbte Brille, auch die Berichte der lokalen Presse über das mögliche Großprojekt.

"Es ist nicht so, dass wir dem 'Abendblatt' jetzt unterstellen, dass da bestimmte Themen nicht kritisch aufgerollt werden. Ich kann Ihnen sagen, ich bin ja auch selbst umfänglich mit meiner Kritik da interviewt worden",

und trotzdem: Auch hierfür hat er Kritik parat. Er spricht davon, dass das "Abendblatt" zu gerne dem Hamburger Senat glauben schenke und der Handelskammer, die ebenfalls heiß auf Olympische Spiele an der Elbe ist – anders als etwa die Hafenwirtschaft, die teils umsiedeln müsse. Ja, auch diese Stimme komme vor, aber unterm Strich sei die Sache klar:

"Wir haben tagtäglich mehrere Berichte im 'Abendblatt' – zum Teil eben auch gespiegelt in der 'Welt' – die in der Grundbotschaft auch Kritik aufgreifen, aber doch deutlich sichtbar machen, dass das 'Hamburger Abendblatt' diese Spiele nach Hamburg holen will. Das ist so etwas, was über den Artikeln vielleicht auch mehr schwebt."

Das nachzuweisen, fällt Seifert wiederum schwer. Es ist für ihn mehr ein Gefühl. Ein paar Indizien sieht er, aber keine klaren Beweise. Der Chefredakteur des "Abendblatts", Lars Haider, hat seine Position allerdings bereits deutlich gemacht, auf dem Neujahrsempfang seines Verlags, dokumentiert im Internet.

"Wir Hamburger sind leider schnell und erfahren darin, gegen etwas zu sein. Lassen Sie uns dieses eine Mal für etwas sein: für Olympia in Hamburg! (Applaus)"

Tägliche Olympia-Seite

Da klatschen sie – die Stadtprominenz inklusive. Das "Abendblatt" liefert inzwischen, ganz konsequent, eine tägliche Olympia-Seite. Die ist für Haider nicht zuletzt ein Instrument,

"um allen Leserinnen und Lesern zu sagen, was Hamburg von den Spielen hätte: Olympia würde den Wohnungsbau voranbringen, die Entwicklung neuer Stadtteile beschleunigen, die Bekanntheit Hamburgs in der ganzen Welt dramatisch erhöhen. Und: Die reine Bewerbung um die Spiele würde diese Stadt, die an so vielen Ecken auseinander zu bröseln droht, endlich hinter einer Idee versammeln."

Außerdem ist die Zeitung Teil eines Förderkreises aus lokalen Medien, die gemeinsam Anzeigen platzieren. "Gemeinsam am Start für Olympia", heißt es in der Projektbeschreibung. Und auch das Ziel wird benannt: "Die wachsende Zustimmung der Bürgerinnen und Bürger für die Spiel zu steigern."

Auch in Berlin deutet sich an, dass Journalisten die Bewerbung unterstützen. Der Chefredakteur des "Tagesspiegels", Lorenz Maroldt, hatte Mitte Januar seine Leser aufgerufen, ihm zu schreiben, wie sie sich bei Olympischen Spielen an der Spree beteiligen würden – und die Vorschläge dann direkt an den Senat weitergeleitet.

"Medien sind für Olympia"

Werden bei Olympia aus Journalisten nun Lobbyisten? Thomas Horky, der selbst einst beim "Abendblatt" gearbeitet hat und nun an der Macromedia Hochschule Sportjournalismus lehrt, kann die Tendenz "Medien sind für Olympia" nachvollziehen:

"Die Olympischen Spiele sind das größte Medienereignis dieser Welt. Die Medien profitieren letztendlich von diesen Ereignissen, sie bekommen Aufmerksamkeit und damit können sie letztlich auch Leser, Zuhörer und Zuschauer gewinnen."

Schon allein, wenn es auch nur zu einer Bewerbung kommen sollte, hätten lokale Medien jahrelang zu tun. Für "Abendblatt"-Chef Haider geht es aber auch um mehr, sagt er auf Nachfrage:

"Der Hauptgrund ist der, dass Hamburg in der Welt leider nicht so bekannt ist, wie die Hamburger es gerne hätten oder gern glauben, und dass Olympia eine dramatische Chance wäre, diese Bekanntheit Hamburgs in der Welt zu verbessern."

Immerhin: In Redaktionen lebt hierzulande die Pluralität. Haider erzählt, dass sich Redakteure bei ihm beschwert hätten: Eine klare Linie des gesamten Blattes für Olympia, das gehe nicht.

"Kaum hatte ich das verkündet, gab es mehrere Kollegen, die mir schrieben: Das können wir so nicht machen, wir müssen ausgewogen sein. Und das findet sich dann auf dieser Seite."

Wie kritisch sind Lokalmedien wirklich? Kritiker wie der (N)Olympia-Aktivist Dirk Seifert werden das im Blick behalten. Die Stoßrichtung seiner Lokalzeitung ist nun allerdings klar.

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