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StartseiteKommentare und Themen der WocheInszenierung statt wirkliche Annäherung09.02.2018

Olympische Winterspiele Inszenierung statt wirkliche Annäherung

Die bei der olympischen Eröffnungsfeier inszenierte nord- und südkoreanische Einigkeit sei leider nur Symbolik, kommentiert Jessica Sturmberg. Generell gehe es bei Olympia nicht mehr um das authentische Sporterlebnis, sondern nur noch um die Illusion davon.

Von Jessica Sturmberg

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Won Yun Jong, Bobfahrer aus Südkorea, und Hwang Chung Gum, Eishockeyspielerin aus Nordkorea, halten bei der Eröffung der Olympischen Winterspiele 2018 in Pyeongchang gemeinsam eine Fahne mit den Umrissen eines geeinten Koreas (dpa / Michael Kappeler)
Bei der Eröffnungsfeier schwenkten der Südkoreaner Won Yun Jong und die Nordkoreanerin Hwang Chung Gum gemeinsam eine Flagge mit einem geeinten Korea (dpa / Michael Kappeler)
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Welch eine Symbolik, die Olympia produziert: Ein nord- und ein südkoreanischer Athlet schwenken gemeinsam die Flagge, auf der ein geeintes Korea abgebildet ist. Dahinter versammeln sich alle koreanischen Teilnehmer. Der südkoreanische Staatspräsident und die Schwester des nordkoreanischen Machthabers geben sich gleich zwei Mal die Hände. Große Gesten kraft Olympia. All das garniert mit Friedenstauben aus Lichtern und John Lennons "Imagine".

Wer genau hingeschaut hat, konnte sehen: das ist leider nur Symbolik. Das gemeinsame Schwenken der Flagge - nicht flüssig. Klar, der südkoreanische Bobfahrer und die nordkoreanische Eishockeyspielerin konnten ja vorher nicht zusammen üben. Zeigt: Was da zusammen geht, ist kein gemeinsames Team, sondern die Wunschvorstellung einer sich durch den Sport heilenden Welt. Man kann auch sagen: eine Inszenierung.

Die nord- und südkoreanischen Athleten werden sich nach Olympia voraussichtlich nie wieder sehen. Schon direkt nach Verlassen des Stadions wurden sie wieder voneinander getrennt, groß Zeit miteinander ins Gespräch zu kommen wird da nicht gewesen sein.

LED-Spektakel und Drohnen-Ballett

Schauen wir noch auf eine andere Symbolik, die wohl weniger gewollte Inszenierung war: Die Koreaner haben eine großartige Show geliefert, wie es sie bei Eröffnungsfeiern fast immer gibt. Mit ein bisschen Landeskunde, viel LED-Spektakel und einem wirklich atemberaubendem Drohnen-Ballett. Tausende leuchtende Flugobjekte formierten sich am Himmel von Pyeongchang erst zu einem Snowboardfahrer, dann zu den olympischen Ringen.

Das kann Südkorea gut. Technologiebegeisterung in die Welt senden. Zukunftsvisionen projizieren. Ärzte, die Hirne virtuell operieren, ein autonom schwebender Nah- und Fernverkehr, künstliche Intelligenz, die uns im Alltag wie selbstverständlich begleitet. Das alles wurde auch in der zweieinhalbstündigen Feier gezeigt. Wir haben eine Idee davon bekommen, wie wir in Zukunft in zwei Welten unterwegs sein könnten und uns bald fragen werden, was ist eigentlich noch real?

Weniger Authentizität, mehr Illusion

Und darin steckt die viel aussagekräftigere Symbolik von Olympia: Diese andere Welt, in der es die Regeln, die wir aus unserem normalen Leben kennen, nicht gibt. In der alles ein bisschen anders läuft und am Ende immer das IOC, seine Mitglieder und ein paar Bauunternehmen profitieren. Finanziert von Steuerzahlern, Fernsehzuschauern und Athleten. Letztere bringen das meiste ein: ihre Leistung, ihr Leben und viel Idealismus.

Aber wer weiß, vielleicht war der futuristische Showteil der Koreaner auch inspirierend für das IOC. Und wir erleben Olympia auf dem Weg in virtuelle Sphären, in die wir einsteigen. Damit wären die Spiele dort, wo sie im Grunde jetzt schon sind: in einer Parallelwelt. Wo es nicht um das echte und authentische Sporterlebnis geht, sondern nur die Illusion davon.

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