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StartseiteSport am WochenendeOlympisches Outing07.08.2012

Olympisches Outing

Nur 23 der mehr als 10.000 Athleten leben offen homosexuell

In 78 der 204 Länder, die an Olympia teilnehmen, ist Homosexualität verboten, in sieben droht die Todesstrafe. Folgt man der gängigen Annahme, dass zehn Prozent der Menschen homosexuell sind, müssten im Olympischen Dorf mehr als 1000 Lesben und Schwule wohnen. Laut der Aktivistengruppe Outsports leben aber nur 23 der Athleten offen homosexuell, darunter drei Männer.

Von Ronny Blaschke

Die Regenbogenfahne gilt als ein internationales schwul-lesbisches Symbol (picture alliance / dpa / Malte Christians)
Die Regenbogenfahne gilt als ein internationales schwul-lesbisches Symbol (picture alliance / dpa / Malte Christians)

Laut den Recherchen von Outsports haben bislang 104 lesbische und schwule Athleten an Sommerspielen teilgenommen, die meisten aus den USA. In London ist nun Karen Hultzer dazu gekommen. Die Bogenschützin aus Kapstadt ist die einzige offen homosexuelle Sportlerin aus Afrika. Sie hatte sich während des olympischen Wettkampfes den Sticker einer Lesben-Aktivistin an ihre Ausrüstung geklebt. Ein Bekenntnis der subtilen Art, das sich in den sozialen Netzwerken rasend verbreitete, aber auch Beleidigungen nach sich zog. In der Heimat von Karen Hultzer werden Lesben oft Opfer von Gewalt.

"Je mehr Menschen sich bekennen, desto besser. Wenn wir sichtbarer werden und offen darüber sprechen, wird Homosexualität in vielen Augen normaler. Das führt dazu, dass wir bald nicht mehr darüber sprechen müssen. Ich kenne viele homosexuelle Sportler bei Olympia, die sich nicht outen. Aus Angst."

Das Coming Out der 46 Jahre alten Hultzer sprach sich bis zum Pride House herum, einem homosexuellen Treffpunkt für Fans und Athleten im Londoner Stadtteil Limehouse. Das erste Pride House hatte es 2010 zu den Winterspielen in Vancouver gegeben, der neuseeländische Shorttracker Blake Skjellerup war begeistert und entschloss sich zum Coming Out. Die Spiele von London markieren nun den vorläufigen Höhepunkt der Liberalisierung. Das Organisationskomitee gründete früh einen Arbeitskreis zur Einbindung von Minderheiten. Das prominenteste Mitglied der Gruppe ist John Amaechi. Der Brite hatte in der nordamerikanischen Profiliga NBA gespielt, nach seiner Karriere 2007 outete er sich. Warum nicht früher?

"Dann hätte ich meinen Job verloren. Meine Mitspieler haben in der Kabine mit ihren Seitensprüngen geprahlt und ich konnte nicht mal erwähnen, dass ich mit einem Mann im Kino war."

Die Organisatoren verteilten in London Stecknadeln, auf der Regenbogenflagge und Olympia-Logo vereint sind. Während der Suche nach Helfern sollten tausende Kandidaten auch zu folgenden Fragen Stellung nehmen: Wie würden Sie reagieren, wenn Zuschauer sich über Männer beschweren, die Händchen halten? Wohin schicken Sie jemanden, der eine Toilette sucht, aber keinem Geschlecht zuzuordnen ist? Zudem ließen die Organisatoren in ihren Ratgeber für Athleten touristische Hinweise für Homosexuelle einfließen. In zwei Jahren finden die Winterspiele in Sotschi statt. Russische Aktivisten planen ein Pride House, doch bislang verweigern Behörden ihre Unterstützung. Sie hätten Angst um ihre Kinder.

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