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One Billion Rising

Weltweit tanzen Menschen gegen Gewalt an Frauen

Von Rebecca Hillauer

Logo der Kampagne "One Billion Rising"
Logo der Kampagne "One Billion Rising" (One Billion Rising)

Am 14. Februar finden weltweit Aktionen gegen Gewalt an Frauen statt. Auch in Deutschland wird es Diskussionen, Tanzevents, Flashmobs geben - den größten wahrscheinlich in Berlin am Brandenburger Tor.

"Es gibt halt Fakten wie diese 23 Prozent Lohnunterschied. Die mediale Welt pumpt uns voll mit normativen Frauenbildern und Körperbildern. Das sind alles Dinge, an denen junge Frauen nicht vorbeigucken können","

sagt die Hip-Hop-Aktivistin Sookee aus Berlin. Die Tochter von DDR-Dissidenten ist 29 Jahre alt. Sie sitzt in einem Café in Neukölln, im rechten Nasenflügel einen zierlichen Ring. Auf die Fingerrücken beider Hände hat die studierte Linguistin zwei Wörter tätowiert: und zwar "Word Nerd", also: Wort-Freak.

""Ich bin ein Fan von Kommunikation. Ich bin ein Fan von Sprache. Ich finde, die schönsten Momente sind die, in denen man einfach Dinge rausreichen kann, und es nicht mehr innen tobt. Sondern einfach so: Es ist gesagt, es ist wichtig, es ist da. Du hast es geäußert. Du hast einen Kanal gefunden."

Sookee - Hip-Hop-Aktivistin aus BerlinSookee - Hip-Hop-Aktivistin aus Berlin (Springstoff/Mario Thieme)Sookees Kanal ist die Hip-Hop Musik. In Workshops bringt sie auch anderen jungen Leuten bei, wie man Songs komponiert und textet – ganz ohne das sonst übliche sexistische Vokabular. Als queer-feministische Aktivistin ist sie selbst schon Ziel verbaler sexistischer Gewaltfantasien männlicher Rapper geworden. "Selbstverständlich", meint sie, nehme sie an der Protestaktion gegen Gewalt an Frauen teil: "One Billion Rising".

Initiatorin der Kampagne ist die amerikanische Schriftstellerin Eve Ensler. Sie möchte, dass an diesem 14. Februar Menschen tanzen - in aller Welt: für die Würde, die Unversehrtheit und die Gleichberechtigung von Frauen.

"Streikt - Tanzt - Erhebt Euch!" Singt Tena Clark in dem Lied "Break The Chain" (Sprengt die Ketten). Sie hat es für den Protesttag komponiert. Und: "Ich kann eine Welt sehen, in der wir alle / sicher und frei von Unterdrückung leben. / Schluss mit Vergewaltigung, Inzest, Missbrauch! / Frauen sind kein Besitz!"

Eve Ensler sagt über ihre Kampagne "Eine Milliarde erhebt sich":

"One Billion Rising ist die Vision von einer Welt, in der Frauen aller Kulturen und Klassen zusammen protestieren, reden, tanzen – am selben Tag, für dieselbe Sache. Für eine Welt, in der Frauen ihre Sexualität, ihren Intellekt, ihre Spiritualität und ihre Gefühle leben können – ohne bedroht, eingeschüchtert oder belästigt zu werden."

Eine Milliarde. So viele Frauen erleiden laut einer UN-Statistik im Laufe ihres Lebens körperliche, psychische oder verbale Gewalt. Jede dritte Frau. Aber nicht nur sie hat Eve Ensler im Blick. Alle Frauen und – Zitat – "alle Männer, die sie lieben," sollen ihre Häuser, Büros oder Schulen verlassen – und tanzen.

"Es sind immerhin über 190 Länder auf der Welt beteiligt. Das finde ich schon ganz schön beeindruckend tatsächlich, dass da die Mobilisierung so gut funktioniert."

Sookee hat als ihren Beitrag den Song "One Billion" geschrieben.

Für den Videoclip auf Youtube hat Sookee kurzerhand Frauen - und Männer - aus ihrem Freundeskreis rekrutiert, dazu ein Dutzend Street-Dance Begeisterte.

"Dann haben wir noch rumgefragt, gibt es noch Frauen, die irgendwie Lust haben, mit dem Skateboard durch das Bild zu rasen, die halt sowieso fahren. Also ich befinde mich in einem sehr politisierten Umfeld. Ich musste jetzt niemanden überzeugen. Viele kannten die Kampagne schon."

Jetzt, am Donnerstag, wird Sookee mit, so hofft sie, vielen Tausenden auf dem Pariser Platz für Frauenrechte tanzen. Anschließend tritt sie mit ihrem Song auf. Weltweit sind mehr als 130.000 Aktionen angemeldet. Alle, die teilnehmen, so will es die New Yorker Initiatorin, sollen geloben, dass sie sich im Laufe des Jahres mindestens einmal gegen Gewalt an Frauen einsetzen.

"Dass Gewalt gegen Frauen nicht an einem Tag weggetanzt werden kann, sondern dass es dafür konkrete, direkte Aktionen braucht - das ist das Anliegen. Das finde ich sehr schön - als einen ersten Versuch, das noch nachhaltiger zu gestalten."

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