Sonntag, 17.12.2017
StartseiteSprechstundeSprechstunde mit Headset und Webcam07.04.2015

Online-Arzttermin Sprechstunde mit Headset und Webcam

In Schweden ist es seit kurzem möglich, eine ärztliche Sprechstunde online wahrzunehmen. Das Ganze läuft ähnlich ab wie eine Videokonferenz über Skype und soll es auch Menschen in abgelegenen Landesteilen ermöglichen, schnell medizinischen Rat einzuholen. Einen notwendigen Besuch in der Arztpraxis wird diese Art der Ferndiagnose aber nie ersetzen können.

Von Christine Westerhaus

Ein Stethoskop liegt neben einem Laptop.  (picture alliance / ZB)
Umgerechnet 32 Euro kostet ein viertelstündiges Gespräch mit dem Online-Arzt. (picture alliance / ZB)

"Hallo, mein Name ist Jacqueline Khorami, ich bin Ärztin in der Online Arztpraxis "Kry". Womit kann ich Ihnen helfen?"

Jacqueline Khorami sitzt zu Hause in ihrer Wohnung am Bildschirm und spricht über ein Headset mit ihren Patienten. Der Ton ist manchmal etwas verrauscht, auch der Blickkontakt zwischen Arzt und Patient fehlt, da die Ärztin nicht in die Kamera, sondern auf das Video im Computer schaut. Khorami lässt sich von ihrer Patientin erklären, welche Symptome sie hat. Für die Online Ärztin ist der Fall schnell klar: Eine Grippe, die noch nicht völlig abgeklungen ist. Sie rät daher von körperlicher Anstrengung ab.

"Unser Rat lautet: Während einer Viruserkrankung sollte man keinen Sport machen, weil die Viren das Herz schädigen kann, wenn die Infektion nicht ordentlich auskuriert wird."

Das Online-Rezept

Die Online-Ärzte geben nicht nur Rat. Sie haben auch die Möglichkeit, Rezepte für ihre Patienten auszustellen. Um Missbrauch vorzubeugen, muss sich jeder online über eine sogenannte Bank-ID identifizieren bevor er sich bei Kry behandeln lassen kann. Diese ID funktioniert wie ein elektronischer Ausweis. Sowohl schwedische Banken, als auch das Finanzamt nutzen diese fünfstellige Geheimzahl, um Bürger zu identifizieren. Sie wird über ein zigarettenschachtelgroßes Modul mit USB-Kabel in den Computer eingegeben.

Auf der Homepage von Kry sind Symptome und Krankheiten aufgelistet, die nach Auffassung der Betreiber online behandelt werden können. Darunter auch Akne, Haarausfall und Erektionsstörungen. Bei komplizierten Fällen verweisen die Online-Ärzte jedoch auf den Hausarzt. 300 Kronen also umgerechnet 32 Euro kostet ein viertelstündiges Gespräch mit dem Online-Arzt. Ersetzen kann es den Besuch in der Hausarztpraxis aber nicht, meint Bernd Sengpiel. Er ist Allgemeinmediziner in Göteborg und stammt ursprünglich aus Deutschland.

"Wenn ich einen Patienten treffe, hole ich ihn aus dem Wartezimmer ab, sehe wie er sich bewegt. Ich kann ihn anfassen – ich kann viel mehr sehen, als auf dem Bildschirm und meine klinischen Untersuchungen machen. Ich kann Blut abnehmen oder andere klinische Untersuchungen machen. Das kann natürlich so eine Internetarztpraxis niemals leisten."

Überflüssig sei die Online-Praxis damit aber nicht. Wer in der Großstadt lebt, brauche zwar keinen Internet-Arzt, meint Bernd Sengpiel. Doch nicht jeder hat die nächste Arztpraxis gleich um die Ecke. Vor allem nicht in Schweden.

"Ich kann mir schon vorstellen, dass wenn man mehrere hundert Kilometer zur nächsten Arztpraxis hat, dass man sich gerne an den Computer setzt und sich einen ersten Rat holt, bevor man losfährt. Aber eine funktionierende Arztpraxis oder überhaupt ein funktionierendes Gesundheitssystem kann das einfach nicht ersetzen."

Bisher haben vor allem technikbegeisterte Patienten zwischen 20 und 30 Jahren die Dienste der Online-Arztpraxis in Anspruch genommen. Grundsätzlich wäre es zwar auch möglich, so etwas wie "Kry" in Deutschland zu etablieren, meint Bernd Sengpiel. Doch in Sachen Technik und sicherem Umgang mit Patientendaten, müsse sich hier zunächst einiges verbessern.

"Als ich letzte Woche in Deutschland war, war ich erstaunt, wie schlecht immer noch die mobile Internetversorgung oder überhaupt die Internetversorgung auch in den Großstädten ist. Und ich glaube die Infrastruktur, was die sichere Kommunikation übers Netz ist, ist nicht so verbreitet wie hier. Ansonsten gibt's es in Deutschland auch unterversorgte Gebiete, die vielleicht davon profitieren können."

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