• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Google+
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
 
StartseiteAus Kultur- und SozialwissenschaftenOnline-Dating: Partnersuche im Internet10.05.2007

Online-Dating: Partnersuche im Internet

Staatsinstitut für Familienforschung in Bamberg untersucht digitalen Heiratsmarkt

Kontaktanzeigen werden einerseits hochmütig belächelt, dürften andererseits aber die meistgelesenen Kleinanzeigen einer Zeitung sein, zumindest unter Singles. In den vergangenen Jahren sind die Seiten mit den Kontaktanzeigen in den Zeitungen immer kürzer geworden. Nicht deshalb, weil dieser Weg der Partnersuche aus der Mode gekommen ist, sondern weil die Interessenten und Inserenten auf die Kontaktbörsen im Internet ausgewichen sind. Die Vermutung liegt nahe, dass die Art und Weise, wie Liebessuchende über Computer zueinander finden, anders ist, als bei den herkömmlichen Chiffre-Anzeigen. Das Staatsinstitut für Familienforschung und die Universität in Bamberg wollen das jetzt erforschen. Es ist die erste große Studie zum digitalen Beziehungs- und Heiratsmarkt.

Von Christine Weirauch

Gesucht, gefunden. (AP)
Gesucht, gefunden. (AP)

Noch nie war es so leicht, sich spontan mit wildfremden Menschen zu verabreden. Und noch nie gab es so viele Singles: Jeder Fünfte Deutsche lebt im Schnitt alleine, in manchen Großstädten wie Frankfurt oder Hamburg ist es jeder Zweite. Tendenz steigend! Die einen wollen den Partner fürs Leben finden, andere wollen ein flüchtiges Abenteuer oder nur jemanden zum Reden - Singles treffen im weltweiten Netz andere Singles und wollen vor allem eines: glücklich werden. Das moderne Geschäft mit dem Online-Dating boomt, weil es Liebe nicht mehr dem Zufall überlässt. Ein Mausklick auf die Seite einer der Singlebörsen und schon kann die Partnersuche beginnen:

"Die Anmeldung ging recht kurz und schmerzlos. Ein paar Daten wie Haarfarbe, Augenfarbe, Figur, Beruf, Ausbildung, Sportarten, Lieblingsbücher eingetragen und fertig ist die Laube. Dazu noch ein Foto hochgeladen und ich finde auch schnell zu dem Punkt 'suchen'."

Drei Monate hat die 42jährige Susann Singlebörsen getestet. Ihre Erfahrungen und Erlebnisse hat sie zusammen mit neun anderen Frauen und Männern in einem Internet-Tagebuch ins Netz gestellt. Das Internet hat in den letzten Jahren andere ritualisierte Partnersucheformen abgelöst, da ist sich Prof. Dr. Hans-Peter Blossfeld vom Lehrstuhl für Soziologie an der Bamberger Universität sicher:

"Ja, weil es ein einfacher Zugang ist, weil die Leute erst mal experimentieren, um zu sehen, ob es funktioniert, Weil sie spielend damit umgehen. Während eine Anzeige in der Zeit ein größerer Aufwand ist. Man muss Sätze, Beschreibungen ausdenken, viel Geld zahlen, das sind Gründ, die abschrecken, während der Zugang zum Internet, doch viel bequemer und günstiger ist."

Natürlich müssen die Suchenden auch bei den Online-Kontaktbörsen zahlen. Zwischen 5 und 30 Euro im Monat kostet im Schnitt eine Mitgliedschaft bei einem der großen Anbieter. Für seine Studie wird Professor Blossfeld mit seinem Team drei Jahre lang anonymisierte Daten von einem der großen Anbieter analysieren. Die Forscher wollen herausfinden, wie Männer und Frauen ihre Partnersuche im Internet gestalten und ihre Entscheidungen treffen.

"Wir untersuchen in unserer Studie hauptsächliche Dating-Plattformen. Das bedeutet, das sind Plattformen, wo Leute aktiv auf der Suche sind, selbst ihre Kontakte selektieren und selbst Kontaktentscheidungen treffen. Im Gegensatz dazu gibt es Kontaktplattformen, die eine aktive Vermittlung selbst übernehmen", "

erklärt Jan Skopek. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Soziologie-Lehrstuhl und hat die Pilotstudie für das Projekt durchgeführt. Alle Altersgruppen und jede soziale Schicht - so seine Feststellung - sind in den Singlebörsen vertreten. Einige Tendenzen kann er bereits festmachen:

" "Was man hier beobachten kann, anhand des Kontaktierungsverhaltens von Männer und Frauen, ist dass Männer grundsätzlich aktiver sind, selbst wenn die Geschlechterproportion paritätisch ist. Männer sind das aktivere Geschlecht, das heißt, sie haben eine höhere Kontaktneigung. Frauen sind da ein bisschen vorsichtiger könnte man sagen."

Und noch eines gilt: Je mehr Nachrichten eine Person bekommt, umso weniger ist sie selbst aktiv. Je beliebter man ist, umso weniger muss man selbst tun und je unbeliebter man ist, desto aktiver muss man sich verhalten:

"Der Typ, der kein Foto von sich rausrücken wollte, hat sich nun endgültig zurückgezogen. Gut so, wer nicht mal so viel Mumm hat, ist eh raus. Der Einsatz-Schreiber hat seine Konversation auf eine Mail alle drei Tage zurückgefahren. Auch gut, da ging eh nichts vorwärts. Dann ist da noch ein Mann, der zwar gut aussieht, nett schreibt, sich interessiert ... aber irgendwie keinen Enthusiasmus versprüht. Ist sicher jemand, der Effi Briest damals aus Vernunftgründen verheiratet worden wäre."

Die 29jährige Luisa hat während der Testzeit 16 Kontakte mit Männern aufgebaut und liegt damit im Online-Test auf dem ersten Platz. Warum sind die einen sehr erfolgreich während andere überhaupt keine Antwort bekommen? Genau dieser Frage ging Jan Skopek in seiner Pilotstudie nach. Im Zentrum stand die Frage, welche Attribute des jeweils anderen Geschlechts von Männern und Frauen in welcher Weise gewichtet werden. Konkret beschränkte sich Skopek auf drei Attribute: nämlich Alter, Bildungsniveau und physischen Attraktivität. Der Bamberger Wissenschaftler kam zu folgenden Ergebnissen:

"Die physische Attraktivität ist nicht ganz so leicht zu messen, hierfür verwenden wir verschiedene Indikatoren. Zum Beispiel Angaben über Körpergröße und Gewicht im Profil. Daraus können wir den Body-Mass-Index berechnen. Man kann so Gewichtsgruppen bestimmen, die von Untergewicht bis Adiposität reichen. Man kann feststellen, dass Männer stark auf physische Attraktivität bei Frauen achten, meiden Frauen in höheren Gewichtsklassen und Frauen, die größer sind als sie selbst. Insbesondere kontaktieren sie sehr häufig blonde Frauen."

Kurz gesagt: Männer klicken beim Durchblättern der Angebote erst aufs Foto, dann auf Gewicht und Größe der Frau. Frauen klicken zwar auch zuerst auf das Foto, dann aber auf den Beruf des Mannes, denn

"Bei Frauen ist diese Tendenz zur physischen Attraktivität nicht ganz so stark ausgeprägt ist. Frauen achten in der Regel nur darauf, dass der Mann größer ist als sie selbst. Wobei man generell sagen kann, dass Frauen mehr auf den Bildungs- und Berufsstatus des Mannes achten."

Beim Alter bevorzugen Frauen in der Regel gleichaltrige und ältere Männer. Männer bevorzugen grundsätzlich jüngere Frauen. In der virtuellen Welt - so Professor Hans-Peter Blossfeld, gelten die gleichen stereotypen Vorstellungen von Beziehungsrollen wie in der realen Welt:

"Das ist erstaunlich. Wir hatten gedacht, dass, wenn man sich die Berichte über die Veränderungen der Geschlechterrollen so anhört, das Partnersuchverhalten doch egalitär ist. Doch wenn man die ersten Ergebnisse, die wir so haben, Revue passieren lässt, dann kann man feststellen, dass das Verhalten relativ traditionell ist. Dass Frauen etwa immer noch versuchen, einen Partner mit einem höheren Status zu finden, also da spielt die Ernährerrolle eine große Rolle.. Insbesondere bei der jüngeren Generation könnte man erwarten, dass Frauen einen zunehmenden Beitrag für den Lebensstandard der Familie leisten, deswegen auch Bildung, Einkommen und Position eine größere Bedeutung haben. Aber da scheinen wir falsch zu liegen und das traditionelle Muster herrscht vor."

Die nächsten drei Jahre werden die Bamberger Soziologen das Kontaktverhalten in der Singlebörse weiter beobachten. Besonders spannend dürfte sein, dass eine Stichprobe von Nutzern auf ihrer Partnersuche begleitet und immer wieder interviewt wird. Denn Erfolg in der virtuellen Welt, das heißt möglichst viele Kontakte, bedeutet noch lange nicht eine Partnerschaft in der realen Welt. Denn das Internet kann bisher nur Wahrscheinlichkeiten liefern. Echte Gefühle bisher noch nicht.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk