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StartseiteVerbrauchertippIn der Stichprobe durchwachsene Ergebnisse26.06.2017

Online-OptikerIn der Stichprobe durchwachsene Ergebnisse

Sie werben mit erstklassiger Qualität und unschlagbaren Preisen: die Online-Portale zum Bestellen von Brillen. Die Preise sind unschlagbar, die Qualität lässt aber manchmal zu wünschen übrig - wie eine kleine Stichprobe zeigt.

Von Maximilian Schönherr

Zahlreiche Brillengestelle sind auf der Optik- und Brillenmesse Opti in München (Bayern) an einem Messestand zu sehen.  (picture alliance/dpa -  Sven Hoppe)
Um die Gläser exakt zu fertigen, benötigen auch die Portale den Brillenpass mit genauen Angaben über die Fehlsichtigkeit. (picture alliance/dpa - Sven Hoppe)
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Online-Optiker oder Kette? Augen auf beim Brillenkauf

Um über die Qualität der Brillen Aussagen zu treffen, bestellten wir bei zwei der größten deutschen Brillen-Onlinehändler zwei Testbrillen: beim einen eine Arbeitsplatzbrille, beim anderen eine Gleitsichtbrille.

Hat man ein Modell im Internet ausgewählt, kann man ein Foto von sich hochladen und die Brille quasi online am Bildschirm anprobieren. Manche Brillen-Onlinehändler bieten an, bis zu drei Brillengestelle zu bestellen, die man zuhause anprobiert und kostenlos zurückschickt, bevor man dann den Favoriten mitsamt der Gläser bestellt. Und sie werben damit, dass selbst die individuell gefertigte Brille bis zu 30 Tage nach Erhalt ohne Rückfragen und bei voller Erstattung der Kosten zurückgeschickt werden kann.

Um die Gläser exakt zu fertigen, benötigen die Portale den Brillenpass mit genauen Angaben über die Fehlsichtigkeit. Den Brillenpass bekommt man beim Optiker seiner Wahl oder bei einem der Vertragspartner der Onlinehändler. Im Brillenpass ist neben Dioptrien - also der Stärke - und dem Astigmatismus - der Hornhautverkrümmung - auch der Abstand der Pupillen vom Nasenmittelpunkt vermerkt, nicht aber die Höhe der Brille, wenn sie auf der Nase sitzt. Jede Brille sitzt anders. Und das sieht man erst, wenn man sie tatsächlich aufgesetzt hat. Bei einer einfachen Brille mag das gutgehen, aber:

"Das ist natürlich für eine Gleitsichtbrille absolut fahrlässig. Die Gleitsichtbrille muss so eingearbeitet werden, dass der Fernpunkt auch wirklich beim Blick geradeaus auf der Pupillenmitte sitzt. Das ist hier überhaupt nicht gegeben, weil Sie es gar nicht eingeben konnten."

Es gibt mittlerweile auch ein Gerichtsurteil, in denen drinsteht, dass Online-Gleitsichtgläser nicht für den Straßenverkehr taugen, so der Augenoptikmeister Sven Oliver Latta, den wir die Onlinebrillen ausmessen ließen.

Zeitrahmen oft unangemessen

Ein weiterer Knackpunkt ist der Zeitrahmen zwischen Online-Bestellung und Lieferung. Während die komplexeste Brille, die ein Optiker vor Ort fertigt, nach maximal einer Woche abgeholt werden kann, waren die Online-Brillen in unserem Test zwei beziehungsweise fünf Wochen unterwegs.

Eine der Brillen lag weit unter dem Standard ordentlicher Augenoptik. Die Gleitsichtbrille aus Thailand mit fünf Wochen Lieferzeit erzeugte Kopfschmerzen, weil sie, wie sich herausstellte, zu hoch saß. Und weil die Gläser schräg eingefasst waren, statt horizontal.

"Dann haben Sie hier eine Achsverkippung von acht Grad. Und das ist überhaupt nicht akzeptabel."

Die zweite Brille, eine klassische Arbeitsplatzbrille mit Markengestell, war keine klassische Arbeitsplatzbrille, in die zum Beispiel ein fester Abstand zum Bildschirm eingewirkt wäre. Stattdessen fertigte der Onlinehändler einfach eine Gleitsichtbrille an, die für Büroumgebungen ausgelegt ist und tatsächlich auch bei der PC-Arbeit funktionierte. Allerdings:

"Wir haben gerade festgestellt, dass die keinerlei UV-Schutz hat."

Und der war bei der Internetbestellung mit angegeben. Unterm Strich ordnet sich der Online-Brillenhandel zwischen den großen Ketten mit billigen Produkten und dem für seine Professionalität bekannten Einzelhandel ein.

Man kann durchaus hochwertige Brillen online bestellen, allerdings wird man davon ausgehen müssen, dass sie nicht gleich passen. Der Prozess des Hin- und Herschickens, das Nachhalten, wo das Geld bleibt, kann mehr zermürben als ein Besuch beim Händler vor Ort.

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