Montag, 20.11.2017
StartseiteThemaAn der langen Leine09.11.2017

Opel nach 100 TagenAn der langen Leine

Der neue Mutterkonzern PSA unter Chef Carlos Tavares erwartet, dass Opel bald zum Gewinn beiträgt. Bislang unter erdrückender Vorherrschaft durch General Motors und beschränkt auf den europäischen Markt könnten die Opelaner jetzt zeigen, dass sie global begeistern können, kommentiert Dlf-Wirtschaftsredakteurin Silke Hahne.

Von Silke Hahne

Der Vorsitzende des Autokonzerns PSA Peugeot Citroen, Carlos Tavares. (AFP / ERIC PIERMONT)
Grundhaltung von PSA-Chef Tavares: Opel ist frei - und damit auch für sich selbst verantwortlich. Die Erwartungen sind hoch - falls der turnaround nicht gelingt, werden andere Saiten aufgezogen. (AFP / ERIC PIERMONT)
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Wie viele Sparrunden kann eine Belegschaft aushalten, ohne komplett den Ansporn zu verlieren? Dieses Experiment läuft seit mehr als 15 Jahren in Rüsselsheim.

"Pace" - Englisch für Tempo - hat Opel seinen neuesten Sanierungsplan getauft. Und Eile ist tatsächlich geboten. Zehntausende Jobs, Milliarden Euro Verlust und gehörig Marktanteile hat das bisherige Missmanagement Opel in den vergangenen Jahren gekostet - so hat es Peugeot-Citroën-Chef Carlos Tavares heute aufgezählt. Immer und immer wieder wies er auf die dramatische Lage bei Opel hin. Er hat nicht nur den Finger in die Wunde gelegt - sondern ordentlich drauf gedrückt. Sympathisch ist das nicht gerade. Doch sein Image ist Tavares herzlich egal. Unbeliebte Chefs von heute sind die Helden von morgen - so seine Worte.

Erfolgsaussichten ungewiss, kein Zweifel an sinkenden Kosten

Wie unbeliebt sich Tavares und der neue Opel-Chef Michael Lohscheller noch machen werden, ist unterdessen offen. Zwar soll es keine Werksschließungen, keine betriebsbedingten Kündigungen geben. Doch für wie lange diese Zusagen stehen und ob sie auch dann gelten, wenn Opel in drei Jahren keine schwarzen Zahlen schreibt - dazu hielt sich das Duo heute bedeckt.

Dass die Personalkosten sinken werden, daran ließen sie hingegen keinen Zweifel: Kurzarbeit, Überstunden, Frühverrentungen, Abfindungen - das alles kommt auf die Opelaner zu. Denn der neue Mutterkonzern PSA hat Opel nicht aus Traditionsbewusstsein heraus gekauft. In Paris hat man ganz klar die Erwartung, dass Opel bald zum Gewinn beiträgt.

Nach der erdrückenden Vorherrschaft aus Detroit

Der Plan dafür wurde in Rüsselsheim entwickelt, das Management unter Michael Lohscheller soll ihn auch umsetzen. Diese Freiheit braucht Opel endlich. Jahrelang haben sie sich in Rüsselsheim lautstark - und völlig zu Recht - über die erdrückende Vorherrschaft aus Detroit durch General Motors beschwert. Die sinnlose Beschränkung auf den europäischen Markt etwa hat wesentlich zur miserablen Lage beigetragen. Jetzt können die Opelaner zeigen, dass sie global begeistern können. Carlos Tavares will sie an der langen Leine führen.

Die Grundhaltung hinter Tavares Signalen Richtung Rüsselsheim: Opel ist frei - und damit auch für sich selbst verantwortlich. Doch es gibt kein Vertun: Sollte sich die gewünschte Profitabilität nicht einstellen, werden andere Saiten aufgezogen.

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