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Opel-Werk Bochum muss weiter bangen

Konzernspitzen legen sich vorerst nicht fest

Von Brigitte Scholtes

Opel-Vorstandschef Karl-Friedrich Stracke
Opel-Vorstandschef Karl-Friedrich Stracke (GM Corp.)

Am 28. Juni werde er dem Aufsichtsrat ein Konzept zur Sanierung vorlegen, sagte Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke nun. Bis dahin müssen die Opel-Mitarbeiter in Bochum bangen, wie es mit ihrem Werk nach 2014 weitergehen könnte.

Opel kommt nicht aus der Krise. Das liege auch daran, dass das Management beim letzten Restrukturierungsplan zu optimistisch gewesen sei, glauben Analysten. Die Manager hätten nicht damit gerechnet, dass die Menschen in Europa weiter so wenige Autos kaufen würden. 1,1 Millionen Fahrzeuge produzieren Opel und Vauxhall derzeit in Europa. Und das ist zu wenig, sagt Christoph Stürmer, Analyst von IHS Automotive:

"Die Werksstrukturen, die wir im Moment haben, funktionieren gut bei einer Auslastung von mindestens 1,3, aber wahrscheinlich eher 1,5 Millionen Fahrzeugen. Das kann die Marke Opel, die Marke Vauxhall, im Moment einfach nicht darstellen. Der Markt ist nicht da. Wenn GM nicht bereit ist, diese Verluste noch über die Zeit zu tragen, muss jetzt da eine zweite Restrukturierung durchgeführt werden."

Die Marktanteile von Opel in Deutschland allein sind von 17 Prozent im Jahr 1995 über 8,9 Prozent 2009 auf nunmehr 7 Prozent in den ersten vier Monaten 2012 gesunken – während gleichzeitig VW in diesem Zeitraum seinen Anteil von 19,2 auf jetzt 22,3 Prozent gesteigert hat. Ein wesentlicher struktureller Grund für die Schwäche von Opel im General-Motors-Konzern ist vor allem die Beschränkung auf Europa.

Aber bevor die Mutter General Motors das ändere, müsse Opel seine Hausaufgaben in Europa machen, verlange die amerikanische Mutter offenbar, sagt Stefan Bratzel, Autoexperte der Fachhochschule für Wirtschaft in Bergisch-Gladbach:

"Man hat sich aus GM-Sicht erst einmal gesagt, dass man mit der Marke Chevrolet in die internationalen Märkte gehen will. Allerdings, und das zeigt ja auch das Beispiel von Volkswagen, ist es durchaus möglich, dass man mit einer Marke wie Volkswagen und einer Marke wie Skoda gleichermaßen etwa in den chinesischen Markt eintritt."

Schon jetzt müsse General Motors aber Opels Entwicklungsleistungen im GM-Konzern stärker honorieren, meint Analyst Christoph Stürmer von IHS Automotive:

"Diese Aktivitäten unter anderen Marken werden der Adam Opel AG im Moment nicht zugerechnet. Das heißt, im Prinzip werden heute schon mehr Opel international gebaut und verkauft, als tatsächlich in der Bilanz von Adam Opel ankommen. Wenn man noch einen Schritt weitergeht und sich überlegt, welche Fahrzeuge denn von der Grundarchitektur in Rüsselsheim entwickelt worden sind und weltweit angeboten werden, kommt man für dieses Jahr allein auf eine Stückzahl von drei Millionen Fahrzeugen, die GM im Prinzip den Opel-Ingenieuren verdankt."

Neben der stärkeren Integration in den GM-Konzern würde Opel auch die rückhaltlose Unterstützung der Konzernmutter helfen, sagt Autoexperte Stürmer:

"Es muss klar sein, dass die Fabriken in ihrer größten Zahl, die Marken, die Aktivitäten, die jetzt für GM ein wesentlicher Bestandteil ihrer internationalen Strategie sind, das auch bleiben werden."

Aber auch dann werde sich nichts daran ändern, dass die einzelnen Standorte im GM-Konzern untereinander im Qualitäts- und Effizienzwettbewerb stünden, sagt Stürmer.

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