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Oper mit Tricklaboratorium

Marc Albrecht und Simon McBurney inszenieren "Die Zauberflöte" in Amsterdam

Von Christoph Schmitz

"Die Zauberflöte" in Amsterdam
"Die Zauberflöte" in Amsterdam (Clärchen & Matthias Baus)

Alle Jahre wieder in der Weihnachtszeit kommt Mozarts Märchenoper "Die Zauberflöte" auf die Bühnen der Welt. An der Niederländischen Staatsoper in Amsterdam zeigt derzeit Simon McBurney mit der Londoner Theatergruppe "Complicite" den Klassiker und lässt das Publikum an der Entstehung der Bühneneffekte teilhaben.

Der britische Theaterregisseur Simon McBurney will sein Publikum verzaubern. Die "Zauberflöte" bietet dafür ausreichend Stoff. Nächtliche Königinnen, philosophierende Tempelherrscher, schwarze Lüstlinge, plappernde Vogelmenschen, junge Liebende, Wasser- und Feuerprüfungen - fette Nahrung also für ein fantasieseliges Zeitalter, das nicht genug bekommen kann von Peter Jacksons Mittelerde-Träumen.

Auf der Bühne vermag aber auch ein Simon McBurney nicht mit gefesselten Füßen zu tanzen. Die Totalillusion kriegt auch er nicht hin, will er auch gar nicht, denn er ist weder größenwahnsinnig noch naiv. Er liebt die handgemachten Bühneneffekte und lässt uns bei allen Effekten, die er auf die Bühne zaubert, zuschauen, wie sie fabriziert werden.

Das macht viel Spaß, überrascht immer wieder, ist abwechslungsreich und verleiht dem Abend in manchen Momenten eine schöne Leichtigkeit und poetischen Atem. Wie am Anfang: Eine überdimensionale Schlange als Videoprojektion hat sich um den flüchtenden Tamino geschlungen, die drei Damen, walkürische Soldatinnen, haben ihn gerettet, auf einer Filmleinwand dahinter gestaltet eine Menschenhand eine Berglandschaft und führt eine Scherenschnittfigur, den Vogelfänger Papageno, ins Tal.

Dieses Arrangement wird links neben der Bühne an einem kleinen Tisch gebastelt, ein Puppenspieler malt und baut immer wieder kleine Spielszenen, die per Kamera vergrößert auf die hintere Filmleinwand übertragen werden. Und kurz bevor der Vogelsänger selbst leibhaftig auftritt, liefert in einer beleuchteten Glaskabine rechts der Bühne ein Geräuschemacher mit Papier, Alufolie, Blättern, Ästen und vielerlei Gerätschaften die über Lautsprecher verstärkten Geräusche und eine Art Mordor-Geraune, und die Musiker im hochgefahrenen Graben heben ihre Notenblätter und lassen sie wie Vögel um ihre Köpfe flattern.

So verwandelt sich die zuvor schwarze Bühne samt Stahlkonstruktion für ein bewegliches Podest immer wieder zu einer Art Tricklaboratorium. Die strikte Trennung zwischen Orchester, Sänger und Technik soll aufgehoben werden, was manchmal auch gelingt. Eine charmante Idee, eine sympathische Inszenierung.

Oft aber sind es dann doch nur kleine Witzeleien, die verpuffen, wie der Zigarettennebel links auf der kleinen Puppenbühne. Die Musiker, Statisten und Bühnenarbeiter sind hoch konzentriert bei der Sache. Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit.

Marc Albrecht am Pult dirigiert eine flotte, pointierte, mitunter jedoch noch wackelige "Zauberflöte". Ein feines Solistenensemble hat Opernchef Pierre Audi zusammengestellt, keine Stars, aber unverbrauchte Könner. Iride Martinez als böse alte, hasserfüllte, Rollstuhl fahrende Königin der Nacht, Brindley Sherratt als tiefensicherer Sarastro, Maximilian Schmitt als klar konturierender Tamino und Christina Landshamer als glockenreine Pamina.


Und doch, bei allem, was so gut gelingt, bei allem Ideenreichtum der Regie gerät der Abend häufig ins Stocken. Es bleiben unbearbeitete Passagen. Bühnenroutine macht sich breit. Vor allem aber - die Szene kommt letztlich über die reine Bebilderung nicht hinaus.

Simon McBurney und sein Team illustrieren, aber interpretieren nicht. Sie choreografieren einen Bilderreigen, bringen diese verrückte Oper aber letztlich nicht zum Tanzen. Es bleibt alles eher brav und konventionell. Ein Vergnügen für die Vorweihnachtszeit.



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