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StartseiteEuropa heuteMarsch für die Gerechtigkeit10.07.2017

Opposition in der TürkeiMarsch für die Gerechtigkeit

In Istanbul fand gestern Abend eine Großkundgebung der türkischen Opposition zum Abschluss eines mehr als 400 Kilometer langen Protestmarsches statt. Oppositionsführer Kemal Kilicdaroglu forderte von der türkischen Regierung unter anderem die sofortige Aufhebung des Ausnahmezustands.

Von Katharina Willinger

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Der Vorsitzende der türkischen Oppositionspartei CHP, Kemal Kilicdaroglu, läuft in der Mitte einer Menschenmenge die letzten Meter des von ihm initierten Protestmarsches von Ankara nach Istanbul. (imago / Taner Yener)
Der Vorsitzende der türkischen Oppositionspartei CHP, Kemal Kilicdaroglu bei seinem Marsch für die Gerechtigkeit (imago / Taner Yener)
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Es war der Abschluss eines ungewöhnliche Protests: Mit dem ständigen Ruf nach Recht, Gesetz und Gerechtigkeit jubeln rund eine Millionen Menschen dem beinahe schon nicht mehr als Oppositionsführer wahrgenommen Kemal Kilicdaroglu zu, als dieser am Sonntagabend die Bühne im Istanbuler Stadtteil Maltepe  betritt - um den erfolgreichen Abschluss seines Protests, dem sogenannten "Marsch der Gerechtigkeit" zu verkünden. 

"Heute haben wir unseren Marsch, den wir am 15. Juni in Ankara begonnen hatten, abgeschlossen. Aber niemand soll jetzt glauben, dass wäre das Ende. Der Marsch war nur der Anfang."

Am Ende laufen rund 50.000 Menschen mit

25 Tage lang war Kilicdaroglu, Chef der CHP, der größten Oppositionspartei in der Türkei, jeden Tag marschiert. 430 km von Ankara bis nach Istanbul, täglich rund 20 km - aus Protest gegen die Verurteilung eines Parteikollegen zu 25 Jahren Haft und gegen die politische Situation im Land - für die Kilicdaroglu gestern Abend deutliche Worte findet.

"Momentan leben wir in einer Diktatur. Und ich möchte, dass das jeder weiß - wir leben hier in einer Diktatur."

Kilicdaroglus Protest, von vielen anfangs nur belächelt, wurde mit der Zeit immer größer. Anfangs ein Zug aus rund 100 Menschen, schlossen sich im Laufe der Zeit immer mehr dem Protestmarsch an. Als der Zug am Wochenende die Stadtgrenze von Istanbul erreicht, laufen rund 50.000 Menschen hinter Kemal Kilicdaroglu. Zur Abschlusskundgebung kommen mehr als eine Millionen, jung, alt, arm, reich, ein für die  CHP zum Teil ungewöhnliches Publikum. 

"Wir wollen, dass wieder Gerechtigkeit im Land einkehrt, sagt diese Frau. Momentan gibt es kein Recht. Wir wollen keinen Diktator, sondern unsere Republik zurück."

Wichtigste Forderung: Aufhebung des Ausnahmezustands

Das verlangt auch Kilicdaroglu in seiner gut eine Stunde andauernden Rede, in der er unter anderem ein Zehn-Punkte-Manifest verliest. Allesamt Forderungen an die AKP-Regierung. An vorderster Stelle: Die Aufhebung des Ausnahmezustand. 

"Die Regierung hat den Putschversuch als Gelegenheit genommen, um einen eigenen Putsch zu starten, der mit der Erklärung des Ausnahmezustands begonnen hat. Sie haben die Macht an sich gerissen. Und der Ausnahmezustand, der in einem zivilen Putsch gegipfelt ist, hat die Exekutive, die Legislative und die Judikative in die Hände von nur einer Person gelegt." 

Nach 90 Minuten ist die Kundgebung zu Ende. Kilicdaroglu hat angekündigt, es sei erst der Anfang. Das hoffen hier viele.

"Was der Protestmarsch bewirken kann, ist, dass endlich der Ruf der Mehrheit gehört wird. Vielleicht hört es die Regierung nicht, aber vielleicht wacht jetzt ja die schlafende Mehrheit im Land auf."

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