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Organisation ICANFriedensnobelpreis für Kampagne gegen Atomwaffen

Die ICAN-Geschäftsführerin Beatrice Fihn und Koordinator Daniel Hogstan jubeln über den Friedensnobelpreis, der ihrer Organisation verliehen wird. (AFP / Fabrice COFFRINI)
Aktivisten der Internationalen Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (ICAN) protestieren vor der amerikanischen Botschaft in Berlin mit Masken des nordkoreanischen Machthabers Jong-un (r) und des US-Präsidenten Trump. (AFP / Fabrice COFFRINI)

Der diesjährige Friedensnobelpreis geht an die Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (ICAN). Die Organisation erhalte die Auszeichnung für "ihre Arbeit, Aufmerksamkeit auf die katastrophalen humanitären Konsequenzen von Atomwaffen zu lenken", gab das norwegische Nobelkomitee in Oslo bekannt.

ICAN habe sich bahnbrechend um ein vertragliches Verbot solcher Waffe bemüht, begründete das Komitee seine Wahl. Die nächsten Schritte zu einer atomwaffenfreien Welt müssten die Atommächte miteinbeziehen, sagte die Komitee-Vorsitzende Berit Reiss-Anderson. Das ICAN-Bündnis umfasst 450 Friedensgruppen und Organisationen, die sich seit Jahren für Abrüstung engagieren.

Zu den Mitgliedern gehören die internationale Juristenvereinigung gegen Atomwaffen, der Internationale Gewerkschaftsbund und aus Deutschland das Forum Friedensethik (FFE) der Evangelischen Landeskirche in Baden.

Vor zehn Jahren waren sie zusammengekommen, um sich gemeinsam für einen Vertrag gegen Atomwaffen einzusetzen. Treibende Kraft waren nicht Regierungen, sondern zehntausende Aktivisten in mehr als 100 Ländern.

Deutschland hat Vertrag nicht unterzeichnet

Im Juli 2017 wurde das Vertragswerk unterzeichnet. Es verbietet Herstellung, Besitz, Einsatz und Lagerung von Atomwaffen und kam gegen den Widerstand der Atommächte und den mit ihnen verbündeten Staaten zustande, darunter Deutschland. Der Vertrag tritt in Kraft, wenn ihn 50 Mitglieder ratifiziert haben. Die ICAN rechnet damit bis Ende nächsten Jahres.

Der mit umgerechnet rund 940.000 Euro dotierte Preis wird anders als die übrigen Nobelpreise nicht in Stockholm, sondern in Norwegens Hauptstadt Oslo vergeben. Dort wird der Preis am 10. Dezember verliehen, dem Todestag des Namensgebers Alfred Nobel.

Kampagne wertet Nobelpreis als Ansporn

ICAN-Direktorin Fihn sagte, die Kampagne sei "sehr geehrt". Der Preis müsse auch als Botschaft an die Atommächte verstanden werden, dass sie nicht schnell genug daran arbeiteten, ihre Waffen zu vernichten.

Deutschland gratulierte der ICAN trotz Differenzen. "Die Bundesregierung unterstützt das Ziel einer Welt ohne Atomwaffen", sagte Vize-Sprecherin Demmer. Gleichzeitig bekräftigte die Regierung aber ihre Ablehnung des Vertrags zum Verbot von Atomwaffen.

Solange es Staaten gebe, die Atomwaffen als militärisches Mittel ansehen würden und Europa davon bedroht sei, bestehe die Notwendigkeit einer nuklearen Abschreckung fort, sagte Demmer. Diese werde durch die Nato gewährleistet. Auch die Heinrich-Böll-Stiftung, die ICAN unterstützt, sprach der Organisation ihre Glückwünsche aus. Viele Politiker gratulierten zudem auf Twitter:

Russland reagierte zurückhaltender. Moskau respektiere die Entscheidung des Nobelkomitees in Oslo, sagte Kremlsprecher Peskow. "Russland ist ein verantwortungsbewusstes Mitglied im 'Atom-Club'", sagte er der Agentur Tass zufolge. Präsident Putin habe mehrfach betont, wie wichtig ein atomares Gleichgewicht für die internationale Sicherheit sei. 

In diesem Jahr waren insgesamt 215 Personen und 103 Organisationen für den Friedensnobelpreis nominiert. Die Liste wird allerdings erst in 50 Jahren der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Einige Name, darunter Papst Franziskus, die syrischen Weißhelme und die westafrikanische Staatengemeinschaft Ecowas, sind trotzdem durchgesickert.

Politisch geprägte Auszeichnung

Im vergangenen Jahr war Kolumbiens Präsident Santos mit dem Preis ausgezeichnet worden. Damit würdigte das Nobelpreis-Komitee Santos' Bemühungen für ein Ende des mehr als 50 Jahre andauernden Bürgerkriegs in Kolumbien. Der Nobelpreis hatte den ins Stocken geratenen Friedensprozess weiter vorangetrieben.

Die Wahl des Friedensnobelpreisträgers war häufig kontrovers, weil sie sehr politisch ist. Diskutiert wird auch immer wieder, warum bestimmte Personen, wie Mahatma Gandhi, nie den Preis bekamen. Nobel hatte in seinem Testament festgelegt, dass derjenige geehrt werden solle, der "am meisten oder besten für die Verbrüderung der Völker und die Abschaffung oder Verkleinerung stehender Armeen" gewirkt hat.

(tj/hba)

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