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Organspende-Skandal erschüttert Vertrauen

Anreize zur Manipulation im System vorhanden

Von Peter Mücke, ARD-Hauptstadtstudio

Organspendeausweis
Organspendeausweis (picture alliance / dpa / Hannibal Hanschke)

Bundesgesundheitsminister Bahr irrt: Dass die Manipulationen in Göttingen aufgeflogen sind, zeigt leider nicht, dass die Aufklärungsmechanismen funktionieren.

Sondern macht deutlich, dass es in Deutschland offenbar doch ziemlich einfach ist, das Verfahren zu beeinflussen, mit dem Spenderorgane an bestimmte Empfänger verteilt werden – allen Beteuerungen und Beschwichtigungen zum Trotz.

Es waren nicht die Deutsche Stiftung Organtransplantation, Eurotransplant oder die Deutsche Transplantationsgesellschaft, die die Ermittlungen ins Rollen gebracht haben. Es war ein anonymer Hinweis aus der Klinik selbst. Sonst würden die Machenschaften möglicherweise noch heute weitergehen.

Mit einem simplen Trick hat es ein Oberarzt der Uniklinik Göttingen geschafft, das ganze System auszutricksen. Indem er nämlich einfach die Blutwerte manipuliert hat, die Patienten kränker machte, als sie sind, damit sie auf der Warteliste nach oben rutschen. Die Warteliste, die eigentlich dafür sorgen soll, dass bei der Vergabe diejenigen bevorzugt werden, die am dringendsten ein Organ brauchen.

Der Fall zeigt, wie intransparent tatsächlich das System ist. Wer entscheidet eigentlich am Ende über die Verteilung von Spenderorgangen – und damit in letzter Konsequenz über Lebenschancen? Dass zuletzt auch heftige Vorwürfe gegen die Deutsche Stiftung Organtransplantation erhoben worden sind, stärkt nicht gerade das Vertrauen. Die Rede ist von finanziellen Unregelmäßigkeiten, nicht nachvollziehbaren Entscheidungen und Vetternwirtschaft. Der kaufmännische Vorstand trat zurück.

Das alles zeigt auch: Transplantationsmedizin ist kein reiner Altruismus, sondern ein gutes Geschäft. Und nicht nur für einen Mediziner, der sich möglicherweise von einem verzweifelten Patienten schmieren lässt. Rund 150.000 Euro bekommt eine Klinik ganz legal für eine Lebertransplantation. In Zeiten, in denen Unternehmensberater den Krankenhäusern vermitteln, wie man möglichst viel Geld aus einem Patienten herausholen kann, weckt auch die Organspende Begehrlichkeiten – und Anreize zur Manipulation.

Selbst, wenn es sich in Göttingen wirklich nur um einen Einzelfall handeln sollte. Die Folgen sind fatal. Mit knapp 15 Organspendern auf eine Million Einwohner liegt Deutschland im internationalen Vergleich ohnehin schon im unteren Drittel. Gerade erst hat der Bundestag eine Änderung des Transplantationsgesetzes beschlossen, um mehr Menschen zu überzeugen, nach ihrem Tod Organe zur Verfügung zu stellen. In den kommenden Monaten sollen alle Versicherten angeschrieben und überzeugt werden, einen Organspenderausweis auszufüllen. Die Bereitschaft, das auch zu tun, wird durch die jüngsten Vorfälle bestimmt nicht gestiegen sein.

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