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StartseiteHintergrundDas staatlich-geistliche Rendezvous22.12.2015

Orthodoxie in Russland Das staatlich-geistliche Rendezvous

Zwar besagt die russische Verfassung klar, dass die religiösen Vereinigungen im Land vom Staat getrennt sind - dennoch scheint jene Trennung immer mehr aufzuweichen. Vor allem die russisch-orthodoxe Kirche mit ihrem Patriarchen ist immer häufiger bei offiziellen staatlichen Anlässen vertreten. Und auf den Bildungssektor schielt sie auch bereits.

Von Gesine Dornblüth

Der russische Präsident Wladimir Putin und der Patriarch der russisch-orthodoxen Kirche Kirill im Juli 2013 in Moskau. (picture alliance / dpa / Foto: Sergey Guneev)
Der russische Präsident Wladimir Putin und der Patriarch der russisch-orthodoxen Kirche Kirill im Juli 2013 in Moskau. (picture alliance / dpa / Foto: Sergey Guneev)
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Eine gemeinsame Sitzung der Duma und des Föderationsrates in Moskau Mitte November. Abgeordnete und Senatoren debattieren über den Kampf gegen den internationalen Terror. Auch Vertreter der Glaubensrichtungen sprechen. Für die Russisch-orthodoxe Kirche tritt Erzbischof Ilario ans Rednerpult. Man brauche nicht nur eine weltweite Antiterrorkoalition, sondern ... "Wir brauchen noch eine Koalition, eine, die die weltlichen und die religiösen Führer vereint."

In Artikel 14 der russischen Verfassung heißt es:

  1. Die Russländische Föderation ist ein weltlicher Staat. Keine Religion darf als staatliche oder verbindlich festgelegt werden.
  2. Die religiösen Vereinigungen sind vom Staat getrennt und vor dem Gesetz gleich.

Doch offizielle Kirchenvertreter stellen diese in der Verfassung garantierte Trennung von Staat und Kirche immer offener in Frage. Erzbischof Ilario weiter:

"Es ist Zeit, sich von der Trennung von Kirche und Staat zu verabschieden und auch von der Trennung von Schule und Kirche, von der Auffassung, Religion habe in der Bildung nichts zu suchen."

Die Ausführungen Ilarios zeigen, was sich in Russland seit langem herausbildet, ja was nie komplett verschwunden war: Die Allianz zwischen der Russisch-Orthodoxen Kirche und dem Staat.

Rückblick: Februar 2012. Die jungen Frauen der Performance-Gruppe Pussy Riot springen in bunten Kleidern und Masken in der Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau herum, dem Prestigebau der Orthodoxen Kirche. In ihrem Punk-Song klagen sie eben jene Allianz zwischen Amtskirche und Kreml an.

Übersetzung des Protestsongs:

"Der KGB-Chef ist ihr oberster Heiliger. Er steckt Demonstranten ins Gefängnis ... Der Patriarch glaubt an Putin. Besser sollte er, der Hund, an Gott glauben."

Die 3 jungen Frauen von der Musik-Gruppe Pussy Riot  (picutre alliance / dpa / Karpov Sergei)Die drei jungen Frauen von der Musik-Gruppe Pussy Riot (Bild: picutre alliance / dpa / Karpov Sergei) (picutre alliance / dpa / Karpov Sergei)
Im Februar 2012 befand sich Russland im Wahlkampf. Wladimir Putin, damals noch Premierminister, wollte zurück ins Präsidentenamt. Er präsentierte sich als der Mann, der Russland nach den Wirren der 1990er-Jahre Stabilität gebracht habe. Im Wahlkampf traf er sich mit den religiösen Führern Russlands. Patriarch Kirill, Oberhaupt der Russisch-Orthodoxen Kirche, saß direkt neben Putin. Die Fernsehkameras übertrugen, wie er sich dem Kandidaten zuwandte:

"Der Ausweg aus den schweren 1990er-Jahren war ein ganz besonderer Teil in der jahrhundertelangen Geschichte unseres Vaterlandes. Es ist sehr wichtig, das zu verstehen. Als Patriarch, der aufgerufen ist, die Wahrheit zu sagen, unabhängig von politischer Konjunktur und propagandistischen Akzenten, muss ich ganz offen sagen: Sie persönlich, Wladimir Wladimirowitsch, haben eine riesige Rolle in der Korrektur dieses krummen Abschnitts unserer Geschichte gespielt. Ich möchte Ihnen danken. Sie haben mal gesagt, Sie arbeiten wie ein Galeerensklave – aber ein Sklave hatte nicht so eine hohe Hingabe wie Sie."

Es war unter anderem diese unverhohlene Wahlkampfhilfe des Patriarchen für Putin, die die Aktivistinnen von Pussy Riot bei ihrem Auftritt in der Christ-Erlöser-Kathedrale anklagten. Für ihre Aktion zahlten sie einen hohen Preis. Zwei der jungen Frauen wurden wegen sogenannten "Rowdytums aus religiösem Hass" zu zwei Jahren Lagerhaft verurteilt. Die Duma nahm den Vorfall zum Anlass, um später ein Gesetz zu verabschieden, das die Verletzung religiöser Gefühle unter Strafe stellt. Das neue Gesetz dient ultraorthodoxen Gruppen seither als Rechtfertigung, um Andersdenkende und Liberale zu überfallen. Im Namen Gottes attackieren sie Homosexuelle. "Moskwa ne Sodom", "Moskau ist nicht Sodom", ist ihr Schlachtruf. Und sie überfallen Ausstellungen moderner Kunst. Zum Beispiel im Herbst in der Manege, einem staatlichen Ausstellungszentrum am Kreml. Dort zerstörten sie Werke eines bekannten sowjetischen Künstlers aus Staatsbesitz. Die radikalen Gruppen werden nicht unbedingt von der Amtskirche geschickt, aber die Kirche distanziert sich auch nicht von den Vandalen. Erzpriester Wsewolod Tschaplin ist für die Öffentlichkeitsarbeit des Moskauer Patriarchats zuständig.

"Diese Leute haben das Recht zu sagen, was sie für nötig halten. Im Rahmen des Gesetzes. Im Rahmen der christlichen moralischen Werte. Wenn sie gegen das Gesetz verstoßen, ist das nicht statthaft. So wie in der Manege. Da wurde ein Exponat auf den Boden geworfen und wurde beschädigt. Das war überflüssig. Wenn aber gesagt wird, jemand habe dort ein Pogrom veranstaltet, dann stimmt das sicher nicht."

"Die Verfassung trennt nicht Staat und Kirche"

Wesewolod Tschaplin ist einer der Scharfmacher unter den Kirchenfunktionären. Er spricht von einem "Krieg gegen die Orthodoxie" und fordert Kirche und Politik gleichzustellen. Das widerspreche mitnichten der Verfassung. "Die Kirche ist der entscheidende Teil des Volkes. Ihn seiner Stimme zu berauben, wäre eine Diskriminierung. Die Verfassung trennt nicht Staat und Kirche oder religiöse Vereinigungen. Die Verfassung sagt nur, dass diese keine Machtorgane sein dürfen."

In der Praxis sind Kirche und Staat oft bereits miteinander verwoben. Immer häufiger werden die offiziellen Anlässe, bei denen Patriarch und Präsident Seite an Seite auftreten.

Es ist der 4. November 2015. In Moskau wird eine Ausstellung eröffnet. Der Titel: "Die orthodoxe Rus. Meine Geschichte. Von großen Erschütterungen zum großen Sieg". Die Rus war das mittelalterliche russische Reich. In der Ausstellung geht es um die Jahre 1914 bis 1945. Patriarch Kirill und Präsident Wladimir Putin schreiten gemeinsam die Räume ab und halten eine Rede. Der Patriarch:

"Welche Qualen haben wir durchlitten. Welche Trauer. Welche Prüfungen. Aber wir sind ein Land geblieben, nicht nur ein großes und starkes, sondern eines, das sein eigenes Wesen bewahrt hat. Wir haben unsere Identität nicht verloren und verlieren sie auch nicht in einer Zeit, in der große und starke Länder auf dem europäischen Kontinent sie verlieren."

Der 4. November ist Russlands Nationalfeiertag, der "Tag der Einheit des Volkes". Russland begeht ihn seit 2005. Lange hat der Tag ein Nischendasein gefristet. Russland fehlte eine nationale Idee, der Tag war ultrarechten Randgruppen überlassen. Mit der Ausstellungseröffnung setzen Patriarch und Präsident ein Zeichen. Wladimir Putin:

"Die Liebe zur Heimat war das stärkste, alles besiegende Gefühl. Es hat begeistert, es hat geholfen und gerettet. So hat unser Volk den Großen Vaterländischen Krieg 1941 bis 1945 überstanden und dabei noch seine Staatlichkeit erhalten und gefestigt."

Die Einheit des Volkes ist eine zentrale Idee der russischen Politik unter Wladimir Putin. Gemeint ist nicht nur die Einheit der verschiedenen Bevölkerungsgruppen; einig sollen auch das Volk und die Regierung sein. Denn äußere Feinde bedrohten auch heute wieder Russlands Identität und Russlands Staatlichkeit.

Die Russisch-orthodoxe Amtskirche dient der Politik dabei als ideologische Stütze. Sie bietet sich aus mehreren Gründen an. In Umfragen bezeichnen sich gut drei Viertel der Russen als "religiös". Dass rund 40 Prozent von ihnen gleichzeitig angeben, nicht an die Existenz Gottes zu glauben, zeigt, wie oberflächlich diese Religiosität ist. Die Kirche genießt, anders als zum Beispiel die diskreditierten Parteien, moralische Autorität und Ansehen in der Bevölkerung.


Russlands Präsident Wladimir Putin trifft am 18. Juli 2014 Bischöfe der orthodoxen Kirche in der Nähe von Moskau, um den 700. Geburtstag des Heiligen Sergius von Radonesch zu feiern. (dpa / Mikhail Klimentiev)Der russische Präsident Putin mit russisch-orthodoxen Bischöfen in Possad (dpa / Mikhail Klimentiev)

Vor allem aber denkt die heutige Kirchenführung, dass die Orthodoxie, wie der russische Staat, von außen bedroht sei. Jelena Beljakowa ist Kirchenhistorikerin und selbst gläubig, zählt sich aber dem liberalen Lager zu.

"Es hieß immer, Russland brauche eine nationale Idee, die alle eint. Nun ist sie gefunden. Es ist die Orthodoxie. Die Macht nutzt die Kirche als ideologische Basis: Die Idee des Isolationismus, des russischen Sonderweges, der Gegenüberstellung zu Europa. Die Kirche in Person von Patriarch Kirill vertritt diese Ideen aktiv."

In einer Rede vor der Staatsduma Anfang 2015 sprach Kirill sogar von einer "großen politisch-religiösen Synthese". Der westlichen Zivilgesellschaft stellte er das Ideal einer "Solidargesellschaft" gegenüber. In diesem Rahmen rief er die politischen Parteien auf, ihren Wettbewerb einzustellen. Der ist allerdings mittlerweile ohnehin kaum noch vorhanden.

Die Idee, Werte wie Freiheit und Wahlfreiheit allem anderen vorzuziehen und sich von moralischen Normen abzuwenden, ist eine Zeitbombe, an der die westliche Zivilisation noch zugrunde gehen wird. "Den Tendenzen zu Chaos und Konflikt setzten wir eine große religiös-politische Synthese entgegen, ein soziales Ideal. In dieser Synthese arbeiten die verschiedenen ethnokulturellen, sozialen, beruflichen, religiösen Altersgruppen um des Allgemeinwohls willen zusammen. Auch das Volk und die Macht arbeiten zusammen, statt Konflikte auszutragen. Die Ethnien und die Religionen und selbst die politischen Parteien verzichten auf Konflikte. Ich bezeuge und danke Gott, dass die heutige Zusammensetzung der Staatsduma praktisch das verkörpert, wovon ich jetzt gesprochen habe."

Präsident Putin seinerseits tut viel, um die Rolle der Kirche zu stärken. Ende 2012 sagte er in seiner ersten Rede zur Lage der Nation als wiedergewählter Präsident:

"Der russischen Gesellschaft mangelt es klar an geistigen Klammern, an Barmherzigkeit, Mitgefühl, Erbarmen, Unterstützung und gegenseitiger Hilfe - an einem Defizit all dessen, das uns immer, zu allen Zeiten, härter und kräftiger gemacht hat, auf das wir immer stolz waren. Wir müssen jene Institute, die für traditionelle Werte stehen und historisch bewiesen haben, dass sie in der Lage sind, sie von Generation zu Generation weiterzugeben, mit allen Mitteln unterstützen."

Putin weist allerdings auch immer wieder auf die Multikonfessionalität des Landes hin. Russland ist ein Vielvölkerstaat. Etwa 20 Millionen Menschen sind Muslime. Russland sei ein Beispiel dafür, dass Menschen unterschiedlichen Glaubens und unterschiedlicher Nationalität friedlich zusammenleben, betont Putin immer wieder. Doch gleichzeitig macht er auch klar, dass die Orthodoxie eine Sonderstellung unter den Religionen einnimmt. So zum Beispiel bei einem Empfang mit Kirchenvertretern im Sommer 2013.

"Die moralischen Grundlagen des orthodoxen Glaubens haben unseren nationalen Charakter und die Mentalität der Völker Russlands in vieler Hinsicht geprägt, haben die besten schöpferischen Eigenschaften unseres Volkes geweckt und Russland geholfen, einen würdigen Platz in der europäischen und in der Weltzivilisation einzunehmen. Für die russische Staatlichkeit, für unser Nationalbewusstsein, ist die Orthodoxie eine geistige Stütze geworden."

Kirchenleitung verurteilt die stalinistischen Verbrechen nicht

Die Allianz zwischen der Russisch-Orthodoxen Kirche und dem Staat hat Tradition. Der Minister für Volksaufklärung unter Zar Nikolaus I. erdachte Mitte des 19. Jahrhunderts eine Formel von drei Säulen, auf denen das russische Imperium ruhe: "Prawoslawie, Samoderschawie, Narodnost'", "Orthodoxie, Autokratie, volksnaher Patriotismus". In der Sowjetunion dann war die Kirche zwar extrem bedroht. Massenhaft wurden Priester von Stalins Schergen verhaftet, in Arbeitslager gesteckt und ermordet. Kirchen wurden als Kinos, Schwimmbäder, Lagerhallen missbraucht. Doch in der Not ließ sich die Kirchenleitung weiterhin mit dem Staat ein, ließ die Sowjetherrscher in Personalfragen bestimmen, entfernte unliebsame Priester aus dem Amt.

Die Kirchenleitung unter Patriarch Kirill verurteilt die stalinistischen Verbrechen bis heute nicht. Erzpriester Wsewolod Tschaplin:

"Weder das Handeln Stalins, noch die sowjetische Epoche im Ganzen darf man eindeutig gut oder schlecht nennen. Das hat auch der Patriarch kürzlich bei der Eröffnung der Geschichtsausstellung gesagt. Es war eine Zeit der Repressionen. Teils hatten die Leute sie verdient, teils nicht. Zugleich war es die Zeit des Sieges im Krieg, der Industrialisierung, es war die Zeit der Einheit des Volkes angesichts der äußeren Gefahr, es war die Zeit einer großen Einheit des Volkes mit der Macht."

Es gibt Hinweise, dass Patriarch Kirill selbst für den sowjetischen Geheimdienst tätig war – wie auch Präsident Putin. Der mittlerweile exkommunizierte Kirchenkritiker und Priester Gleb Jakunin hat Indizien dafür gesammelt. In Archiven fand er den Reiseplan eines Geheimdienst-Agenten Michailow, der 1972/'73 nach Neuseeland, Australien und Thailand zu Treffen des Weltkirchenrates gereist sei. In den Kirchenbüchern des Patriarchats stieß er auf Notizen, denen zufolge ein gewisser Archimandrit Kirill dieselben Orte zur selben Zeit besuchte. Es handelt sich um den späteren Patriarchen. Die Kirche hat die Geheimdienstvorwürfe nie kommentiert. Die Kirchenhistorikerin Jelena Beljakowa spricht von einem Geflecht zwischen Würdenträgern der Orthodoxen Kirche und den Sowjetfunktionären.

"Am Ende der Sowjetunion hatte sich ein Bündnis zwischen den Kirchenhierarchen und den sowjetischen Beamten herausgebildet. Zwar wurden Kirchenaktivisten verfolgt, aber die Hierarchen bekamen Vergünstigungen, so, wie das schon unter Stalin war: Ein Einfamilienhaus, ein Auto, anderweitige Unterstützung."

Mit dem Ende der Sowjetunion verschwand die Bedrohung für die Kirche, aber die Abhängigkeit vom Staat blieb, vor allem finanziell. Er half, als nach dem Ende des Kommunismus Hunderte Gotteshäuser im Land zurückgegeben und renoviert wurden. Die Orthodoxe Kirche erhielt finanzielle Privilegien, zum Beispiel Zollfreiheit beim Handel mit Tabak und Alkohol.

Patriarch Kirill wird eine Vorliebe für irdischen Reichtum nachgesagt. Vor drei Jahren zog er den Spott der Öffentlichkeit auf sich. Es ging um eine teure Armbanduhr des Kirchenoberhauptes. Blogger hatten ein Foto Kirills auf der Website des Patriarchen ausfindig gemacht, das ihn am Schreibtisch mit auffällig langen schwarzen Ärmeln zeigt. Sie waren offensichtlich hineinretuschiert worden. Der Verantwortliche hatte aber ein Detail vergessen: Die Uhr des Patriarchen spiegelte sich in der blank polierten Tischplatte. Jelena Beljakowa macht all das traurig.

"Die Kirche ist mittlerweile ein Raum für Karrieristen und für Leute, die sich bereichern wollen. Dabei sind alle Priester und alle Gläubigen in der Orthodoxie verpflichtet, die Wahrheit zu sagen. Das geht aus den Schriften hervor. Und jede Menge Predigten handeln von der Notwendigkeit, es aufzuzeigen, wenn Machthaber Fehler machen. Sich auf orthodoxe Traditionen zu berufen und damit zu erklären, dass man vor jedem auch noch so unmenschlichen Machthaber liebedienert - das geht nicht, es hat nichts mit orthodoxen Traditionen zu tun."

(picture alliance / dpa)Protestplakat beim Christopher Street Day in Frankfurt: Das Plakat zeigt eine Begrüßungsszene zwischen Präsident Wladimir Putin und dem Oberhaupt der Russisch-Orthodoxen Kirche, Patriarch Kirill. (picture alliance / dpa)

Die Allianz zwischen Kirche und Staat hat auch außenpolitische Konsequenzen. Denn die russische Führung zieht die Religion heran, um damit Russlands Anspruch auf die orthodoxen Nachbarländer Weißrussland und die Ukraine zu erheben. Besonders auf Kiew, wo einst die heilige Rus, das mittelalterliche russische Reich gegründet wurde. Präsident Putin begründet auch den Anspruch auf die im Frühjahr 2014 annektierte Halbinsel Krim unter anderem mit der Orthodoxie. In seiner Rede zur Lage der Nation Ende 2014 sagte er:

"Auf der Krim befindet sich der geistige Quell der russischen Nation und des zentralisierten Russischen Staates. Denn auf der Krim nahm Fürst Wladimir das Christentum an und taufte dann die ganze Rus. Für Russland hat die Krim eine sakrale Bedeutung. So wie der Tempelberg in Jerusalem für Muslime und Juden."

Dass die Orthodoxe Kirche auch Russlands Luftangriffe in Syrien gut heißt, ist da keine Überraschung. Kirchensprecher Tschaplin erklärte die Luftoffensive prompt zum "heiligen Kampf". Sie entspreche der Mentalität des russischen Volkes und der moralischen Rolle, die Russland immer in der Welt gespielt habe.

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