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StartseiteHintergrundOsama Bin Laden, El Kaida und die islamistische Bedrohung05.09.2011

Osama Bin Laden, El Kaida und die islamistische Bedrohung

Sendereihe: Der 11. September - 10 Jahre danach

Nach den Anschlägen auf das World Trade Center vor zehn Jahren war ein vorher weitgehend unbekannter Begriff plötzlich in aller Munde: El Kaida. Dabei herrscht bis heute Uneinigkeit darüber, wer oder was damit eigentlich bezeichnet wird.

Von Albrecht Metzger

Das frühere Gesicht von El Kaida: Osama bin Laden.  (AP)
Das frühere Gesicht von El Kaida: Osama bin Laden. (AP)

Ein Video auf YouTube. Osama bin Laden sitzt im Kreise seiner Vertrauten, Männer mit langen Bärten und Turbanen auf dem Kopf. Sie hocken auf Matratzen, die Wände, an die sie sich anlehnen, sind kahl und weiß. Die Männer reden über die Anschläge vom 11. September. Sie freuen sich, dass die Twin Towers eingestürzt sind und preisen den Anführer des Terrorkommandos, den Ägypter Mohammed Atta, als großen Helden. Das Video stammt vom 9. November 2001, es ist noch heute bei YouTube einsehbar. Es zeigt den Stolz und die Hybris Osama bin Ladens, der mit den Anschlägen vom 11. September die letzte verbliebende Supermacht, die Vereinigten Staaten von Amerika, herausforderte.

New York, kurz nach dem Einsturz des zweiten Towers. Passanten hetzen durch die Straßen, sie sind entsetzt von dem, was sie gerade gesehen haben. Manche weinen. Zehn Jahre ist das jetzt her, es hat den Gang der Weltgeschichte maßgeblich beeinflusst. Die Anschläge führten zu zwei Kriegen, die bis heute nicht beendet sind und die zahllose Terroranschläge mit Tausenden von Toten – hauptsächlich Muslime – nach sich zogen. Die Organisation, die hinter den Anschlägen stand, war damals nur Terrorspezialisten ein Begriff. Bis heute herrscht Unklarheit darüber, wann El Kaida eigentlich entstanden ist. Yassin Musharbash, El Kaida-Fachmann bei "SPIEGEL Online" und Buchautor, erklärt warum:

"Es gibt widersprüchliche Aussagen von Leuten, die sagen, dass sie dabei waren und bei denen das auch glaubwürdig ist, aber diese Frage lässt sich nur beantworten, wenn man sich entscheidet, als was man El Kaida eigentlich versteht. Meint man die Organisation, die sich eine internationalistische terroristische Agenda gegeben hat, dann würde man den Zeitpunkt wesentlich später ansetzen, möglicherweise sogar erst 1998, oder findet man, dass der Anfang von El Kaida in dem halbformellen Zusammenschluss arabischer Afghanistanveteranen um Osama bin Laden herum stattgefunden hat, das wäre dann zehn Jahre früher."

Klar ist allerdings, wer sich El Kaida anschloss und warum:

"Der Ursprung El Kaidas liegt in den Gruppen arabischer Kämpfer, die sich dem Kampf gegen den Sowjets in Afghanistan angeschlossen hatten, und die meisten waren entweder Saudi-Araber und Jemeniten auf der einen und Ägypter auf der anderen Seite, und interessanterweise haben die sich nicht den afghanischen Kontingenten angeschlossen in der Mehrzahl, sondern als eigenständige arabische Verbände gekämpft, das heißt, die waren immer für sich und hatten dann ihre eigenen Ausbildungslager, und damit war schon so eine Struktur vorhanden."

Diese Struktur blieb auch bestehen, nachdem die Sowjetunion den Krieg in Afghanistan verloren hatte:

"Als die Sowjets Afghanistan verlassen hatten, stand die Frage im Raum: Was machen wir jetzt? Die meisten sind zurückgegangen in ihre Heimatländer, einige sind auf den Gedanken gekommen, dass der militante Dschihad noch nicht zu Ende ist und weitergeführt werden muss und dass Afghanistan eigentlich eine gute Basis sein kann. Und aus dieser Gemengelage heraus war der Nukleus einer Organisation vorhanden, das musste nur einer zusammenführen, und da hat Osama bin Laden tatsächlich eine wichtige Rolle gespielt, andere auch, wie al-Zawahiri und Abdallah Azzam, aber um dieses teuflische Dreigestirn herum lässt sich der Kern verorten."

Abdallah Azzam war ein Palästinenser, der in Afghanistan kämpfte und als erster die These vertrat, dass der globale Dschihad wichtiger sei als der Umsturz der Regime in den Heimatländern. Ayman al-Zawahiri, ein Ägypter, gehörte ebenso zu den Vordenkern von El Kaida. Er versuchte zunächst mit Gewalt das Regime von Hosni Mubarak zu stürzen, scheiterte aber und ging nach Afghanistan, um sich El Kaida anzuschließen.

Der eigentliche Spiritus Rector von El Kaida aber war Osama bin Laden. Er wuchs in einem reichen Elternhaus in der saudi-arabischen Hafenstadt Dschidda auf, sein Vater, der aus dem Jemen stammte, machte viel Geld in der Baubranche und hatte zahlreiche Frauen. Osama bin Laden soll schon früh tief gläubig gewesen sein, er war geprägt von dem konservativen Wahhabismus, der in Saudi-Arabien Staatsreligion ist. In den 80er-Jahren ging er nach Afghanistan, um den Mudschahedin dabei zu helfen, die gottlosen Kommunisten zu bekämpfen. Das war für ihn eine religiöse Pflicht. Später wandte er sich gegen das saudische Königshaus.
Auslöser war der zweite Golfkrieg 1991, als die Saudis amerikanische Truppen in ihr Land holten, um von hier aus Saddam Hussein aus Kuwait zu vertreiben. Osama bin Laden sah das als Verrat am Islam an, denn seiner Meinung nach durfte kein nicht-muslimischer Soldat den heiligen Boden der Arabischen Halbinsel betreten. Das Bestreben, die USA aus Saudi-Arabien und dem Rest der islamischen Welt zu vertreiben, ließ ihn schließlich zum Terroristen werden.

Die Art und Weise, wie sich Osama bin Laden inszenierte, hatte etwas besonderes, so der Islamismus-Forscher Stephan Rosiny vom Institut für Nahost-Studien in Hamburg:

"Osama bin Laden versucht in seinem Leben das Leben Mohammeds nachzuspielen, das heißt, er sieht sich auch als Vertriebener, er zog nach Afghanistan um dort neue Gefährten zu sammeln und wollte eines Tages Mekka wieder befreien. Im Grunde genommen ist er eine Verbindung aus Islamist und Nationalist. Viele seiner Verlautbarungen haben sehr nationalistische Töne, es ging ihm im wesentlichen um eine Befreiung Saudi-Arabiens von den amerikanischen Truppen."

Die Ideologie von El Kaida fußt auf zwei Maximen: Zum einen geht es darum, die islamische Welt wieder zu altem Ruhm zu erwecken. Der Islam soll über die Welt herrschen. Der erste Schritt dahin besteht darin, die Amerikaner aus der islamischen Welt zu vertreiben. Zum zweiten, so die Überzeugung der Dschihadisten, kann das nur mit Gewalt passieren, eben durch den kämpferischen Dschihad.

Der Islam, den El Kaida verwirklichen will, geht auf das siebte Jahrhundert zurück, in die Zeit des Propheten Mohammed. Das war ihrer Meinung nach das goldene islamische Zeitalter der Umma, der Gemeinschaft, die nun wiederholt werden soll. Dieser Rückgriff auf die frühislamische Geschichte, als die Muslime siegreich ihre Kriege beendeten, übte eine große Wirkung auf die Anhänger Osama bin Ladens aus. Zum ersten Mal trat El Kaida am 7. August 1998 auf der Bühne des Terrorismus auf. In einem Doppelanschlag auf die US-Botschaften in Nairobi und Dar-es-Salam töteten sie fast 300 Menschen, die meisten von ihnen Einheimische. Zwölf Amerikaner starben:

"Der Doppelanschlag von Tansania und Kenia war für El Kaida selbst ganz wichtig. Denn das war der erste Anschlag, der mehrere Muster in sich vereint hat, die wir später immer wieder gesehen haben, nämlich das Angreifen von westlichen Zielen auf nichtwestlichem Boden, und parallele Angriffe. Der 11. September unterscheidet sich natürlich insofern, als er auf amerikanischem Boden stattfand, aber das hat den Triumph nur verstärkt, aber diese Taktik, Amerikaner auch außerhalb der USA zu treffen, ist ja bis heute bei El Kaida extrem weit verbreitet, das ist ja ein ganz wichtiges Anschlagziel immer gewesen, die Amerikaner da zu treffen, wo sie sind, und so hat das El Kaida in ihrer Kriegserklärung, diesem berühmten Dokument 1998, wo El Kaida erklärt hat, es sei die Pflicht eines jeden Muslims, Amerikaner und ihre Verbündeten an jedem Ort der Welt zu treffen, und die erste große Manifestation davon waren die Doppelanschläge von Nairobi und Dar-es-Salam. Als Gründungsanschlag dieser internationalistischen terroristischen Organisation kommt dem eine wichtige Rolle zu."

Richtig ins Rampenlicht rückte El Kaida also erst mit den Anschlägen vom 11. September, bei denen fast 3.000 Menschen starben. Seitdem gilt El Kaida als die gefährlichste Terrororganisation der Welt.

George W. Bush in seiner ersten Rede nach dem 11. September. Er verspricht den Amerikanern, man werde diejenigen bestrafen, die dieses Verbrechen verübt hätten. Man werde keinen Unterschied machen zwischen ihnen und denjenigen, die ihnen Unterschlupf gewährt hätten. Damit waren die Taliban in Afghanistan gemeint, die El Kaida auf ihrem Territorium als Gäste beherbergten. Im Oktober 2001 marschierten amerikanische Truppen in Afghanistan ein, um die physische Basis von El Kaida zu zerstören.

Seitdem ist El Kaida nicht mehr die hierarchische Organisation, die sie vorher war. Die Führung um Osama bin Laden zog sich nach Pakistan zurück und lenkte von hier aus mehr schlecht als recht den weiteren Kampf gegen die USA und ihre Verbündeten. Viele der unteren Kader kehrten in ihre Heimatländer zurück und gründeten dort neue El Kaida-Ableger. Viele Aktivitäten von El Kaida, vor allen Dingen die Terror-Ausbildung, verlagerten sich nach dem Verlust der physischen Basis ins Internet. Auch als Propagandainstrument gewann das Internet immer mehr an Bedeutung. Die Bilder westlicher Soldaten, die gegen Muslime in Afghanistan kämpften, radikalisierten auch viele Muslime in der europäischen Diaspora. Noch wichtiger in dieser Hinsicht war jedoch der Irak-Krieg. Er war wie ein Geschenk für El Kaida, eine Schlacht, um neue Rekruten zu gewinnen.

Ein Mörserangriff auf amerikanische Truppen im Irak, gefilmt von der US-Army. Panische Stimmen der Soldaten sind zu hören, sie blasen zum Rückzug. Im März 2003 hatten amerikanische Truppen den irakischen Diktator Saddam Hussein gestürzt, mit der Begründung, er verstecke Massenvernichtungswaffen und sei damit eine Gefahr für die amerikanische Sicherheit. Zunächst schien alles nach Plan zu laufen, eine pro-amerikanische Übergangsregierung wurde eingesetzt. Doch dann entdeckte El Kaida den Irak für sich. Die Dschihadisten sahen die Chance gekommen, den USA die gleiche Lehre zu erteilen, die sie den Sowjets in Afghanistan erteilt hatten, so der Leiter des Instituts für Nahost-Studien in Hamburg und Irak-Spezialist, Henner Fürtig:

"Fakt ist, dass von ihrer ganzen Programmatik her das Ziel darin bestand, Afghanistan im Irak zu wiederholen. Es gibt ja auch aus Pamphleten, aus Dokumenten, aus Interviews, aus Internetauftritten unmittelbar nach dem Einmarsch der amerikanischen Truppen Hinweise darauf, dass die El Kaida-Führung tatsächlich den Plan hatte, aus der so von ihr interpretierten Niederlage der Sowjetunion in Afghanistan eine geschichtliche Lehre zu ziehen, die etwa daraus hinauslief zu sagen, wir haben den Kommunismus an einem geografischen Ort geschlagen, nämlich Afghanistan, wir müssen Irak zum Schlachtfeld machen, der Entscheidungsschlacht mit dem Westen, wir werden aus diesen Erfahrungen lehrend den amerikanischen Truppen und ihren Verbündeten die entscheidende Niederlage in Irak bereiten, das war so 2003, 2004, 2005 von den Webseiten der El Kaida abzulesen."

In dieser Zeit vermochte El Kaida auch, den Irak-Krieg propagandistisch auszuschlachten und neue Rekruten zu gewinnen. Viele Dschihadisten aus den arabischen Nachbarländern kamen in den Irak, um dort gegen die Amerikaner zu kämpfen. Eine Zeitlang schien es tatsächlich so, dass El Kaida die Oberhand behalten könnte. Sie fand viele Sympathien bei der sunnitischen Mehrheitsbevölkerung, die sich als Verlierer in dem neuen Irak empfand. Doch dann zerbrach diese Koalition:

"Es gibt eine Vielzahl von Gründen, der hauptsächliche Grund ist, dass sie es nicht verstanden haben, tatsächlich genügend Verbündete in der irakischen Bevölkerung selbst zu finden."

Das Scheitern im Irak versetzte El Kaida einen schweren Schlag. Wieder verlor die Organisation ein Territorium, auf dem sie sich frei bewegen konnte. Aber auch die anderen Anti-Terrormaßnahmen der westlichen Verbündeten bereiteten El Kaida große Probleme. Viele ihrer Führungskader wurden durch amerikanische Drohnen in Pakistan getötet, die noch lebenden sind auf der Flucht. Doch auch ideologisch ist El Kaida in Bedrängnis geraten. Wiederum spielte der Irak-Krieg hier eine entscheidende Rolle.

"Das Hauptproblem: El Kaida tötet viel zu viele Zivilisten, vor allem auch muslimische Zivilisten, als dass man damit einen größeren Teil der Muslime auf der Welt für sich gewinnen könnte. Es gibt eine solide gemachte Auswertung vom CTC in den USA, ein wichtiger Think Tank, der sich mit diesen Dingen beschäftigt, und auch wenn er regierungsnah ist, ist es eine solide Auswertung, derzufolge hat El Kaida im untersuchten Zeitraum achteinhalb mal mehr Muslime getötet als Nicht-Muslime. Und das ist eine gigantische Zahl, für uns im Westen ist das überraschend, aber wenn Sie Iraker sind, wo alle drei Tage eine schiitische Moschee in die Luft geht, dann ist das wesentlich näher, wesentlich intuitiver zu verstehen, dass das einfach Terroristen sind, die wahllos Menschen töten. Oder sagen wir, die Schiiten töten, aber welcher Feld-Wald-Wiesen-Muslim irgendwo auf der Welt findet das akzeptabel, nur weil er Sunnit ist, Schiiten in die Luft zu sprengen. Das ist nicht vermittelbar."

Trotzdem ist El Kaida noch nicht am Ende. Auch im Irak ist die Organisation weiter aktiv, wenn auch in verminderter Form. Wichtiger als der Irak, ja sogar wichtiger als Afghanistan oder Pakistan ist jedoch der Jemen für El Kaida geworden. Hier hat sich ein Ableger gebildet, der äußerst gefährlich ist. Yassin Musharbash von "SPIEGEL Online" erklärt warum:

"Meine Einschätzung ist, das die El Kaida-Filiale im Jemen wirklich schlagkräftig ist, die haben das mehrfach unter Beweis gestellt, dass sie über mindestens einen sehr guten, sehr gefährlichen, sehr innovativen Bombenbauer verfügen und das erklärte Ziel haben, einen großen Anschlag gegen westliche Ziele durchzuführen. Die werden weiter versuchen, davon bin ich überzeugt, außerdem hat El Kaida heute mehr Bewegungsspielraum als noch vor einem Jahr wegen der chaotischen Verhältnisse. Im Moment würde ich vermuten, wenn wir einen Anschlag gegen ein prestigeträchtiges Ziel sehen in den kommenden ein oder zwei Jahren, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass er aus dem Jemen gesteuert wird, meiner Ansicht nach höher, als dass er von der El Kaida-Zentrale in Afghanistan oder Pakistan gesteuert sein würde."

Am 1. Mai tötete ein Sonderkommando der Navy Seals den Führer und Spiritus Rector von El Kaida, Osama bin Laden. Wie sieht die Zukunft der Organisation jetzt aus? Sein Nachfolger ist der Ägypter Ayman al-Zawahiri. Er ist Arzt und saß viele Jahren in ägyptischen Gefängnissen, ihm wurde vorgeworfen, er habe 1981 bei der Ermordung des damaligen Präsidenten Anwar al-Sadat eine Rolle gespielt. Al-Zawahiri wurde nach eigenen Angaben im Gefängnis gefoltert, was seinen Hass auf das Regime noch verstärkte. Bis in die 90er-Jahre versuchte seine Organisation, der Islamische Dschihad, vergeblich, Hosni Mubarak mit Waffengewalt zu stürzen. Dann ging er nach Afghanistan und schloss sich Osama bin Laden an. Ob er es jetzt schaffen wird, die Organisation zusammenzuhalten, ist noch unklar. Unklar ist auch, ob El Kaida über den Jemen hinaus weitere Standorte finden wird, die es der Organisation ermöglichen werden, Anschläge zu planen und auszuführen. Auch der Arabische Frühling bringe die Dschihadisten in Schwierigkeiten, so Yassin Musharbash:

"Die arabischen Revolutionen und Aufstände, die wir seit einem halben Jahr sehen, sind für El Kaida ein Riesenproblem. Weil El Kaida immer gesagt hat, wir sind diejenigen, die Aufstände anzetteln werden, aber sie haben es nicht geschafft. Diejenigen, die es geschafft haben, sind Leute ohne eine religiöse Agenda und die mit El Kaida nichts zu schaffen haben und auch nichts zu schaffen haben wollen. Und das muss El Kaida erstmal wegerklären, dieses Problem. Und das können sie nicht. Und die Antworten sind nicht schlüssig, und das wird dafür sorgen, dass ihnen noch mehr Rekruten wegbleiben, weil die Antwort, die sie anbieten, einfach nicht mehr so attraktiv ist."

Allerdings könnte El Kaida von den bürgerkriegsähnlichen Situationen in einigen arabischen Ländern profitieren. Stephan Rosiny vom Institut für Nahost-Studien:

"In einer zweiten Welle kann ich mir durchaus vorstellen, dass sie noch mal mehr zu sagen haben werden oder auch wieder Anhänger finden werden, nämlich vor allem in den Ländern, in denen diese Umstürze nicht vonstatten gingen oder durch Repression ins Stocken gerieten, das heißt Jemen, Syrien, in Libyen gibt es Anzeichen, dass einzelne Dschihadisten zurückkamen und sich an den Umstürzen beteiligten. Also, das heißt, je gewaltsamer diese Umstürze werden, desto größer ist auch die Gefahr, dass diese Dschihadisten wieder eine Rolle spielen, vor allen Dingen wenn es wieder in den ethnisch fragmentierten Gesellschaften wie Syrien, Jemen, möglicherweise auch Libyen, zu bürgerkriegsähnlichen Situationen zwischen den Ethnien und den verschiedenen Konfessionen kommt."

El Kaida hat sich Ende des vergangenen Jahrhunderts das Ziel gesetzt, die USA aus der islamischen Welt zu vertreiben. Der Anschlag vom 11. September 2001 sollte hierfür der erste Schritt sein. Doch das Gegenteil ist eingetreten. Amerikanische Truppen stehen in Afghanistan und im Irak, und El Kaida ist schwächer denn je.

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