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StartseiteKultur heuteEndlose Show mit erwarteten Siegern03.03.2014

OscarsEndlose Show mit erwarteten Siegern

Die Schere zwischen Hollywoods Blockbustern und den Gewinnern der Awards geht immer weiter auseinander. Die Oscars spiegeln also eigentlich nur noch die Selbstfeier einer unsicheren Branche wieder, beschreibt Josef Schnelle die Oscar-Feierlichkeiten in Los Angeles.

Von Josef Schnelle

Eine Oscar-Statue steht vor dem Kodak Theatre in Hollywood. (dpa / picture alliance / Paul Buck)
Eine Oscar-Statue steht vor dem Kodak Theatre in Hollywood. (dpa / picture alliance / Paul Buck)
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Steve McQueen widmete seinen Film den Opfern der Sklaverei und ist im Übrigen der erste schwarze Filmregisseur, der einen Academy-Award gewinnen konnte. Mit einem Luftsprung feierte der britische Regisseur seinen Oscar für den besten Film "12 Years a Slave". Unter den vier Koproduzenten, die ihn auf die Bühne begleiteten, befand sich ein sichtlich vergnügter Brad Pitt, der offenbar ebenso seinen Triumph genoss.

Der mehr als vierstündige Abend hatte so seinen versöhnlichen Abschluss mit dem Preis für den absoluten Favoriten und den dezidiert politischsten Film. Der behandelt das Thema Sklaverei anhand der wahren Geschichte eines Mannes, der noch 1841 aus der Freiheit in New York in die Unfreiheit einer Baumwollplantage verschleppt wird.

Wenn man es nicht besser wüsste, nämlich, dass die Oscars nach einem wasserdichten Wahlverfahren von der Schwarmintelligenz der Akademiemitglieder ausgewählt werden, könnte man denken, hier sei eine pfiffige Jury am Werke, die ihre Entscheidungen fein austariert. Der stärkste Mitbewerber, das Weltraumdrama "Gravity" von Alfonso Cuarón, wurde nämlich getröstet durch den Oscar für die beste Regie und sechs weiteren Preisen in den technischen Kategorien, was den Film numerisch zum großen Sieger des Abends machte. Aber kann das sein, dass der beste Regisseur nicht auch den besten Film gemacht hat?

Cate Blanchett setzte mit ihrer Rolle in Woody Allans "Blue Jasmine" ihren Triumphzug durch die Preisverleihungen des Jahres fort, ebenso wie Regisseur Paolo Sorrentino mit seiner Fellini-Hommage "La Grande Bellezza", der zum besten nicht-englischsprachigen Film gekürt wurde. Allein Matthew McConaugheys Oscar als bester Darsteller in "Dallas Buyers Club" von Jean-Marc Vallée, in der Geschichte eines Machos, der sich zum AIDS-Aktivisten wandelt, war eine Überraschung.

Weil die gigantischen Einschaltquoten der Oscar-Show weltweit zuletzt etwas rückläufig waren, hatte man die Komödiantin Ellen DeGeneres engagiert, um etwas frischen Wind in die Veranstaltung zu bringen, die eher eine weltweit konsumierbare Fernsehshow, als eine echte Bestandsaufnahme der Zustände in der Filmmetropole Hollywood ist. Mit müden Witzchen und einer Pizzalieferung in die Oscar-Gala hatte sie viele Lacher im Saal, konnte die endlose Show aber auch nur in Grenzen aufpeppen.

Die beste Idee, die Ellen DeGeneres hatte, war es, mit ihrem Handy ein Gruppenfoto zu machen und es in die Welt zu tweeten. Oder war es eine Werbeeinblendung für Samsung? Jedenfalls gab es millionenfache Reaktionen auf diese Aktion, die man sich auch gut auf der Wetten-Dass-Couch vorstellen könnte.

Hollywoods Probleme, mit seinen Fortsetzungsfilmen und Franchiseprodukten noch zuverlässig ein Weltpublikum zu erreichen, blieben jedenfalls selbst im Scherz unerwähnt. Tatsache ist, dass die Schere zwischen den geistlosen Blockbustern und den Filmen der Award Season gegen Ende des Jahres mit ernsthaften Themen, die aber nur wenig Publikum generieren, immer weiter auseinandergeht.

Einzig "Gravity" kann man unter den Oscarfilmen als Kassenknüller bezeichnen. Aber auch der wurde von einem Independent-Regisseur gedreht. Die Oscars spiegeln also eigentlich nur noch die Selbstfeier einer unsicheren Branche wieder, was man auch daran erkennt, dass sich unter den Präsentatoren der einzelnen Kategorien nur dann und wann mal ein echter Star befand.

Mehr Sterne als am Himmelszelt - so lautete der klassische Werbespruch von Warner Brothers - hat Hollywood offenbar längst nicht mehr zu bieten. Sie lassen sich - wie gesehen - leicht auf ein Handyfoto zusammenpferchen.

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