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StartseiteUmwelt und VerbraucherWie deutsche Supermarkt-Ketten in Südamerika die Preise drücken24.09.2014

Oxfam-StudieWie deutsche Supermarkt-Ketten in Südamerika die Preise drücken

Mit Edeka, Rewe, Aldi, Lidl und Metro teilen sich in Deutschland nur fünf große Supermarkt-Ketten 90 Prozent des Lebensmittelabsatzes. Diese Marktmacht nutzen die Konzerne aus - zum Beispiel bei Preisverhandlungen mit Bananenbauern. Welche Folgen das für deren Leben hat, zeigt eine neue Studie.

Von Dieter Nürnberger

Reifemeister Wilfried Heinatschel holt mit dem Gabelstapler eine Palette Kartons mit Costa Rica-Bananen aus der Reifekammer der Atlanta-Gruppe in Bremen (Foto vom 18.01.2006) (dpa / picture alliance / Ingo Wagner)
(dpa / picture alliance / Ingo Wagner)
Weiterführende Information

Von kleinen Bauern und großen Händlern
(Deutschlandfunk, Hintergrund, 13.03.2012)

Tendenziell sind die Preise, die in Deutschland für Bananen gezahlt werden, schon eindeutig nach unten gegangen in den vergangenen Jahren. Derzeit findet man beispielsweise in vielen Discountern einen Kilopreis, der knapp unter einem Euro liegt. Zum Vergleich: 2002 lagen die durchschnittlichen Kilopreise noch bei 1,50 Euro. Und genau um diese Preis- und auch Einkaufspolitik ging es Oxfam heute Vormittag hier in einer Pressekonferenz in Berlin. Wobei in Deutschland inzwischen auch im europäischen Vergleich mit die niedrigsten Preise für Bananen gezahlt werden. Franziska Humbert ist Wirtschaftsreferentin bei Oxfam:

"Diese Niedrigpreispolitik ist kennzeichnend für den deutschen Markt. Hier sind die Preise im Durchschnitt um 30 Prozent billiger als in Frankreich oder Italien. Das liegt auch an der Niedrigpreisstrategie der Discounter. Diese haben in Deutschland einen Marktanteil von 34 Prozent. Im europäischen Durchschnitt liegt der Anteil bei lediglich sieben Prozent. Und die Bananenpreise sind bei den Discountern im Schnitt auch 15 Prozent billiger als in anderen Supermärkten."

Was Kunden, die zuallererst nur auf den Preis schauen, sicherlich freuen dürfte - doch erhebt die Entwicklungsorganisation nun auch schwere Vorwürfe. Man hat nämlich anhand der Auswertung offizieller Handelsstatistiken und auch anhand eigener Recherchen vor Ort - beispielsweise in Ecuador und Kolumbien - die Auswirkungen dieses Preisverfalls auf die Produzenten vor Ort analysiert. Und natürlich sei Deutschland mit rund 80 Millionen Einwohnern oder Konsumenten ein Schwergewicht auf dem Markt, zumindest in Europa, und die hiesige Preispolitik habe Auswirkungen, so Franziska Humbert:

"Man muss wissen, dass sich in Deutschland nur fünf große Supermarktketten - das sind Edeka, Rewe, Aldi, Lidl und Metro - 90 Prozent des Lebensmittelabsatzes teilen. Und mit dieser enormen Marktmacht können sie ihren Lieferanten Preise und Bedingungen in die Verträge diktieren."

Oxfam: Deutsches Preisdumping mitverantworlich für schlechtere Sozial- und Arbeitsstandards

Dieses deutsche Preisdumping, so der Vorwurf von Oxfam, sei mitverantwortlich dafür, dass es zu Verschlechterung bei sozialen und arbeitsrechtlichen Standards beispielsweise in Kolumbien gekommen ist. Und ganz besonders heikel sei inzwischen die Situation in Ecuador. Hier hängt die Existenz von über 200.000 Familien von der Bananenproduktion ab. Denn mehr als die Hälfte der Produzenten sei in Ecuador noch Kleinbetriebe. Der Preisdruck aus Deutschland, so Oxfam, habe inzwischen sogar dafür gesorgt, dass der dortige gesetzliche Mindestpreis für Bananen unterlaufen werde. Frank Braßel von Oxfam war im Sommer vor Ort in Ecuador. Er wollte wissen, wie das genau ablaufe:

"Wenn man Bananen aus Ecuador exportieren will, muss man per Bankbeleg nachweisen, dass man 6,22 Dollar für eine Kiste bezahlt hat. Das haben vor Ort alle bestätigt. Sie bekommen auch die 6,22 Dollar bezahlt, aber erst, wenn sie einen Scheck über den Differenzbetrag zum illegalen Markt ausgestellt haben. Somit muss man pro Kiste Bananen einen entsprechenden Scheck an den Aufkäufer geben.

Hier werde also auch mit gesetzeswidrigen Methoden gearbeitet, um möglichst billig Bananen nach Deutschland exportieren zu können.

Christoph Alliot von französischem Forschungsinstitut "Basic" untermauert, dass deutsche Großhändler inzwischen eine unrühmliche Rolle spielen. Selbst US-amerikanische Handelsketten, die in Mittel- und Südamerika seit Jahrzehnten nicht den besten Ruf hätten, würden inzwischen gegensteuern. So sei inzwischen auch der Branchenriese "Walmart" bereit, wieder mehr für Bananen zu bezahlen.

Oxfam hofft nun, dass politischer Druck auch für Bewegung bei den Preisen sorgt. Und natürlich hätten auch Verbraucher Einflussmöglichkeiten - beispielsweise durch den bewussten Kauf von fair gehandelten Bananen. Die sind zwar etwas teurer, garantieren aber den Bauern vor Ort höhere Preise.

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