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StartseiteCampus & Karriere"Den Frauenanteil erhöhen"28.04.2015

Pakt für Frauen in MINT-Berufen"Den Frauenanteil erhöhen"

Der Zentralverband des Deutschen Handwerks wirbt verstärkt um Bewerberinnen und ist nun Mitglied im Pakt Frauen in MINT-Berufen. 2014 seien 20.000 Ausbildungsplätze nicht besetzt worden, sagte der Verbandspräsident Hanspeter Wollseifer. Es solle den jungen Frauen "die tollen Karrieremöglichkeiten" der MINT-Berufe gezeigt werden.

Hanspeter Wollseifer im Gespräch mit Jörg Biesler

Angestellte in den ThyssenKrupp Aufzugswerken: Frauen sind in der metallverarbeitenden Industrie immer noch selten.
Angestellte in den ThyssenKrupp Aufzugswerken: Frauen sind in der metallverarbeitenden Industrie immer noch selten.

Jörg Biesler: Wer nicht studiert, der macht eine Ausbildung und die ist in den letzten Jahren immer unbeliebter geworden. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks wirbt daher jetzt verstärkt um Bewerberinnen, und wird heute Mitglied im Pakt Frauen in MINT-Berufen. Ich habe Hanspeter Wollseifer, den Präsidenten des Verbandes, kurz vor der Sendung gefragt, was er sich davon erhofft.

Peter Wollseifer: "Komm, mach MINT" ist eigentlich die einzige bundesweite Netzwerkinitiative, die Mädchen und Frauen für MINT-Berufe und auch für die Studiengänge begeistern will, ja, sie vernetzt Partner aus Politik, aus der Wirtschaft, aus der Wissenschaft, aus Medien, und fördert natürlich somit auch den Dialog zum Thema Frauen und MINT. Das ist unser Ansatz, und da möchten wir auch gerne dabei sein als deutsches Handwerk.

Biesler: Wie ist denn bei Ihnen die Lage? Eine Menge Ausbildungsplätze können regelmäßig nicht besetzt werden im Augenblick. Betrifft das auch die technischen und naturwissenschaftlichen Ausbildungsberufe?

Wollseifer: Natürlich ist es so, dass das also alle Berufe betrifft. Wir haben im letzten Jahr 20.000 Ausbildungsplätze nicht besetzen können. Da hätten wir in jeder Branche unserer 130 Berufe noch Nachwuchsbedarf gehabt. Und wir wissen, dass das ein breites Aufgabenfeld ist, es ist eines unserer Schlüsselthemen, die Fachkräftesicherung. Und da wollen wir auch den Ansatz wagen, dass wir also auch jungen Damen jetzt natürlich die tollen Karrieremöglichkeiten eröffnen wollen und zeigen wollen, die es in den MINT-Berufen bei uns gibt.

"MINT-Berufe beziehen sich über eine breite Palette der Berufe"

Biesler: Heute in Berlin bei der Pressekonferenz ist eine Kfz-Meisterin dabei. Das ist noch eine eher seltene Spezies, oder?

Wollseifer: Ja, gut, die MINT-Berufe beziehen sich ja über eine breite Palette der Berufe, da ist natürlich Kfz dabei, da ist Anlagentechnik dabei, SHK, Klimatechnik dabei, Elektronik dabei. Das ist ein breites Spektrum im Handwerk, und da wollen wir ansetzen und wollen den Frauenanteil erhöhen. Der Frauenanteil, der Damenanteil in diesen Berufen liegt bei uns in der Ausbildung bei 8,5 Prozent, hingegen ist der Gesamtfrauenanteil in der Ausbildung im Handwerk bei 22 Prozent zu sehen, und da wollen wir natürlich den jungen Damen wirklich die Möglichkeiten, die Vielfalt auch der Berufe erklären und aufzeigen.

Biesler: Mehr Auszubildende insgesamt wird es ja nicht geben, also jedenfalls nicht mehr Bewerber und Bewerberinnen, denn da ist die Zahl natürlich begrenzt, da sind einfach die da, die da sind und die bewerben sich dann oder entscheiden sich eben für ein Studium. Ist die mangelnde Attraktivität des Ausbildungsberufs so insgesamt da vielleicht auch ein Grund, dass es schwierig wird? Immerhin ist ja in den letzten, ja, man kann fast sagen, 15, 20 Jahren allen immer erzählt worden: Ihr müsst eigentlich studieren, um es im Leben zu was zu bringen.

Wollseifer: Ja. Schauen Sie, im vergangenen Jahr wurden 522.000 Ausbildungsplätze insgesamt in der Wirtschaft neu abgeschlossen. Das war ein neuer Tiefstand. Da gibt es natürlich Gründe für, und der eine Grund ist der demografische Wandel. Wir haben wesentlich weniger Schulabgänger. Der andere Grund ist natürlich die veränderte Präferenz im Schul- und Berufswahlverhalten, der Drang nach immer höheren Bildungsabschlüssen. Das hinterlässt natürlich Spuren in der Wirtschaft, und uns fehlen die Auszubildenden.

"Wir haben vielfältige Weiterbildungsmöglichkeiten"

Biesler: Man könnte ja die handwerklichen Berufe etwas attraktiver machen, wenn man jetzt mal wirklich durchsetzen würde, dass die Meister auch auf breiter Front studieren können an den Hochschulen. Das ist immer noch eher die Ausnahme, dass da mal jemand mit dem Meisterbrief an der Hochschule landet. Wie sehen Sie denn da die Chancen?

Wollseifer: Ach, wir haben vielfältige Weiterbildungsmöglichkeiten. Wir haben gute, sehr gute Angebote für Hochqualifizierte. Schauen Sie, wir haben circa 120 duale Studiengänge im Handwerk, und die Möglichkeiten sind vielfältig. Wir müssen sie vielleicht noch ein wenig besser kommunizieren.

Biesler: Nur die Kommunikation, nur die Werbung dafür, die wird es wahrscheinlich nicht richten. Da muss es im Grunde doch einen Kurswechsel geben, dass der handwerkliche Beruf noch mal eine große Aufwertung erfährt. Das kann man ja nicht allein mit Werbung erreichen, da muss doch ein Umdenken stattfinden.

Wollseifer: Genau, da denke ich genauso wie Sie, da muss ein Umdenken stattfinden, da muss auch eine höhere Wertschätzung stattfinden. Wir sprechen von der Gleichwertigkeit - wir müssen sie natürlich auch jetzt in die Köpfe der Schüler, der Lehrer, der Eltern reinbekommen. Wir brauchen gute Akademiker, wir brauchen aber auch gute Fachkräfte in unserem Land, und das in der Zukunft umso mehr, wo wir weniger Schüler haben, die also von den Schulen abgehen.

Biesler: Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, und von heute an Mitglied des Pakts für Frauen in MINT-Berufen. Danke schön!

Wollseifer: Vielen Dank!

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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