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StartseiteTag für Tag"Ein vormodernes Weltbild"16.05.2018

Papst-Film von Wim Wenders"Ein vormodernes Weltbild"

Der Auftrag kam aus dem Vatikan: Wim Wenders neuer Dokumentarfilm über Papst Franziskus wirkt wie ein professionell produzierter Werbespot. Der Papst vertrete im Film aber ein vormodernes Weltbild, sagte die Filmkritikerin und Theologin Kirsten Dietrich im Dlf.

Kirsten Dietrich im Gespräch mit Benedikt Schulz

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Papst Franziskus fährt während einer Generalaudienz durch die Menschenmenge. (picture-alliance / dpa / Isabella Bonotto)
Wim Wenders neuer Papst-Film: Franziskus als Prophet (picture-alliance / dpa / Isabella Bonotto)
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Der Regisseur habe diesen Film als Verehrer von Papst Franziskus gedreht, meint die Filmkritikerin und Theologin Kirsten Dietrich. "Wim Wenders steht voll und ganz hinter diesem Papst und ist der Meinung, dieser Mann verändert die Welt."

Neben den vom Regisseur geführten Interviews mit Franziskus besteht der Film zu weiten Teilen aus Bildmaterial, das der Vatikan bereitgestellt hat. Auch deswegen enthalte das Werk wenig Kritisches, meint Dietrich.

May 13, 2018 - Cannes, France - CANNES, FRANCE - MAY 13: Director Wim Wenders attends the photocall for Pope Francis - A Man Of His Word during the 71st annual Cannes Film Festival at Palais des Festivals on May 13, 2018 in Cannes, France. Cannes France PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY - ZUMAi09_ 20180513_zaf_i09_013 Copyright: xFrederickxInjimbertx (imago / ZUMA Press)Wim Wenders in Cannes bei der Vorstellung seines Dokumentarfilms über Papst Franziskus (imago / ZUMA Press)

Der Film zeichne das Bild eines Mannes, der die Menschen bedingungslos liebe, eines Propheten. Was man jedoch nicht sehe, ist das Oberhaupt einer weltweiten Kirche. Die Institution komme praktisch nicht vor.

"Christus spielt keine Rolle"

Der Film richte sich an spirituell Suchende. "Christus spielt überhaupt keine Rolle", meint die Theologin. Deshalb sei der Film offen für alle Sinnsucher, egal welcher Religion. Dabei vertrete der Papst aber ein vormodernes Weltbild. "Da hat jeder seinen festen Platz, der Arbeiter arbeitet weiter körperlich mit der Hand, der Mensch lebt weiter glücklich in der heterosexuellen Kleinfamilie. Und da fragt man sich dann schon, inwieweit dieses Bild zu den Herausforderungen der Moderne passt – obwohl es als Lösung all dieser Probleme der Moderne präsentiert wird."

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