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StartseiteKommentare und Themen der WocheSein Publikum war nicht die Welt29.11.2017

Papst Franziskus in Myanmar Sein Publikum war nicht die Welt

Dass Papst Franziskus während seiner Myanmar-Reise nicht auf das Schicksal der Rohingya hingewiesen habe, könne man für eine vertane Chance halten, kommentiert ARD-Korrespondent Tassilo Forchheimer. Statt auf Rache, habe Franziskus auf Vergebung gesetzt und dabei alle Menschen angesprochen.

Von Tassilo Forchheimer

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Papst Franziskus winkt aus einem Auto heraus Menschen in der myanmarischen Metropole Rangun zu.  (YE AUNG THU / AFP)
Papst Franziskus in Rangun auf dem Weg zu dem Ort, an dem er eine Messe unter freiem Himmel zelebrierte (YE AUNG THU / AFP)
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Nur 1,27 Prozent der burmesischen Bevölkerung sind Katholiken. Aus der Perspektive der Menschen in Myanmar vertritt der Papst also nur eine kleine Religionsgemeinschaft. Auf dem Besuch lasteten dennoch große Erwartungen: Die Katholiken im Land erhoffen sich eine Stärkung ihrer Position. Das Land will sich positiv darstellen. Und die Minderheiten ­– allen voran die verfolgten Rohingya – wollen in Frieden leben.

All das in einem Land, das gerade erst aus einem langen Albtraum erwacht ist. Myanmar litt bis 2010 unter einer schlimmen Militärdiktatur. Und bis heute gibt es hier nur wenige Gewissheiten: Die Demokratie hat noch lange nicht gesiegt. Dafür ist das Militär zu stark.

In einer solchen Situation ist es wichtig, den Menschen deutlich zu machen, dass die Probleme des Landes nicht mit Gewalt zu lösen sind. Das hat Franziskus getan. Allerdings nicht so, wie sich das manche Menschenrechtsaktivisten erwartet hatten. Er solle ausdrücklich auf das Schicksal der Rohingya hinweisen, so die Forderung. Das hat Franziskus nicht getan. Man kann das für eine vertane Chance halten, man kann sich aber auch überlegen, zu wem der Papst hier eigentlich gesprochen hat.

Menschenrechte achten ohne Volksgruppen auszuschließen

Sein Publikum war nicht die Welt, sondern die Menschen in Myanmar. Denen hat er in den vergangenen Tagen erklärt, dass es nicht darum geht, einzelne Volksgruppen zu unterstützen, sondern dass dieses schwer geschundene Land nur zu einem dauerhaften Frieden finden kann, wenn es in jedem Fall die Menschenrechte achtet und dabei keine Volksgruppe ausschließt. Diese politische Forderung hat der Papst schließlich auch noch religiös untermauert. Zuerst durch die christliche Botschaft, die nicht auf Rache, sondern auf Vergebung setzt. Und dann sogar noch mit buddhistischen Weisheiten, die in eine ähnliche Richtung gehen und von der mehrheitlich buddhistischen Bevölkerung hierzulande ganz sicher besser verstanden wurden als ein erhobener Zeigefinger.

Das ist wichtig, denn wenn die burmesische Armee in ihrer Brutalität gestoppt werden soll, ist es unverzichtbar, dass das burmesische Volk begreift, dass auch die muslimische Minderheit Schutz verdient. Das ist hier leider noch nicht selbstverständlich. Nicht zuletzt deshalb kann die Armee ungestraft Böses tun und damit zugleich Außenministerin Aung San Suu Kyi als moralische Instanz beschädigen.  Das Beste, was dem Militär passieren kann, ist öffentliche Kritik an der – zugegeben – schwachen Rolle der burmesischen Friedensnobelpreisträgerin. Diesen Gefallen hat der Papst den Generälen nicht getan.

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