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Seit 18:40 Uhr Hintergrund
StartseiteDossierHaiti, die Blauhelme und die Cholera16.09.2016

Paradis, paradisHaiti, die Blauhelme und die Cholera

Haiti, Oktober 2010. Ein halbes Jahr nach dem verheerenden Erdbeben treten in der kleinen Stadt Mirebalais die ersten Cholerafälle auf. Die Krankheit verbreitet sich innerhalb kurzer Zeit im ganzen Land. Mehrere unabhängige Forscherteams suchen den Ursprung der Epidemie. Sie kommen zu einem übereinstimmenden Ergebnis.

Von Jenny Marrenbach

(David Weyand)
In Cité Soleil, dem Slum von Port-au-Prince, sickert das Trinkwasser durch meterhohe Schichten Müll. Vor allen Dingen Kinder infizieren sich schnell mit der Cholera. (David Weyand)

Die Bakterien gehen auf unsachgemäß entsorgte Fäkalien aus dem Lager nepalesischer Blauhelmsoldaten zurück. Offiziellen Statistiken zu Folge sind bislang 10.000 Menschen gestorben, über eine halbe Million sind infiziert. Haitianische Menschenrechtsanwälte strengen einen Prozess gegen die Vereinten Nationen an, der international für Aufsehen sorgt. Sie fordern Wiedergutmachung für die Opfer und eine offizielle Entschuldigung der UN.

Colonel Guerra, Offizier der brasilianischen UN-Blauhelm-Soldaten, United Nations Stabilization Mission in Haiti (MINUSTAH). (David Weyand)Colonel Guerra, Presseoffizier in der MINUSTAH: "Mein Name bedeutet Krieg, aber ich komme in Frieden." (David Weyand)

O-Ton Colonel Guerra

Am 18. August 2016 bekennt sich die UN tatsächlich zu ihrer Verantwortung: Es gäbe großen Handlungsbedarf, sagt ein Sprecher der Vereinten Nationen. Doch schon einen Tag später ist klar: Einen Präzedenzfall wird es nicht geben. Vor Gericht bleibt die UN immun.

Mario Joseph, Menschenrechtsanwalt, Buerau des Avocats Internationeaux, Institute pour la justice & la Democratie en Haiti (David Weyand)Der Menschenrechtsanwalt Mario Joseph vertritt 5.000 Choleraopfer im Prozess gegen die UN. (David Weyand)

Eine Recherche unter Opfern und Tätern.

Bildergalerie des Fotojournalisten David WeyandVon Haitianern geschnitzte Blauhelm-Souvenirs: Der Totenkopf mittendrin ist das Symbol einer brasilianischen UN-Einheit, für Cholera-Opfer symbolisiert er ihr Leid.Der ehemalige Stützpunkt der nepalesischen Blauhelmsoldaten. Der Aufruf "Lerne, lehre und lebe Sicherheit" erscheint heute wie Hohn. Typische Szene am Fluss Meye, unmittelbar vor dem ehemaligen UN-Stützpunkt. Der Choleraerreger gelangte aus einer desolaten Toilettenanlage des Stützpunkt 2010 in den haitianischen Wasserkreislauf. Am Grab des Choleraopfers Génélia Jeuna. Ihrem Mann ist nur noch der Ausweis seiner Frau geblieben. In der Kirche der Kommune Saut d'Eau erzählen Mandanten im Choleraprozess dem Menschenrechtsanwalt Mario Joseph ihre Geschichte. Patrouille in Cité Soleil, dem größten Slum des Landes. Für Haitianer gehören schwer bewaffnete Soldaten zum Alltag. Im Schatten der MINUSTAH-Patrouille wandeln Kinder durch den Dreck ihres Viertels.Autorin Jenny Marrenbach im Interview mit Colonel Guerra.

Produktion: DLF/NDR 2016

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