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StartseiteForschung aktuellLachsläuse unter Beobachtung05.04.2018

ParasitenbekämpfungLachsläuse unter Beobachtung

Die Lachslaus ist ein Parasit, der sich in der Kopfregion ihrer Opfer festbeißt und sich dann tiefer und tiefer frisst. In manchen Gebieten sind die Wildlachse deshalb bereits verschwunden. Um einen weiteren Rückgang der Tiere zu verhindern, rücken Forscher dem Parasiten jetzt mit einem Monotoring-System zuleibe.

Von Dagmar Röhrlich

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Die Bauten einer Lachsfarm vor der Küste einer Lofoten-Insel. (picture alliance / dpa / Hinrich Bäsemann )
Es gibt Methoden, um Zuchtlachse vor Lachsläusen zu schützen - die Wildlachse hingegen leiden immer stärker unter dem Parasiten (picture alliance / dpa / Hinrich Bäsemann )
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Die Lachslaus ist ein kleiner Krebs, nur wenige Millimeter groß und orange gefärbt. Auffällig sind allenfalls die Weibchen durch ihre Eischnüre, die länger sind als sie selbst - und die Wunden, die der Parasit seinen Opfern zufügt. Seine Opfer, das sind Lachse, Meerforellen und Saiblinge. Und die Lachslaus beißt sich besonders gerne in ihren Kopfregionen fest und frisst sich dann tiefer und tiefer in sie hinein:

"Durch die industrielle Aquakultur ist in Norwegen die Zahl der Zuchtlachse im Vergleich zu dem Bestand an Wildlachsen enorm gestiegen. Und damit wuchsen auch die Probleme mit Parasiten. Die Lachsläuse sind von ihrer Evolution her an eine viel geringere Zahl an Wirten angepasst, und wenn - wie im Netzgehege - die Lachse dicht an dicht stehen, kann die Zahl der Parasiten explodieren", erklärt Mari Myksvoll vom norwegischen Meeresforschungsinstitut in Bergen.

Mit Putzerfischen gegen Lachsläuse

Um der Parasiten in den Netzgehegen Herr zu werden, haben die Betreiber mehrere Methoden entwickelt: etwa die Behandlung mit Pestiziden, deren Reste im Meer landen:

"Weil die Lachsläuse mehr und mehr gegen die chemische Behandlung resistent werden, halten viele Züchter zusammen mit den Lachsen nun auch Putzerfische. Die sollen die Parasiten abfressen. Doch diese Fische haben etwas andere Bedürfnisse als der Lachs, und so ist ihre Sterblichkeit hoch. Weil immer neue Putzerfische nachgefangen wurden und der Druck auf den Wildbestand zu groß war, züchten viele Lachsproduzenten sie inzwischen selbst nach."

Doch ob Chemiecocktail oder "biologische Abwehr": Diese Mittel helfen nur den Zuchtfischen in den Käfigen und nicht den wilden Lachsen, Meerforellen und Saiblingen. Also soll nun ein Monitoring-System die Situation verbessern:

"Das System arbeitet jetzt, und wir überwachen damit die gesamte norwegische Küste. Die Züchter müssen uns jede Woche den Befall mit Lachsläusen melden. Wir berechnen dann aufgrund der aktuellen Daten zu Strömungen, Wassertemperatur und Salzgehalt, wie sich die Larven der Lachsläuse im Küstenwasser ausbreiten werden."

Befall von Jahr zu Jahr unterschiedlich

Zur Kontrolle werden Wildfische gefangen und ihr Befall mit den Vorhersagen verglichen. Wie groß die Parasitenprobleme sind, ist von Jahr zu Jahr unterschiedlich:

"Wie die meisten Meerestiere mögen es auch die Lachsläuse warm. Während der Wintermonate ist der Befall deshalb gering, aber er steigt im Frühling sehr schnell an. Das ist jedoch auch die Zeit, in der die Wildlachse die Flüsse verlassen und durch die Fjorde ins offene Meer wandern. Überlappen beide Phänomene zeitlich, kann der Larvenbefall bei den Wildlachsen hoch werden, obwohl diese Fischart nur schnell durchzieht. Die Meerforellen sind noch stärker gefährdet, denn sie bleiben länger in den Küstengewässern und sind verwundbarer."

Immer mehr Wildlachse verschwinden

In Fjorden, in denen die Probleme mit den Lachsläusen hoch sind, verschwinden die Wildfische ganz. Das Überwachungssystem zeigt die Problemgebiete an, bevor es so weit ist:

"Die norwegische Regierung hat nun ein Managementsystem implementiert, nach dem die Lachsindustrie in den stark befallenen Gebieten nicht weiter wachsen darf - solange, bis die Züchter die Probleme unter Kontrolle haben."

Und so testen die Lachsfarmer derzeit auch Käfige, die unter der Meeresoberfläche geschlossen sind und den Parasiten das Eindringen schwerer machen. In ihnen sollen Lachse heranwachsen, bis sie etwa ein Kilogramm wiegen, und erst dann geht es für sie zur Mast in die traditionellen Anlagen. Der Sinn: Es verringert die Zeit, in der die Fische der Lachslaus ausgesetzt sind - und damit sinkt dann vielleicht auch der Lachslausbestand.

 

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