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StartseiteForschung aktuellPech im Spiel22.03.2002

Pech im Spiel

Hirnforscher beobachten Glücksspieler

<strong> Medizin. - "Rien ne va plus - Nichts geht mehr", alle Karten sind gezogen, die Zahl ist gesetzt. Wenn die Kugel einmal rollt, geht es nur noch um Gewinn oder Verlust. Doch was geht dabei vor im Gehirn nicht nur der passionierten Spieler? In einer eigenen, streng wissenschaftlichen Spielhölle, die mit den Casinos von Monte-Carlo oder Las Vegas kaum etwas gemein hat, gehen derzeit US-amerikanische Forscher dieser Frage nach und versuchen auf diese Weise, mehr über das menschliche Bewusstsein und vor allem seine Gefühle zu erfahren.</strong>

"Unsere Versuchspersonen saßen vor einem Computer, während wir ihre Hirnströme aufzeichneten. Auf dem Bildschirm wurden ihnen dann die Zahlenpaare fünf und 25 eingeblendet. Jeder der beiden Zahlen konnte dabei ein Gewinn oder Verlust in der Höhe ihres Wertes bedeuten", schildert William Gehring, der an der Universität von Michigan in Ann Arbor völlig legal sein eigenes Glücksspiel betreibt - für die Hirnforschung. Seine "Zocker" müssen sich stets für eine der beiden Zahlen entscheiden. Der Wissenschaftler misst dabei diskret, wie das Gehirn reagiert, wenn ein Spieler gewinnt oder verliert. Besonders auffällig dabei: Immer wenn seine Versuchspersonen Geld verlieren, zeichnet das Elektroenzephalogramm eine ganz bestimmte Aktivitätskurve auf. Sie entsteht, so vermutet William Gehring, durch in diesem Moment sehr emsige Nervenzellen in einem bestimmten Bereich des Vorderhirns direkt unterhalb der Stirn. Diese Hirnregion scheint offenbar nur bei Verlusten anzuspringen.

"Das Ausmaß des Verlustes scheint tatsächlich die Aktivität zu beeinflussen. Wenn die Spieler viel verloren, war die Aktivität größer als wenn der vorhergehende Verlust kleiner ausfiel", berichtet der Neurowissenschaftler. Stellte sich ein Verlust ein, trafen die Spieler anschließend häufiger eine riskantere Wahl - sie wählten häufiger die 25 anstatt der fünf. Doch der höhere mögliche Gewinn geht zwangsweise mit dem Risiko eines schwereren Verlustes einher. Ein vorangegangener Verlust beeinflusste also auch die folgenden Entscheidungen, fand Gehring heraus: "Das wichtigste Ergebnis - und darüber sind wir sehr überrascht - ist wie schnell sich diese Aktivität im Gehirn zeigt. Schon direkt nach dem Verlust, bevor man auch nur Gelegenheit hat darüber nachzudenken, hat unser Gehirn schon herausgefunden, dass wir Geld verloren haben. Es scheint ein ziemlich automatischer Prozess zu sein."

Vielleicht, so William Gehrings Idee, entsteht diese Hirnaktivität immer dann, wenn wir einen Fehler gemacht haben, wie eben beim Glücksspiel auf die falsche Zahl gesetzt zu haben. "Es ist im Moment eine der großen Fragen der Hirnforschung, herauszufinden, was in diesem kleinen Zentrum vorgeht. Einige Forscher glauben, dass diese Region bemerkt, wenn jemand einen Fehler macht. Andere meinen, dieses Hirngebiet sei primär dazu da, festzustellen, ob wir zwei Dinge gleichzeitig tun, etwa beim Tippen, wenn wir zwei Buchstaben auf der Tastatur gleichzeitig drücken", so William Gehring. Seiner Meinung nach dient das Hirnareal zur Realisierung negativer Ereignisse, wie beispielsweise beim Verlust von Geld.

[Quelle: Kristin Raabe]

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