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StartseiteNachrichten vertieftÄngste ernst nehmen oder sich distanzieren?20.12.2014

Pegida-BewegungÄngste ernst nehmen oder sich distanzieren?

Die aufklaffende Schere zwischen Arm und Reich, Jobverlust, Renteneinbußen - das seien die Ängste der Pegida-Anhänger, sagte der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek. Diese müssten ernst genommen werden. SPD-Vize Ralf Stegner betonte dagegen, es handele sich keineswegs um arglose Bürger.

Mehrere Pegida-Demonstranten halten ein Banner mit der Aufschrift "Gewaltfrei und vereint gegen Glaubenskriege auf deutschem Boden!" (imago/Peter Blick)
Vor allem in Dresden gehen regelmäßig Tausende auf die Straße, um gegen eine Islamisierung Deutschland zu demonstrieren. (imago/Peter Blick)
Weiterführende Information

Interview mit Bischof Heiner Koch zu Pegida - "Die Angst verbindet sie“
(Deutschlandradio Kultur, Religionen, 21.12.2014)

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(Deutschlandfunk, Kultur heute, 17.12.2014)

Fremdenangst aus Verunsicherung
(Deutschlandradio Kultur, Interview, 16.12.2014)

Pegida-Proteste - "Mit offenem Ohr begegnen"
(Deutschlandfunk, Interview, 16.12.2014)

"Keinen Dialog mit organisierten Neonazis"
(Deutschlandfunk, Interview, 16.12.2014)

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(Deutschlandfunk, Aktuell, 16.12.2014)

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(Deutschlandradio Kultur, Studio 9, 15.12.2014)

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(Deutschlandfunk, Kultur heute, 15.12.2014)

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(Deutschlandfunk, Aktuell, 15.12.2014)

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland hat dazu aufgerufen, sich intensiver mit den Anhängern der anti-islamischen Pegida-Bewegung auseinanderzusetzen. Vor allem die Politik müsse sich mehr um die sozialen Sorgen der Menschen kümmern. Das Schlagwort Islamisierung werde bei den Pegida-Demonstrationen nur als Deckmantel benutzt, betonte Mazyek im rbb inforadio. Die Ängste, die die Pegida-Anhänger umtrieben, seien die größer werdende Schere zwischen Arm und Reich, der mögliche Verlust des eigenen Arbeitsplatzes und ihrer Renten. Die Rädelsführer der Demonstrationen, darunter auch Rechtsextreme, versuchten, diese Themen zu islamisieren, sagte Mazyek: "In einem Land, in dem kaum Muslime leben."

Pegida steht für "Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes". In den vergangenen Wochen nahmen in Dresden und anderen deutschen Städten tausende Menschen an Kundgebungen der Bewegung teil und forderten unter anderem ein strengeres Asylrecht. 

Antworten auf Pegida gesucht

Politiker, Kirchen und Verbände diskutieren, wie mit der Bewegung umgegangen werden soll. Der Vizevorsitzende der Bundes-SPD, Ralf Stegner, kritisiert die Pegida-Anhänger: Er wolle keinesfalls Tausende Demonstranten als Nazis bezeichnen, sagte er der Nachrichtenagentur dpa, "aber arglose Bürger, die nicht wissen, was dort geschieht, sind das nicht. Das müssten solche sein, die Augen, Ohren und Nase zuhalten. Das stinkt nämlich, das ist inhaltlich rechts und das kann man hören und sehen." 

Auch der Vorsitzende des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, warnte davor, die Demonstranten zu unterschätzen: "Die Bewegung ist brandgefährlich. Hier mischen sich Neonazis, Parteien vom ganz rechten Rand und Bürger, die meinen, ihren Rassismus und Ausländerhass endlich frei ausleben zu dürfen", sagte er der Zeitung "Die Welt". Der ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Wolfgang Huber, sagte im Deutschlandradio Kultur, Christen sollten sich an einer Ausgrenzung von Muslimen nicht beteiligen. Vielmehr sollten sie für eine Gesellschaft mit offenem Charakter werben. Die Offenheit für Fremde schließe auch die Bereitschaft ein, sie aufzunehmen und Platz für Flüchtlinge zu schaffen. Pegida verletze diese christlichen Grundsätze.

Demonstranten nicht pauschal verurteilen

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hingegen betonte in der "Passauer Neuen Presse", wenn Tausende Menschen auf die Straße gingen, müsse man sich um "das, was diese Menschen an Ängsten im Herzen tragen, kümmern". Die Demonstranten seien "weiß Gott nicht alles Nazis". Ähnlich äußerte sich Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD): "Da ist auch viel verängstigtes Bürgertum dabei, sagte Albig der dpa. "Diesen Menschen müssen wir ihre Angst nehmen und dürfen sie nicht pauschal verurteilen."

 

(nin/pr)

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