Interview / Archiv /

 

Perlen aus dem Programm ab Mitternacht auf Sendung

Die Radionacht des Deutschlandfunks

Andreas Weber im Gespräch mit Friedbert Meurer

Deutschlandradio-Programmdirektor Andreas Weber, im Hintergrund: Intendant Willi Steul
Deutschlandradio-Programmdirektor Andreas Weber, im Hintergrund: Intendant Willi Steul (Deutschlandradio - Bettina Straub)

In der Radionacht wiederholt der Deutschlandfunk Beiträge aus dem Tagesprogramm. Präsentiert werden sie mit einer "neuen frischen Moderation", angepasst an das "Gefühl der Nacht", sagt Programmdirektor Andreas Weber.

Friedbert Meurer: Die Radio-Nacht im Deutschlandfunk, heute Nacht hat sie ihre erste Premiere gehabt. Das Neue daran ist also: statt überwiegend Musik gibt es bei uns jetzt Nachts von Montag bis Freitag ein Wortprogramm. Andreas Weber, der Programmdirektor des Deutschlandfunks, ist bei mir jetzt im Studio. Guten Morgen, Herr Weber.

Andreas Weber: Guten Morgen, Herr Meurer.

Meurer: Alles gut gelaufen?

Weber: Wunderbar!

Meurer: An wen richtet sich dieses Programm, an welche Nachteulen, die sich die Nacht um die Ohren schlagen und den Deutschlandfunk hören?

Weber: Es richtet sich an die, die nachts arbeiten müssen, dabei Zeit haben, noch ein klein wenig Radio zu hören, wach zu bleiben, und es richtet sich vielleicht auch an die, die nachts nicht schlafen können.

Meurer: Was genau wird denn jetzt nachts gesendet?

Weber: Wir sind als Perlentaucher unterwegs. Wir schauen, was wir am Tage an Perlen wirklich in diesem Programm haben, das ist eine Menge, und wir sind nach längeren Diskussionen zu dem Ergebnis gekommen, dass es schon wert ist, diese Sachen auch noch mal nachts zu senden.

Meurer: Perlentaucher heißt, das sind Perlen, die schon mal gesendet wurden?

Weber: In der Regel ja. Das sind in der Regel Wiederholungen, aber die noch mal in der Nacht mit einer neuen frischen Moderation umfasst werden, ummantelt werden, ich sage mal, dem Gefühl der Nacht noch mal angepasst werden und dann noch mal wiederholt werden.

Meurer: Warum haben Sie sich dafür entschieden zu sagen, wir senden Wiederholungen, wir senden jetzt nicht neue Ware sozusagen, nicht neue Informationen, überwiegend jedenfalls nicht?

Weber: Die Diskussion haben wir intern geführt. Das hängt damit zusammen, dass zunächst mal die Nachrichtendichte in der Nacht nicht allzu groß ist. Das ist das erste. Das zweite ist, dass es natürlich die Info-Nächte der ARD gibt. Wir wollten dort auch nicht in Konkurrenz treten, sondern das hiesige Programm zeichnet sich aus durch Hintergründiges, durch Vertiefendes, und das wollten wir in der Nacht ebenfalls bieten.

Meurer: Wir gehen davon aus, nicht jeder hört sozusagen von morgens sechs Uhr bis abends 24 Uhr das Programm, sondern nachts die Wiederholungen sind dann sozusagen für den Betreffenden doch eine Art Erstausstrahlung?

Weber: So ist es.

Meurer: In dem Spot, den wir eben gehört haben, heißt es: "Was ist das Schöne an der Nacht? – Alles wird ruhiger." Das heißt aber vermutlich nicht, dass die Radio-Nacht jetzt etwas schläfrig daher kommt?

Weber: Nein, überhaupt nicht, gar nicht, sondern ich glaube, das soll nur ein Hinweis darauf sein, dass man nachts ein anderes Hörverhalten an den Tag setzt, oder an die Nacht setzt, und dass wir dem Rechnung tragen wollen durch eine angepasste, der Stimmung angepasste Moderation.

Meurer: Vier Stunden Musik gab es bisher von eins bis fünf Uhr. Ist der Deutschlandfunk nur noch ein Wortsender, kein Musiksender mehr?

Weber: Nein, das nicht. Aber wir haben ein Großteil Wort bei uns im Programm, das sollte sich in der Nacht entsprechend widerspiegeln, und wir wollten eine klarere Strukturierung. Das heißt, wie Sie es eben eingangs sagten: von montags bis freitags in der Nacht Wort und ganz gezielt am Wochenende, anderes Hörverhalten, dann auf Musik gesetzt.

Meurer: Also am Wochenende wird es in der Nacht von Freitag auf Samstag und von Samstag auf Sonntag schon Musik geben?

Weber: Genau. Von Freitag auf Samstag setzen wir hier auf die, wenn man so möchte, gehobene Unterhaltungsmusik und von Samstag auf Sonntag dann auf die klassische Musik.

Meurer: Der Deutschlandfunk lebt ja von Gebührengeldern, ausschließlich von Gebührengeldern. Was sagen Sie jetzt den Hörern, Herr Weber, die uns jetzt nach der ersten Radio-Nacht fragen, habt ihr denn zu viel Geld?

Weber: Nein. Ich sage mal, das ist ein klein wenig teurer als das, was wir vorher gemacht haben. Aber ich glaube, dass jemand, der dieses Programm schätzt, weiß, dass solche Programme natürlich auch Geld kosten, dass das Gebühren sind, die wir hier entsprechend verwenden. Wir gehen damit sehr sorgsam um und das tun wir auch in der Nacht.

Meurer: Andreas Weber, der Programmdirektor des Deutschlandfunks, zur ersten Radio-Nacht, die heute im Deutschlandfunk gelaufen ist, ab sofort jede Nacht von Montag bis Freitag von null Uhr bis fünf Uhr morgens. Und Ihre Meinung können Sie uns dazu natürlich auch sagen. Klicken Sie mal auf unsere Homepage unter dradio.de oder auf unsere Seite bei Facebook. – Herr Weber, danke!

Weber: Auf Wiedersehen.


Weitere Infos:
Sendungsportal: Deutschlandfunk Radionacht

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Interview

Flugverbot in Israel"Es handelt sich um ein weltweites Problem"

Ein Flugzeug der Fluglinie Romania hebt vor Gebäuden des Flughafens Ben Gurion in Tel Aviv ab.

Die Einstellung von Flugverbindungen nach Tel Aviv ist umstritten. Für den Leiter der der Konrad-Adenauer-Stiftung Jerusalem betrifft die Debatte nicht nur Israel: Terrorgruppen weltweit könnten dem Beispiel der Hamas folgen, sagte er im DLF.

Antisemitismus"Frankreich sitzt auf einem Pulverfass"

Die Schriftstellerin Gila Lustiger

Die Ausschreitungen in Frankreich seien ganz offenbar antisemitisch, sagte die Schriftstellerin Gila Lustiger im DLF. Kritik an der Politik Israels sei zwar nicht immer gleich Judenfeindlichkeit, aber ein Anlass für Antisemiten, um ihre feindlichen Gefühle gegenüber Juden zu legitimieren.

Waffenembargo-Debatte"Russland geht nicht in die Knie"

Russische Soldaten bei einem Manöver mit Panzer.

Die EU diskutiert ein Waffenembargo gegen Russland. Die deutsche Rüstungsindustrie würde das kaum treffen, sagte der Rüstungsfachmann Thomas Wiegold im DLF. Andere europäische Länder zwar mehr, dennoch bliebe Russland "waffenstark".

 

Interview der Woche

EVP-Chef Weber zu TTIPAmerikaner müssen "klares und wuchtiges Signal senden"

Der CSU-Abgeordnete Manfred Weber ist neuer Chef der konservativen Europäischen Volkspartei (EVP) im Europaparlament.

Er werde dem Freihandelsabkommen mit den USA nur zustimmen, wenn der europäische Mehrwert eindeutig sei und es keine Abstriche beim Verbraucherschutz gebe, sagte der neue EVP-Chef Manfred Weber im Interview der Woche des DLF. Der Vorsitzende der konservativen Europäischen Volkspartei forderte von der amerikanischen Seite zudem Eingeständnisse bei Datenschutz und Spionage.

Fussball-WM in BrasilienZwanziger: Keine Alternative zu Blatter

Ex-DFB-Präsident Theo Zwanziger hat die Fußball-WM in Brasilien als gelungen bezeichnet und den stark kritisierten Weltfußballverband FIFA gelobt. Der FIFA sei es gelungen, das Turnier organisatorisch glänzend durchzuziehen, sagte er im Interview der Woche des DLF. Zum umstrittenen Präsidenten des Verbandes, Joseph Blatter, sieht er aktuell keine Alternative.

AfD-Chef LuckeFortschritt Griechenlands ist "reines Märchen"

Prof. Dr. Bernd Lucke, Ökonom und Parteigründer von "Alternative für Deutschland

Allein die Tatsache, dass es Griechenland kürzlich gelungen sei, eine Staatsanleihe von drei Milliarden Euro zu platzieren, heiße noch lange nicht, dass die Krise vorbei sei, sagte AfD-Chef Bernd Lucke im Interview der Woche des DLF. Es sei nur ein "Potemkin'sches Dorf" errichtet worden.