Wirtschaft am Mittag / Archiv /

Peugeot fährt Milliardenverlust ein

Französischer Autokonzern muss Kosten senken

Von Ursula Welter

Der französische Automobilhersteller Peugeot schreibt rote Zahlen.
Der französische Automobilhersteller Peugeot schreibt rote Zahlen. (picture alliance / dpa / Jan Woitas)

Die französische Autobranche kriselt: Der Konzern PSA Peugeot hat den schlechtesten Jahresabschluss seiner Geschichte vorgelegt. Davon ist nicht nur das Unternehmen selbst betroffen, sondern die gesamte wirtschaftliche Entwicklung in Frankreich. Der Staat möchte dennoch nicht eingreifen.

Alle wichtigen Kennziffern sind rot bei PSA. Der Autobauer Peugeot Citroën hat für 2012 ein historisch schlechtes Ergebnis vorgelegt: 5 Milliarden Euro Nettoverlust, 4,7 Milliarden Abschreibungen, der Umsatz um 5,2 Prozent gesunken auf 55,4 Milliarden Euro. Der französische Autobauer hat weniger als drei Millionen Autos weltweit verkauft.

Frankreichs Finanzminister, Pierre Moscovici, versuchte umgehend, den schlechten Zahlen die Dramatik zu nehmen:

"Das entspricht dem, was wir wussten. Frankreichs Autobranche insgesamt steckt in einer schwierigen ökonomischen Lage."

Darauf verweist auch die Firmenleitung von PSA und auf die eingeleiteten Umstrukturierungen. Im vergangenen Juli hatte das Unternehmen das Ende der Produktion am Standort Aulney nahe Paris angekündigt und den Abbau von 11.000 Stellen, 3000 davon durch natürliche Fluktuation.

Kapazitäten und Kosten runter, das sei der einzige Weg aus der Krise. Die Verhandlungen über den Sozialplan laufen, vier Gewerkschaften der zersplitterten französischen Arbeitnehmerlandschaft signalisieren Zustimmung, während die Arbeiter regelmäßig gegen den Stellenabbau streiken.

"Das Unternehmen stelle sich neu auf, sagt der Finanzminister, mit neuen Allianzen, der Verbesserung der Produktpalette und dem Sozialplan, von dem die Regierung hofft, dass er nicht noch dramatischer ausfallen muss, als bislang gedacht."

An eine Fusion mit Opel - über die vereinbarte Zusammenarbeit hinaus - werde jedoch nicht gedacht, wurden entsprechende Gerüchte einmal mehr dementiert. Auch aufseiten der Bundesregierung hatte es zuletzt geheißen, erst einmal gehe es darum, Opel und PSA neue Märkte zu erschließen.

Andere Gerüchte um PSA standen aber heute wieder im Raum. Budgetminister Cahuzac hatte vor wenigen Tagen von einer eventuell nötigen Nationalisierung des Autokonzerns gesprochen, der Premierminister widersprach, und auch Finanzminister Moscovici sagte heute früh im französischen Rundfunk, das stehe nicht auf der Tagesordnung:

"Dennoch greift der französische Staat ein. Die unter massiven Liquiditätsproblemen leidende, konzerneigene Bank "PSA-Finance" wird durch Staatsgarantien gestützt – Brüssel hatte vor ein paar Tagen für einen Teil der geplanten Hilfen grünes Licht gegeben, aber auch gefordert, PSA und seine Bank müssten zeigen, dass sie ohne öffentliche Stützung leben könnten. Peugeot Citroën will, nach eigenen Angaben, bis Ende 2014 ein ausgeglichenes Ergebnis vorlegen. Alle Hoffnungen ruhen auf einer Erholung des europäischen Raums und den Wachstumszahlen in Asien."

Das französische Umfeld bleibt für den Konzern allerdings schwierig. Derzeit wird laut diskutiert, ob Frankreich seinen Schuldenabbau stemmen kann, Außenminister Laurent Fabius hatte heute bezweifelt, dass das 3-Prozent-Defizitziel eingehalten werden könne. Finanzminister Pierre Moscovici dementierte dies eher nicht, als er sagte:

"Wir hatten das Wachstumsziel mit 0,8 Prozent fixiert. Zugegeben, das wird schwierig, das Gleiche gilt für das Defizitziel für 2013."

Die Prognosen der kommenden Wochen, auch jene in Brüssel, seien abzuwarten, sagte der Finanzminister. Seit Wochen gibt es Gerüchte, dass Frankreich um Aufschub beim Schuldenziel bitten wird.

Mehr auf dradio.de:

Frankreichs Arbeitsmarkt im Ausnahmezustand - Hunderttausende Stellen weggebrochen

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Wirtschaft am Mittag

EU-Russland-KonfliktErdgasversorgung auch bei Eskalation gesichert

Gas-Tanks im russischen Kaliningrad.

Manche Politiker warnen: Europa sei zu abhängig von russischem Gas, Sanktionen gegen Putin hätten schwere Folgen für die europäische Versorgung. Energiemarktkenner winken hingegen ab: Verbraucher müssten sich keine Sorgen machen, dass Russland den Gashahn zudreht.

GründerszeneVertreibung aus dem Start-up-Paradies

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) posiert beim Besuch des Spiele-Softwareunternehmens wooga GmbH am 23.01.2013 in Berlin vor einer bunten Tapete. Auf einer vier Stationen umfassenden Start-Up-Unternehmens-Tour informierte sich Wowereit über Probleme und Nöte der Start-Up-Szene Berlins.

Ob Übernachtungen oder Taxifahrten: In der Hauptstadt wollen junge Internet-Start-ups Marktanteile ergattern. Doch nun pocht die Stadt Berlin auf ihre Gesetze und schützt alteingesessene Unternehmen. Die Gründer kritisieren im Gegenzug Innovationsfeindlichkeit - nicht nur in Berlin.

Chinesischer Online-Händler AlibabaMärchenhafter Börsenstart erwartet

Chinesische Arbeiter verlassen das Alibaba-Hauptquartier im Osten Chinas, vor dem der Alibaba-Schriftzug zu sehen ist.

Der chinesische Internetkonzern Alibaba wird bald an der Wall Street an den Start gehen. Schon 2007 wagte die Firma ein Börsendebüt in Hong Kong - das Listing wurde jedoch wieder aufgegeben. Viele versprechen sich schon jetzt märchenhafte Einnahmen.