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StartseiteUmwelt und VerbraucherMehrweg to go08.09.2017

Pfandsystem für GeschirrMehrweg to go

In einem Pilotprojekt versucht in Stuttgart eine "Mehrweg Initiative", den Verpackungsmüll beim Essen to go zu reduzieren. Dabei kommen Mehrwegboxen zum Einsatz, die über ein Pfandsystem in über zehn Gastronomiebetrieben angeboten werden.

Von Uschi Götz

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Nudeln und Gemüse in einer Aluminiumschale auf einem Tisch. (imago)
Einweg-Verpackungen sollen durch das Mehrwegsystem "reCIRCLE" beim Essen to go ersetzt werden (imago)
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Kurz nach 12, Hochbetrieb in der Stuttgarter Innenstadt. Schnell was essen, das geht fast überall entlang den Haupteinkaufsstraßen. Die Sitzplätze sind allerdings rar. Kein Platz zum Essen oder keine Zeit zum Hinsitzen - es gibt viele Gründe, weshalb immer mehr Gastronomie-Betriebe Essen zum Mitnehmen anbieten. Neudeutsch auch "Take away food" genannt:

"Für mich grünes Pesto, kleine Portion und auch im Mehrweggeschirr bitte."

Bei Pasta Baby gibt es Nudeln to go aus eigener Herstellung. Seit Juni nimmt der angesagte Laden an einem Pilotprojekt teil und bietet das Essen auch in Mehrweggeschirr an. Wer das Essen mitnimmt, hat die Wahl, wie Mitarbeitern Anna Färner erzählt:

"Wir haben bereits recycelbare Verpackungen und auch Gabeln aus Maisstärke. Nichtsdestotrotz ist es aber Müll, der natürlich anfällt. Den sparen wir uns durch die Boxen natürlich, das haben die Kunden auch erkannt. Es wird von unseren Gästen sehr gut angenommen."

10 Euro Pfand für Mehrweggeschirr

"Käse oder Rucola"? Student: "Käse" - "Ich habe nur die kleinere Schüssel, aber die reicht auch vollkommen." - "So, 13 Euro 90. Die Portion kostet 3, 90 und dann noch Pfand."

10 Euro Pfand kostet das Mehrwegsystem, in diesem Fall eine auberginefarbige Box mit Deckel. Bei der Farbe gibt es keine Auswahl, die Box selbst gibt es im ein- oder zwei - Kammersystem. Auch ein Becher gehört zum Sortiment. Wer nicht mehr mitmachen möchte, gibt Box oder Becher wieder ab und bekommt sein Pfand zurück.

Die Studentin hat sich heute eine reBox zugelegt. Ihr Freund hat von Anfang an mitgemacht:

"Entweder ich esse es draußen irgendwo, gemütlicher, wo es nicht so voll ist, oder ich nehme es mit nach Hause, spüle es da oder ich gebe es hier halt wieder dreckig ab."

Anderes Mehrwegsystem in Berlin

Aus einer kleinen Gruppe von Greenpeace und Cradle2Cradle-Mitgliedern ist die "Mehrweg Initiative Stuttgart" entstanden. In einem deutschlandweit bislang einzigartigen Pilotprojekt versucht die Gruppe auf ehrenamtlicher Basis, das reCIRCLE Mehrwegsystem bei möglichst vielen Gastronomiebetrieben einzuführen:

"Wir wollten das Rad nicht neu erfinden und deswegen haben wir mal ein bisschen recherchiert, was es so gibt. Dann gab es eben zwei, die infrage kamen: reCIRCLE, das ist aus der Schweiz, das gibt es da schon seit 2014. Und dann 'Tiffin', ursprünglich kommt das aus Indien."

Das Mehrwegsystem "Tiffin" hat sich vor allem in Berlin durchgesetzt. Bei den Stuttgartern war es ein Belastungstest, der für das Schweizer Modell sprach:

"reCIRCLE, weil diese Boxen halt ziemlich auslaufsicher sind, nicht 100 Prozent, aber ziemlich."

Elf Gastronomiebetriebe machen bereits beim Pilotprojekt mit. Bundesweit bislang einzigartig und die Betriebe kooperieren in Sachen Geschirr miteinander:

"Mit diesem System sind wir die Ersten, die mit mehreren Gastronomien arbeiten. Das funktioniert so, dass man da sein Essen mitnehmen kann, und die leere Boxen überall wieder zurückgeben kann."

Projekt soll sich finanziell tragen

Wer mit seinem Mehrweggeschirr ankommt, bekommt eine neue Box. Was zurückkommt, landet in den leistungsstarken Spülmaschinen der Betriebe. Die Boxen- oder Becherbesitzer müssen ein paar wenige Spielregeln beachten:

"Wir haben es so kommuniziert: Da sollte kein Leben drin sein. Sprich, wenn irgendwelche Pilze schon drin wachsen, dann sollte man es nicht mehr zurückgeben. Generell muss man es nicht spülen. Es hilft immer, es mal kurz abzuspülen."

"Bereits nach fünfmaligem Wiederbenutzen und Waschen schneide die reBOX besser ab als Einweggeschirr," erklärt Jonas Umgelter, der in Stuttgart Umweltschutztechnik studiert hat. Die Merhrweg-Inititiative will das Projekt weiterentwickeln, sodass es sich auch finanziell trägt:

"Wir haben jetzt eine Crowdfunding-Kampagne gemacht, um das zu finanzieren. Die Anzahl von Gastronomien, die jetzt mitmachen, ist unser Rahmen, den wir finanziell stemmen können. Eben weil wir es ehrenamtlich machen und auch sonst keine Gelder haben. Das heißt nicht, dass wir damit riesen Geld verdienen wollen, aber es soll sich halt selbst finanziell tragen. Und da sind wir auf jeden Fall auch jetzt offen für neue Gastronomien, die Interesse haben."

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