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StartseiteUmwelt und VerbraucherSchluss mit "Müll-to-go"22.11.2016

Pfandsystem für Kaffeebecher in FreiburgSchluss mit "Müll-to-go"

Coffee-to-go-Becher haben keine besonders lange Lebensdauer. Genau einmal werden sie mit Kaffee befüllt, dann landen sie im Müll. Die Stadt Freiburg hat nun in den Cafés und Bäckereien der Innenstadt recycelbare Kaffeebecher eingeführt und hofft, dass sie sich durchsetzen.

Von Anke Petermann

Ein Mehrwegbecher aus Kunststoff steht am 21.11.2016 in Freiburg (Baden-Württemberg) in der Unibibliothek auf einem Werbeplakat.  (dpa/picture-alliance/Patrick Seeger)
In 15 Freiburger Cafés und Bäckereien bekommen Kunden den neuen Mehrwegbecher für Kaffee. (dpa/picture-alliance/Patrick Seeger)
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Coffee-to-go, der Mitnehm-Kaffee im Pappbecher - ein Produkt moderner Hektik. Wann man ihn braucht?

"Ja, eigentlich immer. Ich nehm‘ eigentlich Kaffee öfter mit, als ich ihn irgendwo trinke, deswegen auf jeden Fall immer Pappbecher." - "Wenn ich kurz vor der Vorlesung noch nen Kaffee will, dann nehm‘ ich ihn halt doch im Pappbecher mit." - "Dann bin ich wirklich in ganz arger Not und brauch‘ ganz, ganz dringend einen Kaffee, habe aber keine Zeit, den in aller Ruhe zu trinken. Also, dann muss ich schon sehr, sehr müde sein."

Großstädter  produzieren tonnenweise Müll

Immer oder nur in größter Not - die einen halten den Pappbecher für ein unproblematisches Recyclingprodukt, den anderen ist bewusst, dass er mit Kunststoff beschichtet und Teil der wachsenden Müllflut ist, die mobiles Essen und Trinken verursachen.

320.000 Mal am Tag entscheiden sich Kaffeedurstige bundesweit für den Pappbecher, zwölf Millionen Mal im Jahr allein in Freiburg. Die hohen Entsorgungskosten für to-go-Verpackungen werden auf alle Steuerzahler abgewälzt. Was die Mitarbeiter der örtlichen Stadtreinigung ihrem Chef Michael Broglin zurück melden:

"Diese Becher finden nicht den Weg in die Abfallkörbe, sondern liegen überwiegend auf den Straßen, in den Grünanlagen, auf den Seitenstreifen und sind dann mühselig wieder aufzunehmen. Ich hoffe deswegen allein schon dafür, dass dieses Pfandbechersystem sich etabliert. Und jetzt würde ich vorschlagen, gehen wir da rüber zu der Cafeteria und holen den ersten Kaffee im Pfandbecher."

"Und ich nehme einen Espresso Macchiato. Im Becher! Im Becher!"

Das Café Libresso in der Unibibliothek gehört zu den ersten in Freiburg, die Kaffee ab jetzt auch im beigefarbenen Propylen-Becher für einen Euro zusätzlich verkaufen.

400 Mal lässt sich der neue "Freiburg Cup" wiederverwenden

Lebensmittelecht, hitzebeständig, spülmaschinenfest und 400 mal recycelbar ist der in München produzierten Becher. Nicht jeden ambulanten Kaffeetrinker überzeugt das Modell.

"Die Größe ist jetzt noch nicht so optimal oder?" - "Ja, für nen Latte Macchiato ist es zu klein."

Der eher gedrungene Becher mit der grünen Freiburg-Skyline wurde ausgewählt in Absprache mit den Pionierunternehmern, die sich am neuen Pfandsystem beteiligen. Er muss unter alle Kaffeemaschinen passen, sagt Michael Broglin.

"Also, mit machen 15 Betriebe, wir haben das momentan erst mal beschränkt auf den Innenstadtbereich, um einfach da anzufangen, aber unser Ziel ist natürlich, das aufs gesamte Stadtgebiet auszudehnen. Es sind Bäckereiketten dabei, es sind aber auch einzelne Café-Betreiber dabei. Und wir werden jetzt noch mal gezielt in den nächsten 14 Tagen Cafés ansprechen im Innenstadtbereich."

Allerdings verkaufen die meisten teilnehmenden Cafés weiterhin auch Kaffee im Pappbecher.

30 Cafés und Bäckereien sollen bis Jahresende mitmachen

30 Betriebe, die bis Jahresende das Schild mit dem Pfandbecher, genannt "Freiburg Cup", raushängen, ist das Ziel, so die grüne Umweltbürgermeisterin Gerda Stuchlik.

"Man geht dorthin, kauft sich einen Kaffee, zahlt einen Euro Pfand für diesen Becher und kann ihn dann auch irgendwo anders wieder abgeben", wo er in der Maschine gespült und befüllt mit frischem Kaffee an den nächsten Kunden weiter verkauft wird.

"Ein dichtes Netz von Cafeterien und Bäckereien ist natürlich in der Frage sehr, sehr hilfreich."

Damit die nomadischen Kaffeetrinker das Gefäß möglichst schnell wieder loswerden und den Euro zurückbekommen. Kundenfrage:

"Kann man die verschließen?"

Deckel bleibt weiterhin aus Einweg-Plastik 

Kann man, allerdings nur mit einem Einweg-Deckel aus Plastik. Wiederverwendbares Silikon ist keine perfekt hygienische Alternative, erklärt Michael Broglin.

"In dem Silikon können sich so Milch-Anhaftungen ergeben, und wenn Sie das nicht ganz exakt spülen, können da Keime entstehen, und das Risiko liegt dann bei dem Café-Betreiber. Wenn der Ihnen Kaffee ausschenkt, über den Tresen gibt, und Sie holen sich dadurch eine Durchfallerkrankung, ist der Kaffeebetreiber dran."

Das Modell mit dem Wegwerf-Deckel war daher das einzige, das die Betreiber akzeptierten. Als erste deutsche Stadt erfüllt Freiburg mit dem neuen Pfandsystem eine Forderung der Deutschen Umwelthilfe.

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