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StartseiteUmwelt und VerbraucherAlternativen zu Glyphosat & Co.21.06.2016

Pflanzenschutz im GartenAlternativen zu Glyphosat & Co.

249 Pflanzenschutzmittel sind in Deutschland derzeit für den Privatgebrauch zugelassen, viele davon mit dem Wirkstoff Glyphosat darin. Doch der könnte Ende des Monats seine Zulassung in der EU verlieren, sodass die alternativen Substanzen in den Fokus rücken. Das Umweltbundesamt rät grundsätzlich von Chemie im Garten ab.

Von Daniela Siebert 

Frau transportiert Gartenabfälle mit einer Schubkarre (imago/Redeleit-L.)
Jäten statt düngen? Dazu rät das Umweltbundesamt. (imago/Redeleit-L.)
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Moos, Giersch, Klee, Löwenzahn und viele ihrer botanischen Geschwister können Haus- und Gartenbesitzern das Leben sehr schwer machen. Immer dann, wenn sie in großer Menge dort gedeihen, wo gar nichts oder etwas anderes wachsen soll. Da ist die Versuchung groß, die Chemie-Keule zu schwingen. Doch die ist an befestigten Stellen wie Gehwegen, Garageneinfahrten, Terrassen und Treppen verboten, erklärt Peter Boas, Leiter des Berliner Pflanzenschutzamtes:

"Legal ist für den Privatmann entweder: Ich mache es mechanisch, da gibt es ja die verschiedensten Möglichkeiten, oder ich muss die thermischen Verfahren nutzen, also die Gas-Brenner, aber ich denke, die Flächen sind zumutbar, dass man das per Hand. Also Herbizide müssten Sie in jedem Fall beantragen bei den Pflanzenschutzdiensten und ich geben Ihnen Brief und Siegel, in 100 Prozent der Fälle werden Sie dort keine Genehmigung bekommen."

Grund für das Verbot: Von befestigten Flächen können die Substanzen leicht in die Gewässer gespült werden, das soll vermieden werden. Grundsätzlich hält er den Einsatz von Chemikalien im Haus- und Gartenbereich für eine Notlösung. Pelargonsäure in Kombination mit Maleinsäurehydrazit sei bei größerem Giersch-Befall eine Option:

"Man könnte mühselig das Ganze ausbuddeln, macht viel Arbeit, da kann eine Herbizidanwendung sinnvoll sein. Und den Rest - einmal richtig gemacht - schafft man dann tatsächlich mechanisch, eine andere Pflanze, die auch problematisch sein kann, der Ackerschachtelhalm, da wirkt dieses Mittel auch phantastisch." 

Pelargonsäure nicht nachhaltig

Das Umweltbundesamt rät von Chemie im Garten allerdings grundsätzlich ab und fordert mehr Toleranz. Jörn Wogram, Leiter der Abteilung Pflanzenschutz in Dessau:

"Es ist so, dass viele der sogenannten Unkräuter letztlich eine ökologische Funktion erfüllen, sie dienen nämlich Insekten, zum Beispiel Schmetterlingen oder Bienen als Nahrungsgrundlage und viele von ihnen entpuppen sich auch, wenn man sie etwas länger wachsen lässt, als ganz schöne Blütenpflanzen. Das heißt, man sollte Unkraut aus unserer Sicht nicht prinzipiell bekämpfen, sondern immer nur dann, wenn es wirklich stört. Dann sollte man natürlich zum Beispiel, wenn es die Kulturpflanze überwuchert, natürlich eingreifen." 

Gemeint ist vor allem: jäten. Gleichwohl sind über 200 Pflanzenschutzprodukte auf dem deutschen Markt zugelassen. Privatanwender dürfen sie kaufen und gemäß Anleitung einsetzen, wenn sie die Aufschrift "Anwendung im Haus- und Kleingartenbereich zulässig" tragen. Oder "Anwendung durch nicht-berufliche Anwender zulässig". Zu den gängigsten Wirkstoffen nach Glyphosat gehört die Pelargonsäure. Die wirke zwar schnell, aber nicht nachhaltig, warnt Peter Boas:

"Die Pelargonsäure ist ein Kontaktherbizid. Ein Kontaktmittel wirkt nur auf die oberirdischen grünen Pflanzenteile und wenn ich an den Löwenzahn denke oder an viele andere Pflanzen, wie zum Beispiel Wegerich-Arten, da besteht dann die große Gefahr, dass die aus ihren Wurzeln nach zwei Wochen wieder richtig schön grün dastehen und man müsste dann die Anwendung sechs bis acht Mal im Jahr machen, also bitte machen Sie das nicht."

Bei Falschanwendung drohen hohe Bußgelder

Auch Essigsäure wird angeboten, die wirke ebenfalls schnell, aber nur oberflächlich und nicht über längere Zeit so Peter Boas. Man dürfe auch nicht den Essig aus der Küche oder vom Putzen verwenden, der sei im Gartenbereich nicht zugelassen. Auch Produkte, die etwa an der Hauswand legal gegen Algen und Moose verwendet werden dürfen, darf man nicht im Garten einsetzen:

"Sie finden im Handel, insbesondere im Internet, eine ganze Reihe von Biozid-Produkten, die sogenannte quartäre Ammoniumverbindungen enthalten, das sind auch so Reinigungsmittel, die man einsetzen könnte auf Friedhöfen für Grabsteine, aber die gibt es auch, um Häuserfassaden frei zu halten von grünen Belägen. Dafür sind sie registriert, dafür dürfen sie angewandt werden, wenn ich aber auf die Idee komme, ach ich nehme die mal für meinen Gehweg oder für meine Garageneinfahrt, dann sind wir wieder bei einer Ordnungswidrigkeit im Pflanzenschutz."

Bei Falschanwendungen von Bioziden oder Pflanzenschutzmitteln drohen drei- bis fünfstellige Bußgelder. Allerdings ist das Risiko erwischt zu werden gering. Wer es mit sich, dem Garten und der Umwelt gut meint, sollte sich daher beim Kauf solcher Substanzen fundiert beraten lassen, was laut einer Untersuchung des BUND in Garten- und Baumärkten leider nicht immer gewährleistet ist. Sehr gut informieren dagegen die Internetseiten der Pflanzenschutzämter, des Umweltbundesamtes und des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. Über die richtige Anwendung und Lagerung von Pflanzenschutzmitteln und Alternativen dazu. Jäten, abbrennen und heißes Wasser gehören ebenso dazu wie eine veränderte Gartengestaltung. 

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